Müllfischen in Amsterdam

Immer mehr Initiativen und Unternehmen engagieren sich gegen Plastik in Meeren und Flüssen. Nach den jüngsten Berichten unserer Redaktion über Projekte wie The Ocean Cleanup und Seabin zeigt ein Beispiel aus Amsterdam, wie gut Umweltengagement und Geschäftsideen kombinierbar sind.

PlasticWhale“ nennt sich die Organisation eines findigen niederländischen Unternehmers. Marius Smit begann sich nach einer Indonesienreise vor fünf Jahren mit dem Thema Plastikmüll auseinander zu setzen. Nachdem er dort Unmengen angeschwemmten Plastikmülls am Strand gesehen hatte, fiel ihm auch die zunehmende Verschmutzung der heimischen Grachten in Amsterdam auf. Seine Idee: öffentlichkeitswirksam Plastik aus Amsterdams Grachten fischen und den Müll anschließend recyceln.

PlatikWhale Boot Interface

Seinen Beruf als Banker hat Smit mittlerweile an den Nagel gehängt und verdient zusammen mit mehreren Kollegen seinen Lebensunterhalt mit PlasticWhale. Er bezeichnet sich selbst als „ersten professionellen Plastikfischer der Welt“. Mittlerweile sind drei PlasticWhale Schiffe in Amsterdams Grachten unterwegs und haben bereits über 50.000 Plastikflaschen und 1.061 Beutel anderen Mülls aus dem Wasser gefischt. In einer Halle im Hafengelände werden einfarbige, noch brauchbare Plastikteile, wie PET-Flaschen, recycelt. Der Rest geht an die Stadtwerke.

Die aus dem Wasser gefischten Plastikflaschen werden auch für den Bau neuer Boote verwendet ©Interface

Um die Boote zu finanzieren, arbeitet PlaticWhale mit Kooperationspartnern wie dem Unternehmen Interface zusammen. Der Hersteller von textilem, modularem Bodenbelag ist der Pate des neuen Bootes, dessen Innenwand unter Verwendung der Fasern von fast 7.000 der aus dem Wasser gefischten Plastikflaschen gebaut wurde. Das Boot soll täglich dazu genutzt werden, noch mehr Müll aus den Grachten zu fischen und gleichzeitig auf die Auswirkungen von Plastik in den Gewässern aufmerksam machen.

Interface Infographic plastic waste German©PlasticWhale.com

Daneben vermietet PlasticWhale die Boote an Privatleute und Unternehmen, die sich beispielsweise im Rahmen eines CSR-Programms oder als Team-Building-Initiative als Müllfischer betätigen wollen und damit einen Tag auf dem Wasser der Amsterdamer Grachten verbringen.

Sozusagen Plastikfischen fürs Wir-Gefühl!

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Die Organisation überlegt sogar mit ihrem Konzept in Städte wie London, Sydney oder Berlin zu expandieren.

Quellen:
www.plasticwhale.com
www.interface.com

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