Schlechte Klimabilanz der WM in Südafrika

Schlechte Klimabilanz der WM in Südafrika

Natürlich kann man es mit den Forderungen zum Klimaschutz auch übertreiben. So wie zur Europameisterschaft 2008, als vom österreichischen Automobilclub ÖAMTC zeitweise gefordert wurde, die Nationalflaggen für das Autofenster zu verbieten, weil sie den CO2-Ausstoß der Fahrzeuge immens in die Höhe treiben würden.

Dann könnten parallel auch Grillfeste hinsichtlich der Verschwendung fossiler Ressourcen unter die Lupe genommen, deutsche Mallorca-Urlauber zwangsweise auf das per Eisenbahn erreichbare Rügen umgesiedelt und Raucher zum CO2-Emissionshandel verdonnert werden.

Eine andere Liga ist da die Klimabilanz von Großevents wie einer Fußballweltmeisterschaft, die dieses Jahr bekanntermaßen in Südafrika stattfindet.

Eine Studie der norwegischen Botschaft und des südafrikanischen Umweltministeriums kommt zu dem Schluss, dass diese WM das Weltklima mit zusätzlichen 2,75 Millionen Tonnen Kohlendioxid belastet. Dies übertrifft den CO2-Ausstoß der WM in Deutschland 2006 um das Sechsfache. Oder anders gesagt: Es entspricht in etwa den jährlichen Emissionen von einer Million Autos. Die Gründe hierfür liegen nahe.

Südafrika ist anders als Deutschland für Europäer, die die meisten Teams und damt auch einen Großteil der Fans stellen, nur per Flugzeug zu erreichen. Außerdem liegen die einzelnen Spielstätten weiter auseinander, was wiederum Flüge attraktiver macht, denn ein Autobahnnetz wie bei uns gibt es dort nicht. Auch innerhalb der Städte können die Besucher der WM nicht auf emissionsarme Verkehrsmittel wie U- und S-Bahn zurückgreifen. Dazu kommt der Neubau der vielen Stadien, der viel Energie gekostet hat. Und diese wird in Südafrika vor allen Dingen mit Kohlekraft erzeugt.

Doch natürlich ist ein Event wie die Fußballweltmeisterschaft für ein Schwellenland wie Südafrika ökonomisch extrem wichtig. WMs also nur noch in Ländern durchzuführen, die bereits über eine perfekte Öko-Infrastruktur verfügen, verbietet sich allein schon aus entwicklungspolitischen Gründen. Daher wird Südafrika – wie auch Deutschland vor vier Jahren – wohl nicht darum herumkommen, die erzeugten CO2-Emissionen auch wieder auszugleichen. Denn immerhin haben sich die Südafrikaner wie zuvor auch die Deutschen auf die Fahnen geschrieben, eine „klimaneutrale WM“ veranstalten zu wollen.

Geeignete Maßnahmen haben die Veranstalter bereits angekündigt: Hunderttausende Bäume sollen als Entschädigung für die sündhafte Klimabilanz dieser WM in Südafrika gepflanzt werden.

Daniel Seemann

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