Zehn Tonnen Kohle vor dem Kanzleramt

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Klimaschutz und Kohleausstieg. Greenpeace fordert "Raus aus der Kohle"
Greenpeace fordert sofortigen Kohleausstieg. Aktivisten demonstrieren mit zehn Tonnen Kohle vor dem Kanzleramt.

Vergangenen Donnerstag demonstrierten Aktivisten des Umweltverbandes Greenpeace für Klimaschutz und Kohleausstieg. Dabei luden sie unter anderem zehn Tonnen Kohle vor dem Bundeskanzleramt ab. Dazu forderten sie per Spruchbanner „Raus aus der Kohle, Frau Merkel!“. Ebenfalls am Donnerstag veröffentlichte die Organisation eine Bilanz zum Klimaschutz der letzten zwölf Jahre unter Kanzlerin Merkel. Dabei wird der ehemaligen Umweltministerin Versagen beim Schutz von Klima und Umwelt vorgeworfen. Auch die Sondierungsgespräche der Jamaika-Parteien stocken bei den Themen Klima- und Energiepolitik.

Anlass zu der Demonstration ist die von Greenpeace veröffentlichte Klimaschutz-Bilanz unter Merkels Kanzlerschaft. Die Organisation sieht damit das bisherige Versagen der Kanzlerin belegt. „Merkel verspricht viel beim Klimaschutz und hält bisher wenig“, kritisiert Karsten Smid, Klimaexperte von Greenpeace. „Nur mit einem Ausstieg aus dem schmutzigen Kohlestrom ist das Klimaziel der Bundesregierung bis 2020 noch zu erreichen.“

Greenpeace-Aktivisten demonstrierten in den vergangenen Wochen vermehrt in der Bundeshauptstadt. Vor allem für Verbote von Verbrennungsmotoren und den sofortigen Kohleausstieg macht sich die Organisation stark.

Der Kohleausstieg ist alternativlos

Im Energiebereich fordert Greenpeace etwa ein Sofortprogramm für den Kohleausstieg. Um das Klimaschutzziel 2020 überhaupt erreichen zu können, braucht es einen gesetzlich verordneten Abschaltplan für Kohlekraftwerke durch die Bundesregierung. Die Jamaika-Koalition muss raus aus Kohle und Öl. Deutschland muss sich schnellstmöglich von der Abhängigkeit der fossilen Energien befreien.

Im März 2017 verkündete das Umweltbundesamt das traurige Ergebnis der bisherigen Klimaschutzbemühungen. Es wurden mehr Emissionen freigesetzt als noch im Vorjahr. Auch das erklärte Ziel, die Emissionen bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken, rückt in immer weitere Ferne. Selbst die Bundesregierung geht nur noch von etwa 33 Prozent Reduktion aus.

Für Greenpeace liegen die Verfehlungen auch darin begründet, dass die Bundesregierung sich zu sehr auf Lobbyismus einlässt. Vor allem die große Zahl an klimaschädlichen Kohlekraftwerken ist weiterhin ein schweres Problem. Obwohl Windräder und Solaranlagen immer mehr sauberen Strom produzieren, laufen Deutschlands Kohlekraftwerke nahezu unter Volllast und exportieren Rekordmengen an schmutzigem Strom ins Ausland.

Auch die deutsche Bevölkerung sieht den Kohleausstieg mehrheitlich als dringend notwendig an. Das geht aus einer Umfrage von WWF und dem Energieunternehmen Lichtblick hervor. „Will Deutschland als Gastgeber der kommenden Weltklimakonferenz ernst genommen werden, muss schleunigst der Kohleausstieg auf den Weg gebracht werden“, so Smid. „Die Anstrengungen und Erfolge der Energiewende zahlen sich nur dann aus, wenn im großen Stil überflüssige Kohlekraftwerke vom Netz gehen.“