Auch IEA befürchtet Scheitern des 2-Grad-Ziels

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World Energy Outlook 2015
World Energy Outlook 2015

Der Wandel des globalen Energiesystems – von fossilen Energien zu einer kohlenstoffarmen Energiewirtschaft – hat bereits begonnen und trägt erste Früchte. Doch wenn der Verbrauch der fossilen Ressourcen mit derzeitigem Tempo weitergeht, und keine weiteren Klimaschutzmaßnahmen ergriffen werden, wird das Zwei-Grad-Ziel verfehlt werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem viel beachteten Bericht „World Energy Outlook 2015“ (WEO-2015).

Wie werden wir bis zum Jahr 2040 unsere Energie erzeugen? Wie geht es bis dahin weiter mit den fossilen Rohstoffen und den Erneuerbaren Energien? Und kann das große Ziel, die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen, mit den derzeit geplanten Maßnahmen überhaupt erreicht werden?

Mit diesen und weiteren Fragen hat sich die IEA im Rahmen des WEO-2015 beschäftigt. Untersucht wurde die künftige Entwicklung der Energiewirtschaft anhand verschiedener Szenarien. Im Hauptszenario gehen die Autoren davon aus, dass die Politik die Programme in die Tat umsetzt, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt bereits beschlossen oder angekündigt worden sind. Auch die im Vorfeld des Weltklimagipfels vereinbarten nationalen Klimaschutzmaßnahmen (INDC) sind darin enthalten. Die Ergebnisse des WEO-2015 sollen nun in Paris berücksichtigt werden, hofft die IEA. Wir stellen Ihnen nachfolgend die wichtigsten Punkte des untersuchten Hauptszenarios vor.

Globale Dekarbonisierung eingeleitet

Zuerst die gute Nachricht: Die Dekarbonisierung der Energiewirtschaft, also der Ausstieg aus der fossilen Energieerzeugung, hat in vielen Bereichen tatsächlich begonnen. So sei der Anteil der als besonders klimaschädlich geltenden Kohle am globalen Energiemix seit der Jahrtausendwende zwar kontinuierlich gestiegen, dennoch verliere dieses Wachstum gegenwärtig spürbar an Schwung. Die IEA geht davon aus, dass der Kohleverbrauch in der EU im Jahr 2040 auf rund ein Drittel des aktuellen Standes gesunken sein wird. Vor allem in Asien werde die Kohle aber auch dann noch ein wesentlicher Eckpfeiler des Energiesystems sein.

Die Energiewende wird zur Weltbewegung

Die globalen Anstrengungen zur Dekarbonisierung werden insbesondere vom Stromsektor angeführt. Im Jahr 2040 werden rund 60 US-Cent jedes in Kraftwerke investierten Dollars in Erneuerbare Energien fließen, so die Prognose. Die globale Erzeugung von erneuerbarer Elektrizität steigt um etwa 8.300 Terawattstunden (mehr als die Hälfte der Zunahme der gesamten Erzeugung). Bis 2040 erreicht die auf Erneuerbaren Energien basierende Erzeugung einen Marktanteil von 50 Prozent in der EU, etwa 30 Prozent in China und Japan und über 25 Prozent in den USA und Indien. Im Gegensatz dazu macht Kohle 2040 außerhalb von Asien weniger als 15 Prozent der Elektrizitätsversorgung aus.

Das Gleichgewicht verschiebt sich

Die IEA geht davon aus, dass die Gewinnung von Öl und Erdgas in den nächsten Jahrzehnten deutlich teurer wird, da die Vorkommen immer schwerer zu erschließen sein werden. Gleichzeitig sinken die Kosten für Erneuerbare Energiequellen und andere kohlenstoffarme Technologien kontinuierlich. Dennoch profitiert die fossile Energiebranche weiterhin von milliardenschweren Subventionen – weit mehr als bei den regenerativen Technologien. Die IEA schätzt, dass die globalen Subventionen für fossile Energien 2014 bei fast 500 Milliarden US-Dollar lagen. Subventionen zur Förderung erneuerbarer Technologien im Stromsektor betrugen 2014 gerade einmal 112 Milliarden US-Dollar (plus 23 Milliarden USD für Biokraftstoffe).

Bis 2040 werden sich die Subventionen für Erneuerbare Energien jedoch um rund 50 Prozent erhöhen, prognostiziert die IEA. Das werde mit dazu beitragen, dass sich die Energieerzeugung mit regenerativen Energien (nicht eingerechnet Wasserkraft) voraussichtlich verfünffachen wird.

Globale Energiewende zu langsam?

Trotz dieser positiven Tendenzen glaubt die IEA nicht, dass wir die globale Erwärmung mit den derzeitigen Maßnahmen auf die international beschlossene Obergrenze eindämmen können. Zwar haben viele Nationen im Vorfeld zur Weltklimakonferenz bereits weitere Klimaschutzmaßnahmen (INDC) versprochen, doch auch diese reichen laut IEA nicht aus. Auch viele Wissenschaftler kamen unlängst zu dem Ergebnis, dass die INDC nicht genügen, um das große Zwei-Grad-Ziel zu schaffen. Laut IEA liegt das vor allem am stark steigenden Energiebedarf und am fehlenden Wandel des Energiesystems außerhalb des Stromsektors. Das Problem: Kohle und Erdgas können als Brennstoffe in der Industrie nur schwer oder teuer ersetzt werden. Noch schlechter sieht es im Verkehrsbereich aus: Dort dominieren auf Erdöl basierende Treibstoffe den verschwindend geringen Anteil sauberer Antriebssysteme.

Die Autoren kommen daher zu dem Schluss, dass die heute stattfindenden Klimaanstrengungen zwar zu einem langsameren Anstieg der CO2-Emissionen führen, jedoch bei weitem nicht ausreichen, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Daher empfehlen sie, beim Pariser Klimagipfel weitere Maßnahmen einzuleiten.

Die Autoren schreiben: „Um (…) einen kohlenstoffarmen, hochgradig effizienten Energiesektor zu schaffen, ist eine eindeutige und glaubwürdige Vision einer langfristigen Dekarbonisierung als Kern der internationalen Bemühungen gegen den Klimawandel erforderlich“. Das Ziel müsse sein, vor 2020 einen Höhepunkt der energiebezogenen Emissionen zu erreichen.

Dazu müssen jedoch die verbleibenden Subventionen für fossile Brennstoffe bis 2030 schrittweise abgeschafft, die Energieeffizienz deutlich erhöht und keine neuen Kohlekraftwerke mehr gebaut sowie alte Anlagen konsequent stillgelegt werden. Zudem müssten die Investitionen in Erneuerbare Energien deutlich erhöht und die Methanemissionen bei der Öl- und Erdgasproduktion reduziert werden.

Quelle: World Energy Outlook 2015  

 

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