Wetterprognosen, das neues Geschäft

Wetterprognose

Ob es regnet oder schneit, der Wind kräftig von Norden bläst oder mit anhaltender Hitzewelle zu rechnen ist. Das interessierte bislang insbesondere im Hinblick auf die morgendlichen Auswahl passender Kleidung oder zur Klärung der Frage, ob das Büro zu Fuß oder besser mit den öffentlichen Verkehrsmitteln frequentiert werden sollte. Im Zuge der Energiewende kommt Wetterprognosen nun eine bis dato ungekannte Bedeutung zu. Denn ob die Sonne scheint oder nicht, ob es windet oder nicht, hat angesichts des steigenden Anteils regenerativer Energien am Strommix massive Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit.

So ist es nicht verwunderlich, dass in Deutschland ein scharfer Wettbewerb um die besten Vorhersagen entbrannt ist. In der Branche hat sich ein Zweig entwickelt, der sich konkret auf Wetterprognosen für Energieversorger spezialisiert hat. Große Firmen unterhalten eigene Abteilungen und ein gutes Dutzend privater Wetterdienste widmet sich ausschließlich der Wettervorhersage für erneuerbaren Energien. Nachfrage gibt es genug, denn für Windpark- und Solarparkunternehmer ist es essentiell zu wissen, wie das Wetter wird, und die Unternehmen liefern sich ein Wettrennen um die beste Datenauswertung und die genauesten Vorhersagemodelle.

Schwergewicht MeteoGroup bietet spezifische Wettervorhersagen für Offshore-Windparks oder Solaranlagen an und beliefert deutschlandweit rund 500 Energiehändler, Energieerzeuger, Stadtwerke, Netzbetreiber und Verteilergesellschaften mit Wetterinformationen. Aus Parametern wie Windrichtung, Windgeschwindigkeit oder Sonneneinstrahlung lassen sich Anlagenleistungen ableiten und präzise Vorhersagen machen. Das ist nicht nur für die Direktvermarktung und den sicheren Netzbetrieb, sondern auch für den Stromhandel von unschätzbarem Wert. Denn Direktvermarkter verkaufen ihren Strom immer einen Tag im Voraus. Wenn sie mehr Strom verkaufen, als sie aufgrund der Wetterlage produzieren, müssen sie den Verlust aus eigener Tasche ausgleichen.

Das Start-up energcast bietet Prognosen für Wind und Solar im Viertelstundentakt an und visualisiert die prozentuale Ausnutzung der installierten Leistung. Zusammen mit dem Fraunhofer IWES wurde ein komplexes Prognosemodell entwickelt, mit dem die jeweilige Ökostromproduktion berechnet werden kann. Das hat RWE so beeindruckt, dass es sich künftig an dem Unternehmen mit mehr als 2,2 Mio. Euro beteiligen will.

Das Sahnestück der Branche ist der Superrechner Firestorm, der im dänischen Rechenzentrum Aarhus Daten aus mehr als 35.000 Wetterstationen aus der ganzen Welt verarbeitet und aus Windstärke, Windrichtung, Luftdruckverhältnissen und Niederschlagsmengen innerhalb von Minuten die nächste Flaute berechnet. Rechner dieser Art werden die Branche revolutionieren, denn zu wissen, woher der Wind weht, wird in Zukunft in etwa so bedeutend sein wie zu wissen, wo das Öl sprudelt: Von unersetzlichem Wert.

Josephin Lehnert

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