Strompreise rauf – warum?

Die Strompreise werden schon wieder erhöht, die Schuld auf die Erneuerbaren abgewälzt und damit der Groll auf alternative Energien geschürt. Diejenigen, die sowieso schon auf die regenerative Energien geschimpft haben, fühlen sich dadurch bestärkt, aber auch diejenigen, die dem Thema erneuerbare Energien bislang offen gegenüber standen, geraten ins Wanken. Machen Erneuerbare die Strompreise wirklich teurer oder steckt noch etwas ganz anderes hinter den steigenden Kosten für die Verbraucher?

Vielfach wird auf die erneuerbaren Energien geschimpft, sie seinen Schuld an den stetig steigenden Strompreisen. Schließlich regelt das EEG die Einspeisevergütung für die einzelnen regenerativen Quellen und die Strompreise würden hierdurch in die Höhe schnellen. Eine voreilige Meinung, wie ein Blick auf die Fakten deutlich macht.

Die Einspeisevergütung, der sich auch andere Länder bedienen, hat zum weltweiten Siegeszug der Windenergie beigetragen. Im Bereich Solar hat sie als Entwicklungstreiber gedient, denn die Kosten für Solarmodule haben sich durch die Massenproduktion in den letzten Jahren deutlich verringert.

Im Gegenzug konnte die Vergütung für Solarstrom seit 2004 immer weiter herabgesetzt werden. Etwa 60 Prozent weniger Vergütung gibt es derzeit gegenüber dem Jahr 2004. Rund 17 Prozent unseres Stroms stammen schon heute aus regenerativen Quellen, Tendenz steigend.

Durch das EEG werden 5,7 Milliarden Euro Energieimportkosten und zusätzlich acht Milliarden Euro externe Kosten eingespart, ein Großteil auf dem Stromsektor. Allein diese Kosten liegen deutlich unter den Mehrkosten durch die EEG-Umlage und trotzdem steigen die Strompreise. Und gerade diese EEG-Umlage erzeugt den immensen Rechtfertigungsdruck unter dem die erneuerbaren Energien stehen. Denn auch die Umlage steigt stetig – im Jahr 2011 auf über drei Cent je Kilowattstunde, weil sie die Differenzkosten zwischen durchschnittlichem Börsenstrom und EEG gefördertem Strom wiederspiegelt.

Von den Stromkonzernen wird die Umlage gerne dazu benutzt, die Erneuerbaren in ein schlechtes Licht zu rücken und ihnen die Alleinschuld an den steigenden Strompreisen zu geben. Durch den Zuwachs der erneuerbaren Energien und die sinkenden Börsenpreise steigt die EEG-Umlage immer weiter an. Eigentlich sollte durch das EEG ein Gleichgewicht im Ausbau der Erneuerbaren erreicht werden, ein sanfter Anstieg, was auch zu einem sanften Anstieg der Umlage geführt hätte. Durch das permanente Hin und Her der Politik bezüglich der Solarförderung ist jedoch ein wahrer Solarboom ausgebrochen. Investoren wollten das sichern, was derzeit sicherbar ist, was zu einem rasanten Anstieg des PV-Ausbaus geführt hat.

Doch die Alleinschuld liegt nicht nur bei den uneinigen Politkern. Maßgeblich am Anstieg der Strompreise beteiligt sind die Stromkonzerne selbst. Die Umlagen sind gestiegen, doch der erhebliche Ausbau der Erneuerbaren müsste den Strom eigentlich billiger machen. An der Strombörse sind Erneuerbare deutlich günstiger, denn die Betriebskosten der Kraftwerke und die hierfür benötigten Brennstoffe machen fossilen Strom teuer. Weht viel Wind und scheint kräftig die Sonne wird aus fossilen Kraftwerken weniger Strom abgerufen, der Börsenpreis für Strom sinkt also durch die geringeren Beschaffungskosten für die Stromhändler. Die Kosteneinsparung vergessen die Stromkonzerne aber völlig an ihre Kunden weiterzugeben und sehen einen netten Zusatzgewinn für sich. Solange Politik und Stromkonzerne keinen Weg finden, die Verbraucher mit einzubeziehen, kann es folglich nicht zu sinkenden Energiepreisen kommen. Schuld daran sind aber keineswegs die Erneuerbaren.

Judith Schomaker

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