Mit Crowdfunding gemeinsam für die Energiewende

„Wir sind spät in die erneuerbaren Energien eingestiegen – vielleicht zu spät“, musste RWE-Chef Peter Terium zugeben, als er Anfang März einen historischen Verlust von fast 2,8 Milliarden Euro für das Unternehmen verkündete. Zu lange hat RWE auf Kohle- und Atomkraftwerke gesetzt und den erneuerbaren Energien nur wenig Beachtung geschenkt. Gerade einmal sechs Prozent machen sie im Strommix von RWE heute aus.

Während Politik und Großkonzerne die Energiewende viel zu zögerlich angehen, haben die deutschen Bürger die Zeichen der Zeit erkannt und die Entwicklung der erneuerbaren Energien in den letzten Jahren mit ihrer finanziellen und emotionalen Beteiligung vorangebracht. Bürgerenergieanlagen haben in Deutschland bereits seit Ende der 80er-Jahre Tradition. Heute sind fast 50 Prozent aller Anlagen zur Ökostromerzeugung – ob Windräder, Solarparks oder Biogasanlagen – in Deutschland mit privatem Kapital finanziert. Damit sind die Bürgerinnen und Bürger die unangefochtenen Marktführer der Energiewende.

Im Jahr 2013 gab es laut einer Erhebung des Klaus Novy Instituts über 880 regionale Energiegenossenschaften – ihre Zahl hat sich seit 2008 mehr als versechsfacht. Das Konzept: Privatpersonen realisieren gemeinsam Energieprojekte vor Ort und leisten so einen Beitrag zum stetigen Ausbau der erneuerbaren Energien und zum Klimaschutz. Gleichzeitig sind Sie wirtschaftlich an den langfristigen Erträgen der Anlagen beteiligt. Die Energiewende ist damit nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll – für die Gemeinschaft und für jeden Einzelnen.

Als digitale Alternative zu Energiegenossenschaften ist auch das sogenannte Crowdfunding für die Finanzierung nachhaltiger Energieprojekte besonders vielversprechend. Beim Crowdfunding tragen viele Menschen online mit kleinen Beträgen eine große Summe für ein Projekt zusammen. Das kann ein Kinofilm (wie „Stromberg“), ein Unternehmen oder eine technische Innovation sein. Was für kreative Projekte funktioniert, ist auch für die Energiewende in Bürgerhand geeignet: Crowdfunding ist der neue Weg, alle Bürger an der Energiewende teilhaben zu lassen.

Die Dresdner Crowdfunding-Plattform Econeers bietet seit Oktober 2013 Investments ab 250 Euro in energieeffiziente Projekte an. Den Beweis, dass Crowdfunding für erneuerbare Energien und Energieeffizienzprojekte funktioniert, hat das erste Projekt bei Econeers, ein nachhaltiger Biokohlereaktor mit dem Namen Tiefschwarz erbracht. Die Anlage produziert aus Abfallstoffen Biokohle, die als sauberer Energieträger zur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt wird. Mit diesem Konzept konnte Tiefschwarz innerhalb von zwei Monaten eine Summe von 570.000 Euro von 424 Crowd-Investoren einsammeln. Mittlerweile läuft die Anlage im Dauerbetrieb und hat bereits erste Renditen für die Investoren erwirtschaftet.

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Ein weiteres Crowdfunding-Projekt, das sich derzeit bei Econeers präsentiert ist eine Biogasanlage in der Nähe von Bremen. Die Anlage soll mit Unterstützung der Crowd aus einem insolventen Fonds herausgekauft, optimiert und bis Juli 2014 wieder in Betrieb genommen werden. Das produzierte Biogas wird in zwei angeschlossenen Blockheizkraftwerken in klimafreundlichen Strom umgewandelt. Dieser wird zu festen EEG-Vergütungssätzen ins Stromnetz eingespeist. Für ihr Engagement bieten die Projektbetreiber den privaten Investoren einen effektiven Jahreszins von 6,8 Prozent. Damit das Vorhaben Wirklichkeit werden kann, müssen bis Ende Mai insgesamt 500.000 Euro bei Econeers eingesammelt werden.

Der Boom der Energiegenossenschaften macht deutlich: Immer mehr Menschen in Deutschland möchten die Energiewende voranbringen und sich unabhängig von großen Stromkonzernen und von fossilen Energieträgern machen. Mit Crowdfunding können Bürger dies auf einfache Weise online tun und ihrem Geld einen Sinn geben. Damit bietet Crowdfunding eine zeitgemäße Form der Bürgerbeteiligung mit klimatechnischem und politischem Effekt.

 

1 Kommentar

  • Crowdfunding ist eine erfrischend innovative Alternative zu Finanzierungsmodellen, die konservativ unflexibel sind. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Entwicklung die Freiheit zur Entfaltung gelassen wird. Dies wäre auch für die weitere Entwicklung der Erneuerbaren Energien dringend notwendig. Vielleicht entsteht auch hier ein Einsehen, wie bei RWE, gefolgt von mehr Unterstützung der Interessen der Bürger.