Kosmetische Pflegeprodukte bedrohen Wassertiere der großen Seen

Kosmetische Pflegeprodukte finden sich heutzutage in fast jedem Haushalt, darunter auch sogenannte Peeling-Produkte: Seifen und Cremes, die winzige Plastikkügelchen enthalten, die abgestorbene Hautpartikel entfernen. Was viele dabei nicht bedenken: Dieses Mikro-Plastik macht nicht nur Hautschuppen, sondern auch Wassertieren den Garaus.

Drei der bekannten fünf großen Seen in den USA an der Grenze zu Kanada – Lake Huron, Lake Supersior und Lake Erie – sind mit winzigen Plastikpartikelchen verschmutzt. Für die übrigen zwei Seen stehen die Untersuchungen noch aus, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wird man auch hier fündig werden. Die Chemikerin Sherri Mason von der State University of New York, die eine Untersuchung der Plastikverschmutzung in den großen Seen im letzten Juli leitete, erklärt, man habe vor allem riesige Mengen Plastikpartikel im Mikrometerbereich, also von weniger als einem Millimeter Durchmesser gefunden.

Auch in den Weltmeeren treiben riesige Mengen Plastik, aber diese sind meist zwischen einem und fünf Millimetern groß und es handelt sich um erodierte Partikel einst größerer Kunststoffteile wie Plastikflaschen oder Verpackungen. Die Plastikpartikel aus den großen Seen indes zeigten unter dem Elektronenmikroskop fast durchweg eine ungewöhnlich perfekte Rundform. Kosmetikhersteller verwenden solche runden Plastikkügelchen in Körper- und Gesichts-Peelings oder in Spezialzahnpasta. Sie sind zu klein für die Wasseraufbereitungsanlagen, um sie zu filtern, und so gelangen sie in den Wasserkreislauf und damit in die Oberflächengewässer.

Das größte Problem dabei: Wasserbewohner wie Gelbbarsche, Schildkröten aber auch Seemöwen, halten die Plastikkügelchen für Nahrung. Wenn diese Tiere die Mikropartikel aufnehmen, hindert sie das daran, richtige Nahrung zu sich zu nehmen. Sie verhungern mit vollem Magen, da sie die Kügelchen nicht verdauen können, die sich in ihren Mägen und Eingeweiden ansammeln und das Verdauungssystem blockieren.

Anfang April, auf dem 245. Treffen der National Meeting & Exposition of the American Chemical Society in New Orleans, erklärte die Chemikerin Lorena Rios von der Universität Wisconsin-Superior, die ebenfalls Untersuchungen getätigt hat, dass ihr Team 1.500 bis 1,7 Millionen Plastikpartikel pro Quadratmeile (entspricht 2,5 Quadratmeter) in den großen Seen gefunden habe, die höchste Konzentration dabei im Erie-See, der unterhalb des Lake Huron und des Lake Superior liegt, der wiederum die geringste Konzentration aufwies.

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Es wurden bereits Plastikteile in untersuchten Gelbbarschen gefunden, aber die Untersuchung der Nahrungskette hat erst angefangen und konkrete Ergebnisse stehen noch aus. Auch soll zunächst der noch tiefer gelegene Lake Ontario untersucht werden. Rios rechnet damit, dass die Zahl der Plastikpartikel hier noch einmal signifikant höher liegt. Ob die Stoffe über die Nahrungskette auch in die menschliche Nahrung gelangen ist ebenso noch unklar.

Josephin Lehnert

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