Perspektiven im Aufwind: Cleantech in Dänemark

Vergangene Woche haben wir die dänische Cleantech-Branche vorgestellt, die ein großes Wachstum verzeichnet und vor allem auch für Arbeitnehmer interessante Perspektiven bietet. Im Rahmen der Herbst-Initiative der Talent Attraction Denmark sprachen wir mit Robert Koch*, Manager bei einem international operierenden Konzern mit Niederlassung in Dänemark, der uns über seine Erfahrung nach Dänemark auszuwandern berichtet hat.

CleanEnergy Project: Wie sind Sie auf die Idee gekommen nach Dänemark zu gehen bzw. eine Arbeitsstelle dort anzunehmen?

Robert Koch: Nachdem ich zweieinhalb Jahre in der Schweiz gelebt habe, war es Zeit nochmal etwas anderes zu wagen. Da ich in der Schweiz in der Solarbranche Fuß gefasst habe, war mir klar, dass ich im Bereich Erneuerbare Energien bleiben möchte. Darunter war die Windindustrie zu dem Zeitpunkt bereits die stabilste und bot die meisten Möglichkeiten. Verbunden mit meinem Wunsch, in einem skandinavischen Land zu leben und zu arbeiten, kam dann nur Dänemark in Frage. Somit habe ich mich bei den dortigen Windunternehmen umgesehen und habe eine Stelle bei einem großen deutschen Konzern im Bereich Windpower angenommen.

CEP: War die dänische Cleantech-Branche für Sie ein Anreiz nach Dänemark auszuwandern?

R.K.: Unter anderem, ja. Wie gesagt, die Solarbranche war in 2011 an einem Tiefpunkt angelangt und Wind war die einzige stabile Industrie, die auch meinem Wunsch bei einem Großunternehmen einzusteigen nachkommen konnte. Die Windenergie ist in Dänemark entstanden und bietet vielfältige berufliche Möglichkeiten, da Dänemark auch immer noch einer der größten Märkte ist.

CEP: Bietet Dänemark besondere Bedingungen für die Cleantech-Branche?

R.K.: Gesetzliche Rahmenbedingungen – das kann ich Ihnen nicht sagen. Aber sicherlich führt ein weitaus liberalerer Arbeitsmarkt als der in Deutschland in Verbindung mit einer starken Unterstützung der Bevölkerung für grüne Energie zu einem interessanten Standort. Die Windpioniere sind in Dänemark groß geworden, dazu gehören Firmen wie Bonus, Vestas, etc. Das liegt mit Sicherheit auch an den hiesigen Wetterbedingungen, aber auch an der Gesellschaft und Politik, die die enormen Potenziale dieser Technologie sehr früh erkannt und somit attraktive Bedingungen geschaffen hat.

CEP: Wie ist das Arbeitsumfeld in Dänemark? Was sind die Unterschiede zu Deutschland?

R.K.: Sicherlich ist das Arbeitsumfeld nicht so hierarchisch wie in Deutschland. Es gibt flachere Ebenen innerhalb der Unternehmen, einhergehend mit einer etwas anderen Arbeitsweise, ohne die ambitionierten Ziele aus den Augen zu verlieren. Hier kann ich aber auch nur für meinen Arbeitgeber sprechen, ich kann Ihnen nicht sagen, wie es in anderen Unternehmen aussieht. Es ist keine Seltenheit, dass man alle zwei bis drei Jahre seine Stelle wechselt, ob es nun intern oder extern ist. Ich denke, dass der flexible und liberale Arbeitsmarkt dies ermöglicht. Viele Stellen bedeutet auch für den Arbeitnehmer, dass man flexibel ist, sich an unterschiedliche Aufgaben anpassen und diese erfolgreich lösen kann. Ich denke, dass dies in Deutschland eher skeptisch gesehen wird und kritische Fragen aufwirft, denn „Begeisterung“ seitens der Arbeitgeber hervorruft.

CEP: Gibt es etwas, was Sie als gewöhnungsbedürftig erachtet haben? Was ist besonders toll an Dänemark?

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R.K.: Arbeiten in einem anderen Land ist immer gewöhnungsbedürftig, und das gilt für alle Ebenen, ob nun privat oder beruflich. Selbst wenn die Dänen unsere Nachbarn sind, gibt es doch sehr viele Unterschiede, auch wenn diese zunächst nicht relevant erscheinen. Aber im täglichen Leben bemerkt man sie und muss natürlich versuchen, sich anzupassen und zu integrieren. Die Preise sind sicherlich gewöhnungsbedürftig, die Sprache verlangt uns einiges ab, aber man muss sich auch auf die Arbeitsweise der jeweiligen lokalen Kollegen einstellen und deren Feinheiten herausfinden. Die Dänen sind ein sehr glückliches Volk, es ist weniger stressig im Alltag und das soziale System ist eines der besten der Welt. Wenn man Kinder hat, dann ist Dänemark vermutlich ein Eldorado, da die sozialen Systeme die meines Erachtens finanziell sehr gut ausgestattet sind und einiges bieten. Ansonsten lebt man hier sicherlich in einer Region, wo andere Urlaub machen, insbesondere wenn man am Meer lebt. Die Großstadt fehlt einem aber doch ab und zu. Als junger Mensch ist das sicherlich schwierig in Zeiten, wo Stadtflucht angesagt ist.

CEP: Können Sie sich vorstellen, dauerhaft in Dänemark zu bleiben oder möchten Sie nach Deutschland zurückkehren?

R.K.: Dauerhaft ist ein dehnbarer Begriff, es kommt auf den Zeitrahmen an. In Jylland gibt es sicherlich nicht die gleichen kulturellen Angebote, Sportangebote oder kulturelles Leben wie in den Ballungsräumen in Deutschland. Das ist nicht vergleichbar, das muss man sich schon bewusst machen. Sicherlich ist das Bestreben da, wieder irgendwann in Deutschland zu leben, da es einfach die Heimat ist. Das kann man nicht ausblenden, und das ist ein wichtiger Punkt. Das Leben bietet viel in Dänemark, aber es gibt auch sehr viele Gründe, irgendwann wieder nach Deutschland zurück zu kommen.

 *Name von der Redaktion geändert

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