Wertstofftonne soll bundesweit eingeführt werden

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Wer in Leipzig lebt, kann einen Großteil seines Hausmülls relativ einfach auf legale Weise loswerden. Sei es eine Glühbirne, ein kaputtes Radio, Handy, Bügeleisen oder ein defekter Toaster: Die gelbe Tonne plus des Unternehmens Alba nimmt zum Verpackungsmüll des grünen Punkts zusätzlichen Müll wie beispielsweise Elektrokleingeräte aus Verbundmaterialien, Metallgegenstände und Plastik auf. Das Mischsystem existiert in Leipzig schon seit sieben Jahren und findet auch in weiteren Städten Anklang. Denn in vielen Haushalten lässt sich nicht nachvollziehen, dass ähnliches Material nur aufgrund des grünen Punkts für Verpackungen unterschiedlich getrennt wird. Das einfache System der gelben Tonne plus umgeht dagegen den Gang zum Wertstoffhof beziehungsweise den falschen Einwurf: Immerhin landet vermutlich ein Drittel des Elektroschrotts aus privaten Haushalten im Restmüll.

Dabei sind gerade diese Stoffe besonders wertvoll und ihr Recycling in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland eine lukrative Einnahmequelle. Es ist also nicht verwunderlich, dass sowohl die Kommunen als auch die Privatwirtschaft an der Verwertung interessiert sind.

Planspiel des Umweltbundesamtes

Welches Modell sich am besten für die Verwertung der Wertstoffe eignet, hat nun das Umweltbundesamt herausgefunden. Zu Herbstbeginn stellte es sein Planspiel zur Fortentwicklung der Verpackungsordnung vor. Aufgrund der Ende März beschlossenen Kreislaufwirtschaftsgesetzesnovelle soll ab dem Jahr 2015 auch Metall und Kunststoff flächendeckend gesammelt werden. Damit kommt das Gesetz einer EU-Richtlinie nach.

Die entworfenen Szenarien des Umweltbundesamtes sollten aufzeigen, wie mit einer Wertstofftonne zukünftig mehr Wertstoffe recycelt werden können. Pro Kopf würden mit der Wertstofftonne weitere sieben Kilogramm Kunststoff beziehungsweise Metall pro Jahr der Kreislaufwirtschaft zuführen werden.

Bisher werden Leichtverpackungen über die gelbe Tonne entsorgt. Dazu zählen zum Beispiel Joghurtbecher, Tetrapacks und Konserven. Mit dem neuen Verwertungssystem wären, wie auch schon für die gelbe Tonne plus, Nichtverpackungen eingeschlossen – sei es Spielzeug oder eine ausgediente Bratpfanne. Anders als bei der Plus-Tonne empfiehlt das Umweltbundesamt aber keine Mischung mit Elektroschrott. Der Grund: Enthaltene Schwermetalle und Flammschutzmittel kontaminieren die Gegenstände und auf der anderen Seite wird die Qualität des Elektroschrotts verringert.

In die Szenarien einbezogen wurden die beiden Varianten, bei der einmal die Kommunen und einmal die Privatwirtschaft die Federführung in der Wertstoffsammlung übernehmen.

Eine Möglichkeit wäre es nach dem Planspiel, das bestehende duale System für die Sammlung und Verwertung zu nutzen. In diesem Fall müssten Hersteller und Vertreiber der Leichtverpackungen und ähnlichen Nichtverpackungen die Kosten übernehmen. Das zweite Szenario sieht eine Sammlung der Wertstoffe über die Kommunen vor. Die Nichtverpackungen würden dann über Gebühren finanziert werden.

Gelbe Tonne plus gegen Orange Box

Schaut man nach Berlin, zeigt sich die Bedeutsamkeit des Planspiels: Das Unternehmen für Entsorgung und Recycling Alba sowie die Berliner Stadtreinigung BSR haben die Hauptstadt vor nicht allzu langer Zeit mit Mülltonnen zugepflastert. Die gelbe Tonne plus stand in Konkurrenz zur Orange Box von der BSR. Inzwischen teilen sich beide die Zuständigkeiten. Alba übernimmt nach wie vor die Sammlung des Mülls mit dem grünen Punkt. Die Stadtreinigung darf die weiteren Wertstoffe einsammeln. Verwertet wird der Müll aber weiterhin in den Anlagen von Alba. Entgegen der Empfehlung des UBA-Abschlussberichtes darf auch Holz und Elektroschrott über dieses System entsorgt werden. Zwar ist das Trennsystem sicherlich noch zu verbessern, hört man doch immer wieder von Verbrennung statt prioritärem Recycling. Die Müllgebühren in Berlin und Leipzig sind allerdings gesunken.

Jenny Lohse

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