PVC-Industrie will „grüner“ werden

PVC

Fußbodenbeläge, Fensterrahmen, Kabelisolierungen und Schallplatten haben eines gemeinsam: Sie bestehen häufig aus dem Kunststoff Polyvinylchlorid, kurz PVC. In den 1990er Jahren geriet PVC vermehrt in die Kritik, da es Bedenken bezüglich der Art der Herstellung und der Entsorgung gab. Denn das Material ist biologisch nicht abbaubar und der Rohstoff für PVC, Vinylchlorid, ist krebserregend und wirkt erbgutverändernd. Um diesen Problemen entgegenzuwirken schloss sich im Jahr 2000 die gesamte PVC-Wertschöpfungskette freiwillig zur Auflage des Programms „Vinyl 2010“ zusammen. Mit der 2011 unterzeichneten freiwilligen Selbstverpflichtung „VinylPlus“ steht nun die ganzheitlichere Betrachtung einer langfristig nachhaltigen Entwicklung im Vordergrund.

Vinyl 2010 war ein für zehn Jahre angelegtes Programm, durch das die PVC-Industrie umweltfreundlicher werden sollte. Die Ergebnisse von Vinyl 2010 waren vor allem in den Bereichen Abfallsammlung und Recycling beachtlich. 1999 gab es in Europa keinerlei Infrastruktur für das Recycling von PVC und es wurde von vielen als ‚nicht recyclingfähiges‘ Material bezeichnet. Bei Auslaufen des Programms betrug die Menge des in Europa recycelten PVC rund eine Million Tonnen. Problematische Zusatzstoffe wie Kadmium-Stabilisatoren wurden allmählich abgebaut. Der Ersatz von Blei-Stabilisatoren wird voraussichtlich bis 2015 abgeschlossen sein.

Von Vinyl 2010 zu VinylPlus – PCV-Industrie steckt sich noch ehrgeizigere Ziele im Hinblick auf Nachhaltigkeit

Das Erreichen der in 2000 gesetzten Ziele schenkte der PVC-Industrie das notwendige Selbstvertrauen, im Jahr 2011 ein neues Programm aufzusetzen. Eine weitere, zehn Jahre laufende freiwillige Selbstverpflichtung wurde unter dem Namen VinylPlus unterzeichnet, die eine ganzheitlichere Betrachtungsweise von langfristiger nachhaltiger Entwicklung präsentiert. Obwohl die Herausforderungen für die Industrie größer sind, sind die VinylPlus-Mitglieder zu der Erkenntnis gelangt, dass dies der einzige Weg in Richtung Fortschritt ist und haben sich deswegen noch ehrgeizigere Ziele als in Vinyl 2010 gesteckt. Im Bereich Entsorgung will die Industrie bis 2020 800.000 Tonnen PVC pro Jahr recyceln; hierzu zählen 100.000 Tonnen schwer zu recycelnder Abfall.

Die VinylPlus-Verpflichtung legt ehrgeizige Recycling-Ziele, Produktgestaltungsrichtlinien für den Umgang mit umstrittenen Zusatzstoffen, F&E-Initiativen und die Förderung einer nachhaltigen Entwicklungskultur fest. Alle Kernziele sind messbar und haben feste Fristen. Die Fortschritte hin zu diesen Zielen werden von externen Stellen überwacht und von einem unabhängigen Überwachungsbeirat genehmigt, der sich aus Vertretern von europäischen Institutionen, Gewerkschaften, Verbraucherorganisationen und der Industrie zusammensetzt.

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Reduktion der Emissionen, des Energie– und Rohstoffverbrauchs und nachhaltiger Einsatz von Zusatzstoffen

Die PVC-Industrie arbeitet an einem effizienteren Einsatz und effizienterer Kontrolle der PVC-Herstellung über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Sie will zudem den Klimawandel durch reduzierten Verbrauch von Energie und Rohstoffen abschwächen, falls möglich auf erneuerbare Quellen umsteigen und dabei nachhaltige Innovationen fördern. Darüber hinaus wird der Einsatz von PVC-Zusatzstoffen überprüft, um eine nachhaltigere Verwendung voranzutreiben. Denn verschiedene Weichmacher – wie beispielsweise Phthalate – und Stabilisatoren, die das spröde PVC erst weich und formbar machen, sind gesundheitsgefährdend.

Vielleicht schafft es die Branche ja tatsächlich, ihre Probleme in den Griff zu bekommen, und zu einer nachhaltigen Industrie zu werden.

Natalie Hartmann

1 Kommentar

  • Diese Vereinbarungen sind zwar besser als gar nichts, jedoch ist aus meiner Sicht noch lange keine Nachhaltigkeit auch nur annähernd in Sicht. (im Vergeich der Produktionsmengen zur eingesammelten Menge.)
    Leider werden über das gutgemeinte Recycling jedoch auch all die problematischen Zusatzstoffe weiter im Kreislauf gehalten. Aus Sicht der Gesamtbelastung aller Menschen (und der Umwelt allgemein) wäre es sinnvoller neue Produkte gleich aus unbedenklichen Ersatzstoffen herzustellen oder wenn nicht anderst machbar wenigstens aus PVC ohne bedenkliche Beimengungen.
    Die gesammelten PVC-Mengen sollten in entsprechenden gut gefilterten Anlagen wenigstens noch thermisch verwertet werden. (dies gilt im Prinzip auch für viele weitere Kunststoffprodukte, insbesondere Folienartige Produkte).
    Heiko.B,