Klimawandel und Finanzkrise sind Top-Themen in Unternehmen

Klimawandel und Finanzkrise sind die prägenden Themen der aktuellen Nachhaltigkeitsberichterstattung von deutschen Unternehmen, so die Ergebnisse einer Unternehmensbefragung des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und der Unternehmensinitiative Future. Branchenübergreifend setzen sich die Firmen in ihren Berichten mit den drängenden Fragen des Klimaschutzes und dem Umgang mit den Krisenerscheinungen im Finanzmarkt und in der Realwirtschaft auseinander. Der Einführung einer Berichterstattungspflicht steht die Mehrheit der deutschen Großunternehmen hingegen kritisch gegenüber und warnt vor erhöhtem bürokratischem Aufwand.

„Über nachhaltige Unternehmensentwicklung Bericht abzulegen, bedeutet weit mehr als Ressourcenverbrauch und Emissionen zu bilanzieren“, so Jana Gebauer, Expertin für nachhaltige Unternehmensführung am IÖW. Gerade die Wirtschaftskrise mache die zentrale Bedeutung einer ausgewogenen Betrachtung aller Nachhaltigkeitsdimensionen deutlich. „Spektakuläre Firmenpleiten und Umwälzungen in ganzen Branchen zeigen: Unternehmerischer Erfolg wird zukünftig immer stärker davon abhängen, ob die drei Nachhaltigkeitssäulen Ökologie, Ökonomie und Soziales im Unternehmen gleich stark gebaut sind.“

Die Befragung führten IÖW und Future im Rahmen des Rankings der Nachhaltigkeitsberichte durch, das die Berichte der 150 größten deutschen Unternehmen sowie deutscher KMU bewertet. „Viele Unternehmen berichten zwar schon seit Jahren über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten“, so Dr. Udo Westermann, Future-Geschäftsführer. „Doch bei der Gesamtzahl der Berichterstatter bewegt sich noch zu wenig. Trotz der Turbulenzen in vielen Branchen setzen noch weniger als die Hälfte der deutschen Großunternehmen darauf, die Gesellschaft  transparent und umfassend  über ihr Handeln zu informieren.“ Allerdings zeige sich, dass vor allem Handelsunternehmen und Banken in letzter Zeit verstärkt Erstberichte veröffentlichen. Trotz Verlagerung vieler Berichtsaktivitäten ins Internet, halten die meisten Unternehmen am gedruckten Bericht fest und setzen auf die Kombination von Print- und Online-Berichterstattung.

Die Einführung einer Berichterstattungspflicht lehnt über die Hälfte der befragten Unternehmen ab. Deutlichem Zusatzaufwand und Mehrkosten stünde kein gleichwertiger Nutzen gegenüber. Hingegen fördere die Freiwilligkeit der Berichte Kreativität und Eigeninitiative. Demgegenüber steht ein Viertel der Unternehmen, die eine allgemeine Berichterstattungspflicht befürworten und dabei auf den Wettbewerbsfaktor pochen. „Unternehmen, die substanzielle Nachhaltigkeitsleistungen nachweisen können, profitieren von einer allgemein erhöhten Transparenz“, so Gebauer. Unterm Strich würde die Einführung einer Berichtspflicht die gesamte Nachhaltigkeitsleitung der deutschen Wirtschaft erhöhen, argumentieren die Befürworter.

Auch kleine und mittlere Unternehmen werden in diesem Jahr in das Ranking der Nachhaltigkeitsberichte einbezogen. „Mit zirka fünfzig berichterstattenden Unternehmen ist die Anzahl der KMU, die mit einem eigenen Nachhaltigkeitsbericht substanziell über eine Umwelterklärung bzw. einen Umweltbericht hinausgehen, nach wie vor überschaubar“, so Westermann. „Unsere Befragung zeigt, dass es sich bei den Berichterstattern vor allem um eigentümergeführte Familienunternehmen handelt. Die Frage nach dem Warum wird eindeutig beantwortet: Die Nachhaltigkeit liegt den Unternehmerinnen und Unternehmern am Herzen, sie möchten die Themen voranbringen und zur Bewusstseinsbildung in ihrem Umfeld beitragen.“

Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)

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