Schweiz: Solarzellen günstiger als AKW-Neubau

Während hierzulande heiß über die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke diskutiert wird, entgeht vielen, dass dieser Konflikt in unserem Nachbarland, der Schweiz, schon länger schwelt. Die Energiewirtschaft würde hier gerne zwei neue AKWs bauen und argumentiert ebenfalls mit der ansonsten zu befürchtenden großen Stromlücke.

In anderer Hinsicht gleichen sich die Diskussionen ebenfalls. Für Peter Pauli, Chef des Schweizer Maschinenbauers Meyer Burger, der auf die Belieferung von Halbleiter- und Solarherstellern spezialisiert ist, ist die „Stromlücke eine altbekannte Hysterie.“ Und fügt humorvoll hinzu, er sei „nicht per se“ gegen neue AKW, wohl aber in der Schweiz.
Unabhängige Energieversorgung durch Solarzellen

Laut Pauli sei die Leistung der zwei neu zu bauenden AKWs schneller und kostengünstiger mit Solarzellen und anderen erneuerbaren Energieträgern zu installieren. In der Solarenergie sieht er im Verbund mit anderen Erneuerbaren die Chance für die Eidgenossen, sich in Sachen Energieversorgung unabhängig zu machen. Hingegen müsse auch für AKWs der Brennstoff importiert werden. Abgesehen von der auch in der Schweiz noch ungelösten Frage der Entsorgung der radioaktiven Abfälle.

Den Einwand, dass die Solarenergie nur einen Bruchteil des Bedarfs abdecken könne, lässt er nicht gelten. Mit den Maschinen, die sein Unternehmen in einem Jahr herstelle, lassen sich Solarmodule produzieren, die zehn Prozent des für 2030 prognostizierten Schweizer Bedarfs abdecken könnten. Dafür brauche es allerdings ein modernisiertes, „intelligentes“ Stromnetz, das fähig ist, die vermehrt dezentrale Energieversorgung zu steuern.

Mehr Fördergelder und langfristig keine Einspeisevergütung

Es brauche mehr Fördergelder, um die Industrie soweit zu bringen, dass im Jahr 2015 oder 2020 keine Einspeisevergütung mehr gebraucht werde. Der Preis für Solarmodule sei in den letzten zweieinhalb Jahren um mehr als die Hälfte gefallen und in drei oder vier Jahren sei mindestens noch einmal eine Halbierung möglich.

Schon bald seien in der Solarenergie in der Schweiz Anschaffungs-, Fertigungs- oder Herstellungskosten (ohne Netzanschlusskosten) von 0,05 US-Cent möglich. Das sei gegenüber AKW schon konkurrenzfähig. Vielleicht sollten sich Frau Merkel und Co. einmal mit den Schweizern kurzschließen. Denn von ihnen lernen heisst, (energiepolitische) Unabhängigkeit lernen.

Daniel Seemann

1 Kommentar

  • Interessanter Beitrag. Dass PV billiger als AKW ist, war mir nicht bekannt. Was für mich lustig ist, ist der Fakt, dass PV immer billiger wird und der Strom für den Endkunden eigentlich teurer. Daraus folgt, dass selbst ohne EEG-Förderung irgendwann der selbsterzeugte PV-Strom billiger wird als der Eingekaufte aus der Börse.

    Wenn Sie wissen wollen, was die energiewirtschaft dazu sagt, können Sie in unserem Blog lesen: http://www.green-and-energy.com/blog/brewing-energy-at-home/