Photovoltaikboom in Wellenform

Der Photovoltaikboom in Deutschland hat eine Art Wellenform: Mal schwillt er zu zuvor ungekannten Höhen an, um dann wieder genauso schnell abzufallen, bevor er sich wieder in die Höhe schraubt. Schuld daran sind die Kürzungen der Einspeisevergütung für Solarstrom, die von der Bundesregierung mittlerweile im Halbjahres-Rhytmus festgelegt werden.

Nach Angaben der Bundesnetzagentur wurden im ersten Halbjahr 2010 in Deutschland Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als drei Gigawatt errichtet. Damit wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres fast die Installationszahlen des gesamten vergangenen Jahres erreicht (3,8 Gigawatt). Dies sind erstaunliche Zahlen, hält man einmal fest, dass die jährlich neu installierte Leistung an Solarenergie vor zehn Jahren noch bei 42 Megawatt im Jahr (sic!) lag.

Umsatzsteigerungen von über 100 Prozent

Die Solarbranche freuts. Hersteller wie Phoenix Solar melden Umsatzsteigerungen von über 100 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Doch der Eindruck verschärft sich, dass es sich bei dem Boom nicht um eine nachhaltige, weil dauerhafte Entwicklung, sondern eher um ein Strohfeuer handelt, auf den wieder eine Installationsflaute folgt.

Wir erinnern uns: Die Regierungskoalition hatte die Einspeisevergütung für Solarstrom zum 1. Juli deutlich um 13 Prozent gekürzt. Dies ist der Betrag, den Betreiber von Gebäude-Solaranlagen nun weniger bekommen für den Strom, den sie ins Netz einspeisen.

Anschließend schien der Ansturm auf Händler und Installateure auf Solaranlagen vorbei zu sein: Im dritten Quartal wurden deutlich weniger Solaranlagen installiert als vorher. Nun wird erwartet, dass zum Jahresende der Absatz wieder in die Höhe schnellt, denn zum 1. Januar 2011 wird die Einspeisevergütung wahrscheinlich erneut um 13 Prozent gesenkt.

Nachfrage nach billigen Solaranlagen wächst

Das Problem an dieser Entwicklung ist, dass die konsekutiv sinkende Einspeisevergütung den Druck auf die Hersteller erhöht, billigere Solaranlagen auf den Markt zu bringen, weil sich ansonsten die Anschaffung für viele Betreiber in spe nicht lohnt.

Dies ist zwar auch so im Erneuerbare-Energien-Gesetz vorgesehen, hat aber den unschönen Nebeneffekt, dass zukünftig Produktionskapazitäten beispielsweise nach Asien ausgelagert werden könnten.

Ein Hoffnungsschimmer für die deutsche Solarindustrie kommt aus den USA, denn Präsident Barack Obama will die Solarstromproduktion massiv fördern. Der europäische Branchenverband EPIA geht deshalb davon aus, dass die jährlichen Installationszahlen in den USA von momentan zirka 1.000 Megawatt im Jahr 2010 auf 6.000 Megawatt im Jahr 2014 steigen werden.

Daniel Seemann

Add comment