Heizen mit Pökelsalz

Salz; Foto: shutterstock

Industrielle Abfallwärme wird üblicherweise von Stahlwerken, Chemie- oder Müllverbrennungsanlagen in die Umwelt entsorgt. Aber auch Biogasanlagen geben üblicherweise Wärme nach aßen ab. Die Dortmunder LaTherm GmbH hat eine innovative Lösung gefunden, um sozusagen aus diesem „Energiemüll“ Kapital zu schlagen.

Dafür wird die Wärme mit Hilfe einfacher, wasserbasierter Wärmetauscher in speziell ausgestatteten Containern gespeichert. Ein Prozess, der je nach Temperatur und Wärmeleistung der Wärmequelle fünf bis zwölf Stunden dauern kann.

Anschließend wird die Abwärme per Lkw an Schwimmbäder, Krankenhäuser, Schulen, Wohnanlagen oder Gewerbeobjekte geliefert. Das bereits erkaltete Heizungswasser aus dem dort vorhandenen Heizungssystem fließt nun in das kleinere Leitungssystem auf dem Lkw ein, nimmt die Wärme auf und gibt diese im großen Heizkreislauf der Kundenimmobilie wieder ab.

Speichermedium Natriumacetat

Im Zentrum dieser Dienstleistung steht ein patentierter, Tüv-Geprüfter Latentwärmespeicher, mit dem große Wärmemengen mobil eingesetzt werden können. Hierzu wird ein 20 Fuß-Standard-Container als Wärmespeicher umgerüstet. Als Speichermedium dient Natriumacetat, ein ungefährlicher Lebensmittelzusatz, der unter anderem auch als Pökelsalz verwendet wird.

In diesem Latentwärmespeicher kann eine ungefähr viermal so große Wärmemenge gespeichert werden wie in einem herkömmlichen Wasserspeicher vergleichbarer Größe. Der dabei auftretende, tägliche Wärmeverlust beträgt dabei nur zirka 0,5 Prozent. Ein Container kann etwa 2,5 Megawattstunden Energie speichern – was in etwa der Energiemenge entspricht, um ein Einfamilienhaus ungefähr ein Vierteljahr lang mit Heizungswärme und Warmwasser zu versorgen.

Mittels eigener Messeinrichtungen auf dem Lkw sowie weiterer Daten (zum Beispiel Wetterinformationen) wird der Zeitpunkt berechnet, an dem die Wärme aus dem Container vollständig abgegeben worden ist. Dann wird die Anlage abgebaut und der leere Container wird zur nächsten Wärmequelle transportiert, wo er wieder aufgefüllt wird.

Nachhaltigkeit als Prinzip

Das System hat einen äußerst nachhaltigen, energieeffizienten Kern: Es basiert ausschließlich auf bereits vorhandenen Wärmemengen, die nicht extra erzeugt und für die in primärer Hinsicht keine fossilen Brennstoffe verbraucht werden müssen. Dadurch wird die Umwelt geschont, der Primärenergieverbrauch reduziert und der Wärmekunde kann am Ende eine hohe Güteklasse im Energiepass des von ihm genutzten Gebäudes verbuchen.

Die Wärme, die Industrieunternehmen oder Biogasanlagenbetreiber heute „wegwerfen“, kann bisher nur unter große Aufwand wirtschaftlich nutzbar gemacht werden. Sie ist aber in großer Menge verfügbar, wodurch mittel- bis langfristig keine großen Preisschwankungen bei der Nutzung der Abwärme zu erwarten sind.

Daniel Seemann

Add comment