Milch ist nicht gleich Milch

Milchkuh
Milchkuh
So zumindest scheint das die Wirtschaft zu sehen. Denn während sich der Rohmilchpreis aus konventioneller Produktion mit großen Schritten den Niedrigpreisen des Milchkrisenjahres 2009 annähert, scheinen die Bio-Milch-Produzenten von den sinkenden Preisen kaum berührt zu werden.

Die Milchbauern sind verzweifelt. Gerade erst gestern versammelten sich gut 3000 Landwirte auf dem Odeonsplatz in München um ihren Unmut über die stark gesunkenen Milchpreise auszusprechen. Die Demonstration bildete den Höhepunkt einer deutschlandweiten Sternfahrt, die bereits letzte Woche in Schleswig-Holstein begann. Doch ist das Problem kein rein deutsches. Auch in Frankreich und Polen stehen aufgrund des niedrigen Preisniveaus viele Bauern mit Milchwirtschaft vor dem aus.

In Deutschland liegt der Erzeugerpreis mittlerweile fast 10 Cent  unter dem vom Vorjahr, Tendenz weiter sinkend. Viele machen die am 01. April diesen Jahres ausgelaufene Garantiemengenregelung dafür verantwortlich, mit der 1984 die europäische Gemeinschaft eine Milchproduktionsquote für die einzelnen Mitgliedsstaaten festlegte. Seit April können also Milcherzeuger so viel Milch produzieren, wie sie wollen. Hinzu kommen die durch Züchtung gesteigerte Produktivität von Milchkühen und fehlende weitere wirtschaftspolitische Regelungen. Das daraus resultierende Überangebot treibt nun die Abnehmerpreise immer weiter nach unten und die Bauern an den Rand der Insolvenz. So fordern die Landwirte ein vorübergehendes Verbot der Überproduktion durch die Europäische Union sowie einen Mindestpreis von 40 Cent.

entwicklung milchpreis

Die Erzeuger von Bio-Milch wiederum scheint die Talfahrt der Milchpreise nicht zu berühren. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Preise für Öko-Milch gerade einmal um einen knappen Cent gesunken, weshalb sie ihren Kollegen aus der konventionellen Landwirtschaft zu einem Umstieg raten. Es könnte viele Höfe vor dem möglichen Aus retten. Angesichts des steigenden Konsums von Bio-Produkten könnten sie damit sogar recht haben.

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Doch ist dies keine Lösung alle 80.000 deutschen Milchbauern, die zurzeit um ihre Existenz bangen. Der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, kündigte bereits weitere Proteste an, die noch vor dem EU-Agrarministertreffens in Brüssel nächste Woche stattfinden sollen.

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