Wer soll das bezahlen?

Man hört es immer wieder, von Freunden, Bekannten und sogar Politikern: Die erneuerbaren Energien sind Schuld am hohen Strompreis. Viele verurteilen bereits den überhasteten Ausstieg aus der Atomenergie. Doch was ist dran an den Gerüchten? Lassen Sonne, Wind und Mais tatsächlich den Strompreis in die Höhe schießen? Oder haben wir es hier mit fehlgeleiteter Meinungsmache zu tun?

Die Strompreise haben 2013 ein neues Rekordniveau erreicht. Durchschnittlich 28,8 Eurocent kostete die Kilowattstunde und damit mehr als das Doppelte als noch zur Jahrtausendwende. Die Haushalte kommt das teuer zu stehen. Sie müssen tief in die Tasche greifen, um den rasanten Ausbau erneuerbarer Energien mitzufinanzieren. Denn dazu verpflichtet sie das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz). Die sogenannte EEG-Umlage hat sich seit 2010 mehr als verdreifacht und den drastischen Preisanstieg im Stromsektor mit verursacht. Rund 20 Prozent des Strompreises macht die EEG-Umlage aus.

Die EEG-Umlage ist das deutsche Förderinstrument, das den Ausbau erneuerbarer Energien finanzieren und vorantreiben soll. Anlagenbetreiber erhalten für eingespeisten Strom einen Obolus, genannt Einspeisevergütung. Zahlen müssen diese letztlich die Stromverbraucher, und zwar alle miteinander, oder fast alle. Einige Industriebetriebe, und zwar solche mit extrem hohem Strombedarf, interessieren die hohen Strompreise herzlich wenig. Denn mit der Förderung erneuerbarer Energien haben sie nichts mehr zu tun. Wem das spanisch vorkommt, der sollte sich die Zusammensetzung der EEG-Umlage einmal genauer ansehen.

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Die reinen Förderkosten machen gerade einmal 40 Prozent der insgesamt 6,26 Cent aus, mit der die EEG-Umlage den Strompreis derzeit belastet. Die restlichen 60 Prozent bilden externe Faktoren. Ganz besonders ins Gewicht fallen dabei das Industrie-Privileg und der Rückgang der Börsenpreise. Das Industrie-Privileg genießen eben jene Unternehmen mit hohem Stromverbrauch. Denn sie sind seit einiger Zeit von der EEG-Umlage befreit, um Wettbewerbsnachteilen vorzubeugen. Leider sind diese stromintensiven Industrien für fast 20 Prozent des Stromverbrauchs verantwortlich. Und leider muss der Otto-Normalverbraucher für deren Förderanteil mit aufkommen. Immer mehr Unternehmen machen von der Vergünstigung Gebrauch. Dabei ist es völlig egal, ob nur bestimmte Bereiche des Unternehmens stromintensiv sind – die Umlagebefreiung gilt für den gesamten Betrieb. Das setzt leider auch keine Anreize, Strom zu sparen.

Der zweite Kostenfaktor der EEG-Umlage ist paradoxerweise der niedrige Börsenstrompreis. Der zunehmende Anteil erneuerbarer Energien dämpft die Preise an den Strombörsen. Bei den Verbrauchern kommt davon wenig an. Denn die Einspeisevergütung für erneuerbare Energie ist gesetzlich festgelegt. Zwar sinken die Börsenstrompreise, jedoch steigt die Menge an EEG-Strom. Die Differenz müssen die Verbraucher ausgleichen.

Das gesamte Fördermodell der EEG-Umlage zeigt bei aller gut gemeinten Absicht einen starken Nachbesserungsbedarf. Derzeit tobt ein heftiger Zwist um die geplante Reform des EEG. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat ein entsprechendes Reformpapier vorgelegt, in dem er unter anderem die Fördersätze der Einspeisevergütung senken und Betreiber fossiler Kraftwerke dafür bezahlen will, dass sie auch bei geringerer Auslastung nicht herunterfahren und so die Versorgung sicherstellen. Dabei ist Deutschland von einem Blackout weit entfernt. Es fließt so viel überschüssiger Strom ins Ausland wie nie zuvor.

Auch die besondere Ausgleichsregelung, mit der stromintensive Unternehmen von der EEG-Umlage befreit werden, will Gabriel abschaffen oder zumindest anpassen. Sinnvoll wäre es in jedem Fall, die Obergrenze heraufzusetzen und eine Beschränkung auf die energieintensiven Bereiche der betroffenen Unternehmen einzuführen. Die Verbraucher würde das allemal entlasten. Zudem wären die Unternehmen gezwungen, in den übrigen Unternehmensbereichen Strom zu sparen. Ob eine Begrenzung der Förderung auf eine bestimmte Zahl von Anlagen sinnvoll ist, bleibt fraglich. Viel wichtiger wäre es, klare Strukturen und Rahmenbedingungen für den Netzausbau zu schaffen; beispielsweise Genehmigungsverfahren zu vereinfachen.

1 Kommentar

  • Das ganze lässt sich auf 2 Arten lösen, welche auch kombinierbar sind:

    1. Industrierabatte abschaffen und dafür lieber Photovoltaik fördern und die Industrie dazu verdammen selbst Photovoltaikanlagen anzuschaffen, um direct Vorort die Netze zu entlasten!

    2. Jeder Privatmensch der kann sollte sich mindestens eine GuerillaPV zulegen, um eben seinen Stromverbrauch zu senken und so auch seinen Anteil an den Kosten, welche durch die Industrie verursacht werden zu mindern. Leider wird das für viele Mieter schwierig, womit sich mal wieder zeigt, daß alles auf den Rücken der schwächsten ausgetragen wird.

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