Zukünftiger Boom der Biomasse – Chancen und Risiken

,

Biomasse: Holz

Biomasse ist mit einem Anteil von 77 Prozent der weltweit meist verwendete erneuerbare Energieträger. Allein 87 Prozent davon sind Bäume und andere Holzgewächse. Mit den ambitionierten Klimaschutzzielen vieler Staaten wird der Bedarf zukünftig steigen und neue Entwicklungschancen aber auch Gefährdungen mit sich bringen.

Die G8-Staaten haben 2009 beschlossen, die globalen Treibhausgasemissionen um 80 Prozent bis zum Jahre 2050 (gegenüber 1990) zu verringern. Einen Schwerpunkt bildet dabei der Ausbau der erneuerbaren Energien. 2010 betrug der weltweite Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch etwa 16 Prozent. In Deutschland wurden 2010 11,3 Prozent des Energieverbrauchs durch erneuerbare Energien abgedeckt und minderten den CO2-Ausstoß damit um 110 Millionen Tonnen im Jahr. Ein bedeutender Faktor ist die Biomasse, die hierzulande 8,1 Prozent des Energiebedarfs bereitstellt.

Während die Biomasse in Deutschland bei der Stromerzeugung nur ein Drittel neben Wind- und Solarenergie sowie Geothermie beisteuert, waren es bei der Wärmegewinnung im Jahr 2010 133,9 von 144,7 Milliarden Kilowattstunden, wovon 103,4 Milliarden Kilowattstunde allein durch biogene Festbrennstoffe (Holz, Holzpellet, Zellstoff) aufgebracht wurden.

Viele Staaten auf Biomasse-Export angewiesen

Für den Klimaschutz wollen die EU und die USA den Anteil erneuerbarer Energien bis 2020 auf 20 Prozent beziehungsweise auf 25 Prozent des Energieaufkommens ausbauen. Der zukünftige Bedarf an Biomasseenergieträger kann in vielen Staaten allerdings nicht mittels der einheimischen Holzproduktion gedeckt werden und so wird sich der bisherige minimale Weltmarktanteil von ein Prozent in Zukunft wohl enorm steigern. Großbritannien importierte beispielsweise 2010 bereits 700.000 Tonnen Holzprodukte zur Energiegewinnung, was 13 Prozent seines Endenergieverbrauchs darstellte, und wird 2020 Schätzungen zu Folgen allein 48,3 Millionen Tonnen Biomasse benötigen. Damit eröffnen sich neue Exportmöglichkeiten aber auch Risiken.

Kanada, Norwegen, Russland und die USA reagierten auf den absehbaren Trend und bauten 2010 große Pelletanlagen. Gleichzeitig suchen europäische und nordamerikanische Energiekonzerne nach neuen Holzfördergebieten in Asien, Afrika und Südamerika, da sich tropische Regenwälder aufgrund ihrer vergleichsweise hohen Wachstumsraten besonders gut für die Biomasseproduktion eignen. In vielen Staaten der Südhalbkugel könnte sich die Biomasse damit zur Gefahr entwickeln, wenn die Holzproduktion in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion gerät, sowie den freien Zugang zu Wasserressourcen und die Biodiversität gefährdet. Außerdem könnte der Devisenmangel vieler Staaten der Südhalbkugel diese zum Verkauf von Naturschutzgebieten für die Holzproduktion verleiten. Zudem sind Kleinbauern aufgrund der unsicheren Landrechte nicht vor Enteignungen geschützt und könnten den Holzanbauprojekten weichen müssen.

Unterstützung für Entwicklungsländer

Damit die Entwicklungsländern von ihrem Rohstoffreichtum profitieren können, benötigen sie infrastrukturelle, rechtliche und wirtschaftliche Unterstützung. Die EU könnte von ihrem Vorbehaltsrecht Gebrauch machen und nur nachhaltig produzierte Biomasseträger importieren. Auf internationaler Ebene findet bisher allerdings lediglich ein Austausch über Umweltstandards der Biomasseproduktion in Form von Arbeitsgruppen der Global Bioenergy Partnership (GBEP) statt.

Des Weiteren könnte die drohende Landfrage mit einem stärkeren Fokus auf die Algenproduktion gelöst werden. Jedoch befindet sich die energetische Nutzung von Algen noch in der Forschungs- und Entwicklungsphase. Zukünftig werden wohl die industriellen Abfallstoffe und auch die Biomülltonne für die Biomasseproduktion zunehmend interessanter.

Katja Friedrich

 

Leave a Reply