Vattenfall: Rote Zahlen und Umstieg auf Erneuerbare

Konzern-Chef Magnus Hall musste in Stockholm den Milliardenverlust erklären / Foto: Vattenfall
Konzern-Chef Magnus Hall musste in Stockholm den Milliardenverlust erklären / Foto: Vattenfall

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall hat bekanntgegeben, im zweiten Quartal 2015 einen Milliardenver-lust erwirtschaftet zu haben. Jetzt sollen Kosten gespart und Stellen abgebaut werden, auch in Deutschland. Außerdem will der Energieriese sein Energieportfolio umstellen – weg von den fossilen Brennstoffen – und künftig den Fokus verstärkt auf die Erneuerbaren Energien richten.

Das schwedische Staatsunternehmen Vattenfall AB schreibt tiefrote Zahlen. Insgesamt habe der Konzern im zweiten Quartal 2015 einen Verlust von umgerechnet rund 3,1 Milliarden Euro verbucht, wie Konzernchef Magnus Hall am Dienstag in Stockholm erklärte. Der hohe Verlust sei auf Abschreibungen in Höhe von 3,8 Milliarden Euro zurückzuführen. Zudem hätten sich höhere Rückstellungen und die derzeit sehr niedrigen Börsenstrompreise negativ auf die Bilanz des Konzerns ausgewirkt.

„Die Strompreise an der Börse sind im zweiten Quartal weiter gesunken, so Magnus Hall. „Die niedrigen Strompreise wirken sich zunehmend negativ auf das Ergebnis aus, da Termingeschäfte zu höheren Preisen aus früheren Jahren nun sukzessive auslaufen“.

Die niedrigen Kosten für Strom werden derzeit vor allem durch die massive Stromerzeugung mit günstigen Erneuerbaren Energien verursacht, die sowohl in Schweden als auch in Deutschland zu einem Überangebot führt und die fossile Energieerzeugung für die Versorger immer unrentabler macht. Das habe zu einer Wertminderung der fossilen Kraftwerkssparte Vattenfalls geführt, wie Hall erklärte.

Der Konzern gehört auch in Deutschland zu den vier wichtigsten Stromerzeugern des Landes, rund 30.000 Beschäftigte arbeiten bei Vattenfall – die Hälfte davon in Deutschland. Das Unternehmen will nun schnellstmöglich reagieren, um aus den roten Zahlen zu kommen. Die hohen Verluste seien eine sehr negative Entwicklung, aber auch das Ergebnis der derzeitigen Rahmenbedingungen am Strommarkt, sagte Hall.

Und die sind eindeutig: Weniger Strom mit Kohle und Gas und mehr billige Erneuerbare Energien. Vattenfall versucht nun, vor allem das Geschäft mit der Braunkohle schnellstmöglich loszuwerden und die Tagebaus in der Lausitz noch dieses Jahr zu verkaufen. Dort arbeiten derzeit rund 8000 Menschen. Wie es mit diesen Stellen nach Verkauf aussehen wird, ist bislang unklar. Klar ist jedoch, Vattenfall wird wie angekündigt Stellen abbauen, darunter wahrscheinlich auch etwa 1000 in Deutschland.

Hall bestätigte, der Stellenabbau sei im Gang, habe sich aber durch die Neuorganisation des Konzerns verzögert. Zusätzlich werde geprüft, wo weitere Kosten eingespart werden können. Als positiv bewertete Hall die von der Bundesregierung geplante Überführung von Braunkohlekraftwerken in eine strategische Reserve und die Zahlung von Prämien für die Stilllegung der Kraftwerke an die Versorger. Diesem Vorschlag hatte die Koalition Anfang Juli der von Wirtschaftsminister Gabriel  geplanten Klimaabgabe auf alte Kohlekraftwerke  den Vorzug gegeben.

Demnach sollen künftig Kohlekraftwerke – darunter wahrscheinlich auch solche von Vattenfall – abgeschaltet werden, jedoch vorübergehend wieder Strom erzeugen, wenn es aufgrund der Energiewende zu Engpässen kommt. Die Versorger werden für die Stilllegung bzw. das Bereithalten der Kraftwerke finanziell entschädigt –  aus Steuergeldern.

“Die deutsche Bundesregierung hat die Überführung von Kohlekraftwerken in eine Kapazitätsreserve in Verbindung mit einer finanziellen Kompensation für die Eigentümer vorgeschlagen“, sagte Hall. „Wir glauben, dass dieser Vorschlag nicht nur die notwendigen Rahmenbedingungen für niedrigere Kohlendioxidemissionen, sondern auch Versorgungssicherheit schafft. Für uns bedeutet der Vorschlag auch mehr Klarheit in unserem Verkaufsprozess für die Braunkohlesparte.“

De facto bedeuten die Prämien für Vattenfall die staatliche Subventionierung für ihre unrentabel gewordene Braunkohlesparte, da es eher unwahrscheinlich ist, dass die Kohlekraftwerke in den kommenden Jahren tatsächlich gebraucht werden. Außerdem erhöhen sich durch das Modell der Bundesregierung die Verkaufschancen der Braunkohletagebaue in der Lausitz, die zuletzt aufgrund der im Raum stehenden Klimaabgabe erschwert worden waren.

Vattenfall ändert Energieportfolio

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Vattenfall verabschiedet sich von der fossilen Energieerzeugung und will Vorreiter im Ökostrom-Geschäft werden. Der Konzern hat den Verkauf seiner konventionellen Kraftwerke in Dänemark abgeschlossen – entsprechend seiner Konzernstrategie, von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien umzustellen. Zugleich wurden die Investitionen in Windkraft erhöht. Mit einem neuen Windpark in Großbritannien und einem in Deutschland habe sich die Stromproduktion aus Windkraft entsprechend dem Stromverbrauch von mehr als 400.000 Haushalten erhöht, heißt es in einer Pressemeldung Vattenfalls,

„Vattenfall treibt seinen strategischen Wandel mit Schwerpunkt auf erneuerbaren Energien weiter voran. Unsere neue Organisation trägt dazu bei, das Tempo des Wandels noch zu steigern“, sagte Hall am Mittwoch in Stockholm.

Quelle: Frankfurter Rundschau

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