WWF-Umfrage: Politik sollte nachhaltige Landwirtschaft mehr unterstützen

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Agrarpolitik
Das Bewusstsein für einen nachhaltigen Anbau fehlt noch in der Politik © jeka81/123RF

Wie nachhaltig ist unsere Landwirtschaft? Und wie trägt die Politik dazu bei? Diesen Fragen ging der World Wide Fund for Nature (WWF) diesen Sommer in einer repräsentativen Umfrage nach. Das Ergebnis zeigt klar: das Bewusstsein für einen nachhaltigen Anbau in der Gesellschaft ist vorhanden. Nun muss dies nur auch in der Politik ankommen. Die Mehrheit der Deutschen kritisiert die Agrarpolitik dafür, dass sie sich zu wenig für nachhaltige Landwirte und unsere Umwelt einsetzt. Der WWF fordert nun eine „grundlegende Reform der Agrarpolitik“, durch die Boden, Wasser und Artenvielfalt besser geschützt werden und entsprechende Landwirte stärker subventioniert werden.

Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft – ein wichtiges Thema, welches immer wieder aufkommt, jedoch bisher kaum Ergebnisse gezeigt hat. Passend dazu gab die Naturschutzorganisation WWF nun eine repräsentative Umfrage bei YouGov in Auftrag, die die Einstellung der Deutschen gegenüber unserer Agrarpolitik wiedergeben sollte. In dem Zeitraum von 09.06.2017 bis zum 12.06.2017 befragte das Meinungsforschungsinstitut 2050 Personen zu diesem Thema.

62 Prozent der befragten Personen im Alter von mindestens 18 Jahren denken, dass die derzeitige Politik schlecht für unsere Landwirte und Umwelt ist. Ganze 88 Prozent sind der Meinung, das Boden, Wasser und Artenvielfalt durch die Landwirtschaftspolitik besser geschützt werden sollten. Dementsprechend sind auch 80 Prozent dafür, dass Landwirte nur dann Agrarsubventionen erhalten sollten, wenn sie in diesen drei Punkten nachhaltig arbeiten. Damit Bauern, die bereits auf Nachhaltigkeit bauen, auch wirtschaftlich überleben können, würden 72 Prozent der Befragten dafür auch höhere Lebensmittelpreise akzeptieren.

„Nach den anstehenden Wahlen muss sich die Bundesregierung endlich an eine grundlegende Reform der Agrarpolitik wagen. Unsere Umfrage zeigt, die Gesellschaft hat die Politik längst überholt“, schlussfolgert WWF-Vorstand Christoph Heinrich. „In Deutschland fließen jedes Jahr rund fünf Milliarden Euro an Steuergeldern in den Agrarsektor. In Zukunft darf bei diesen Direktzahlungen nicht mehr nur die Größe der Betriebe auschlaggebend sein. Öffentliche Gelder müssen gezielt eingesetzt werden, um die Landwirtschaft ökologischer zu machen. Außerdem muss die Agrarpolitik so gestaltet werden, dass auch kleinere Familienbetriebe überlebensfähig bleiben.“

Entsprechend der Umfrageergebnisse fordert der WWF ebenfalls eine bessere Unterstützung für nachhaltigen Anbau.  „Die aktuelle Agrarpolitik belohnt die konventionelle Intensiv-Landwirtschaft. Bestraft werden hingegen Bauern, die nachhaltig produzieren und damit unsere natürlichen Lebensgrundlagen schützen. Das darf so nicht weiter gehen. Daher braucht es endlich eine faire Verteilung der Agrargelder, die sich an Nachhaltigkeits- und Umweltvorgaben orientiert“, so Heinrich. Nachhaltigkeit sei für eine zukunftssichere Produktion sehr wichtig. Dafür sind jedoch auch Verbraucher und Industrie gefragt. Denn Marktmechanismen, die dazu führen, dass Landwirte kaum noch Geld für ihre Arbeit bekommen, bergen eine große Gefahr in sich.

Ob sich das Bewusstsein der Gesellschaft letztlich auch auf die Politik überträgt, bleibt abzuwarten.

Quelle: WWF