Ölförderstopp im Wattenmeer gefordert

Ein Gebiet so groß wie Norddeutschland ist bis heute im Golf von Mexiko vor der amerikanischen Küste vom Öl der untergegangenen Ölplattform „Deep Water Horizon“ verschmutzt, und das lecke Bohrloch sprudelt munter weiter. Immerhin nennt US-Präsident Obama diese Katastrophe mittlerweile einem „Weckruf für die Ölindustrie“.

Dass dieser bis nach Schleswig-Holstein gelangen würde und die dortige Opposition des Kieler Landtags auf den Plan ruft, hat Obama sicherlich nicht beabsichtigt. Doch auch vor deutschen Küsten wird Öl gefördert und niemand kann mit Sicherheit sagen, dass uns das Schicksal der amerikanischen Südküstenbewohner auf absehbare Zeit erspart bleiben wird.

Zwar deckt Deutschland nur noch zwei Prozent seines Bedarfs an dem schwarzen Gold noch durch eigene Produktion ab – das meiste Öl wird jedoch auf See gewonnen. 2008 waren das immerhin noch 1,83 Millionen Tonnen, die aus dem Wattenmeer vor Schleswig-Holsteins Nordseeküste aus dem Boden geholt wurden.

Gewonnen wird das Öl auf der Plattform „Mittelplate A“ nördlich der Elbmündung in der Meldorfer Bucht, die zu je 50 Prozent den Unternehmen RWE und Wintershall, einer BASF-Tochter, gehört. Ein Ende ist nicht abzusehen: Laut dem jüngsten Rohstoff-Jahresbericht der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe verfügt ganz Deutschland über gesicherte Reserven von 34 Millionen Tonnen Rohöl. Der größte Teil davon dürfte unter dem Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer liegen.

Die derzeitigen Konzessionen laufen demnächst aus. Für den Landtagsabgeordneten Lars Harms vom Südschleswigschen Wählerverband SSW, der Partei der dänischen und friesischen Minderheiten in Schleswig-Holstein, ist das Grund genug, ein Ende der Förderung zu fordern. Bei seinen grünen Oppositionskollegen rannte er damit offene Türen ein.

Und das nicht ganz zu unrecht: Das Wattenmeer wurde letztes Jahr von der UNESCO auf Antrag des Bundeslandes zum Weltnaturerbe erklärt. Die ökonomischen wie immateriellen Schäden, die dort bei einer Ölkatastrophe für Fischerei, Tourismus und Naturschutz entstehen könnten, wären sicherlich mit denen an den Küsten des Golfs vergleichbar.

Daniel Seemann

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