Zu hohe Nitratwerte im Raum Leipzig

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WWF-Report: Im Raum Leipzig massive Überschreitung der Nitratgrenzwerte.
WWF-Report: Im Raum Leipzig massive Überschreitung der Nitratgrenzwerte.

Das Grundwasser in der Region Leipzig ist massiv mit Nitrat belastet. Das zeigen die Ergebnisse des WWF-Regionalreports. Der WWF teilt mit, dass die Nitratgrenzwerte in den vergangenen Jahren teils massiv überschritten wurden. Zudem fand man häufig problematische Rückstände verschiedener Pflanzenschutzmittel. Auch die Artenvielfalt leidet. Als Verursacher machen die Autoren die intensive Landwirtschaft in der Region aus. Abermals leidet die Natur unter dem hohen Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden.

Der Raum Leipzig, zwischen Saale und Elster, ist weitgehend umgeben von flachen Landschaften mit fruchtbaren Böden. Diese eignen sich seit Jahrhunderten für die intensive landwirtschaftliche Nutzung. So befindet sich beispielsweise das drittgrößte Obstanbaugebiet Deutschlands nahe der größten Stadt Sachsens. In der vom WWF-Regionalreport betrachteten Region befinden sich Betriebe mit einer bewirtschafteten Fläche von insgesamt 457.117 Hektar. Verglichen mit dem bundesdeutschen Durchschnitt von etwa 60 Hektar pro Betrieb sind die untersuchten landwirtschaftlichen Betriebe der Region mit durchschnittlich 223 Hektar übermäßig groß. Insbesondere in den Obstanbaugebieten sind die gemessenen Nitratwerte im Grundwasser stark überschritten.

Für Trinkwasser definiert die deutsche Trinkwasserverordnung einen maximalen Nitratgrenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Die gleichen Werte fordert die 1991 beschlossene Nitratrichtlinie der Europäischen Union. Die Europäische Kommission hat Deutschland schon mehrfach aufgefordert sich an diese Richtlinie zu halten und stärker gegen die Verschmutzung seiner Gewässer mit Nitrat vorzugehen. Wegen Verletzung der EU-Nitratrichtlinie reichte die EU-Kommission im Herbst 2016 sogar Klage gegen Deutschland beim Europäischen Gerichtshof ein.

„Natur und Landwirtschaft sind keine voneinander abgekoppelten Systeme. Sie können nur gemeinsam dauerhaft erfolgreich sein und müssen wieder in Einklang gebracht werden“, warnt auch Markus Wolter, Referent für Agrarpolitik und Landwirtschaft des WWF in Deutschland.

Für die Region Leipzig, die der WWF-Regionalreport untersuchte, wiesen im Zeitraum von 2008 bis 2014 teilweise über die Hälfte der Messstellen eine deutliche Belastung mit Nitrat auf. Zusätzlich wurden oftmals problematische Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden. 2014 überschritten 51 Prozent der Messstellen den erlaubten Nitratgrenzwert von 50 Milligramm pro Liter. An 14 Prozent der Messstellen war die Nitratkonzentration sogar mehr als doppelt so hoch.

Der WWF-Regionalreport sieht einen klaren Zusammenhang in der hohen Nitratbelastung durch die intensive Landwirtschaft und dem immer größeren Verlust der Artenvielfalt. Der flächendeckende Einsatz von Pestiziden führt einerseits zum direkten Artenverlust in der Flora und andererseits zum Rückgang von Folgenutzern wie Vögeln oder Insekten.

Die WWF-Experten fordern daher einen Umbau des Agrarsektors. Für sie ist eine umweltschonende Bewirtschaftung durch ökologischen Landbau obligatorisch. „Der Umbau des Agrarsektors ist eine große Herausforderung mit der wir die Bauern nicht alleine lassen dürfen. Politik wie Gesellschaft müssen in einen nachhaltigen Agrarsektor investieren. Umweltfreundlich produzierende Landwirte brauchen ein gerechtes und zuverlässiges Einkommen“, erklärt Markus Wolter.

Quelle: WWF