Mit Chinakohl zur Klimaneutralität

Die mit mehreren Umweltpreisen ausgezeichnete „Ökoregion Kaindorf“ in der österreichischen Steiermark möchte bis zum Jahr 2020 CO2-neutral werden. Neben vielen weiteren Maßnahmen hat sich die Region ein interessantes Konzept überlegt, um ihr ehrgeiziges Ziel zu erreichen: Bauern erhalten Geld dafür, dass sie Treibhausgase in ihren Böden binden. Und auch das darauf wachsende Obst und Gemüse entwickelt sich zum Verkaufsschlager.

Das grundlegende Prinzip dahinter funktioniert folgendermaßen: Unternehmen, die ihren Kohlendioxid-Ausstoß kompensieren und klimaneutral produzieren möchten, schließen mit den teilnehmenden Landwirten Verträge ab. Die Bauern verpflichten sich, den Humusgehalt ihrer Böden hoch zu halten und erhalten für jede Tonne nachweislich darin gebundenes CO2 ein Erfolgshonorar in der Höhe von 30 Euro. Im Gegenzug dafür können die Firmen mit kohlendioxid-neutral hergestellten Produkten werben.

Die Idee für diesen weltweit einzigartigen Regionalhandel mit Kohlendioxid-Zertifikaten entstand auf Initiative des im Jahr 2007 gegründeten „Verein Ökoregion Kaindorf“. Dieser organisiert auch die Abwicklung, indem er als zwischengeschaltete Stelle das Geld von den Unternehmen bekommt und den Großteil an die Bauern weiter reicht. In den sechs teilnehmenden Gemeinden Dienersdorf, Ebersdorf, Hartl, Hofkirchen, Kaindorf und Tiefenbach konnten unter anderem bereits eine Fleischerei, ein Malerbetrieb, eine Brauerei und ein Ökokaffeehandel, sowie – auf der anderen Seite – sieben Landwirte für die Teilnahme begeistert werden.

Durch gezielte Maßnahmen wie die Einbringung von Pflanzenkohle und Kompost, pfluglose Bodenbearbeitung, Fruchtwechsel und Winterbegrünung konnten die Humusgehalte auf Musterböden auf beeindruckende sechs Prozent erhöht werden. Die dadurch erhöhte Bodenfruchtbarkeit hemmt den Schädlingsbefall und der Einsatz von Dünger oder Pestiziden wird so unnötig. Laut Gerald Dunst, Mitinitiator des Zertifikatehandels, kann derartiger Humusaufbau das Äquivalent von 50 Tonnen Kohlendioxid pro Hektar und Jahr binden.

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Ganz nebenbei produzieren die Bauern auch noch Essbares, das sich großer Beliebtheit erfreut: Von dem als „Klimakohl“ verkauften Chinakohl wurden in der letzten Saison etwa 700 Tonnen produziert und verkauft. Außerdem finden Erdbeeren, Karotten und Cocktailtomaten als „Humusgemüse der Ökoregion Kaindorf“ bei Spar Österreich reißenden Absatz. Bis 2020 möchte auch die Fruchthandelskette Fruturua sämtliches Obst und Gemüse für Spar klimaneutral produzieren und setzt dabei auf eine langfristige Zusammenarbeit mit den Bauern der Ökoregion Kaindorf.

Matthias Schaffer

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