Sonnenwände gegen Braunkohle

Für die Bewohner des Kerpener Ortsteils Buir wird es bald ungemütlich. Vor ihren Haustüren macht sich demnächst eine sechsspurige Autobahn breit. Damit die Dorfbewohner nachts trotzdem ruhig schlafen können, planen die Verkehrsbehörden als Lärmschutz wie üblich eine Betonwand. Doch die Buirer haben sich etwas Besseres einfallen lassen: die mit 2,4 Kilometern längste Solarlärmschutzwand Deutschlands.

Das über 1.000 Jahre alte Buir liegt mitten im Rheinischen Braunkohle-Revier. Der Tagebau rückt immer näher, der Schaufelradbagger frisst sich durch die Landschaft und verdrängt die Autobahntrasse in Richtung Buir. Bereits 2005 wurde beschlossen: Die A4 wird von derzeit vier Kilometern Entfernung direkt an den Ortsrand verlegt.

85.000 Fahrzeuge rauschen dann täglich an den 3.900 Einwohnern vorbei und decken sie mit Lärm und Feinstaub ein. Viel wird vom ursprünglich dörflichen Charakter Buirs wohl nicht übrig bleiben. „Entlang der A4 liegen zusätzlich die Gleise der Kohlebahn (Werksbahn der RWE-Power AG zum Transport von Braunkohle, Anm. d. Verf.), 250 Meter dahinter das Braunkohleloch“, beschreibt Peter Abels, Initiator des Genossenschaftsprojekt „Sonnenwænde Buir eG i. G.“, das wenig idyllische Zukunftsszenario. Dass parallel dazu auch noch die Bahnstrecke Köln-Aachen verläuft, sei dabei noch das geringste Problem.

Die Verkehrsbehörden planen Abhilfe nach Vorschrift, vier Meter hohe Betonwände sollen den Lärm von Buir fernhalten. Laut Peter Abels haben Gutachten jedoch ergeben, dass erst ab einer Höhe von acht Metern ein wirksamer Lärmschutz gewährleistet ist. Grund genug, über eine effektive Lösung nachzudenken – und das Projekt Sonnenwænde ins Leben zu rufen.

Weniger Lärm, weniger Schadstoffimmissionen und die Gewinnung sauberer Energie: Auf diese Formel könnte man das Projekt der Genossenschaft bringen, ein Kontrastprogramm zum Braunkohletagebau. 2.400 Meter lang soll das umweltschonende und für Investoren wirtschaftlich attraktive Bauwerk werden. Auf einen Sockel aus Stickoxid bindendem Material werden Solarplatten angebracht. Die Konstruktion soll dann eine Höhe von acht Metern erreichen. „Die Solarwände bringen dann eine Leistung von zwei Megawatt und können somit alle Bewohner Buirs mit Strom versorgen“, prognostiziert Abels.

Die Mehrkosten des Baus der Solarlärmschutzwände sollen durch die Genossenschaft getragen werden. Sobald sich das Projekt amortisiert hat, sollen die Mitglieder der Sonnenwænde Buir eG von den Einnahmen aus der Stromproduktion profitieren.

Timon Oberheide

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