Mangelnde Transparenz verschreckt Investoren

Nachhaltige Geldanlage

Obwohl das Volumen bei nachhaltigen Geldanlagen insgesamt steigt, haben grüne Investitionsmöglichkeiten noch immer mit Problemen und Vorurteilen zu kämpfen. Dass die Anlagekriterien von Nachhaltigkeitsfonds in diversen Medien unlängst stark kritisiert wurden, wirkt da nicht unbedingt vertrauensfördernd. So verwundert es auch nicht, dass ein Großteil der Privatanleger weiterhin auf konventionelle Investmentformen setzt und das Interesse deutscher Großanleger an grünen Investitionen im Vergleich zum letzten Jahr gesunken ist. Ändern könnte dies nach Einschätzung von Marktkennern hauptsächlich bessere Beratung und mehr Transparenz.

Grundsätzlich haben nachhaltige Anlagestrategien laut Prof. Dr. Henry Schäfer, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Finanzwirtschaft an der Universität Stuttgart, nämlich „durchaus ein gutes Fundament in der deutschen Investorenlandschaft“. Unklar sind sich viele Großanleger allerdings „hinsichtlich der individuell passenden Konzeption und der Umsetzbarkeit im eigenen Investmentprozess“, also wie sich Nachhaltigkeit konkret in die eigenen Investments einbinden lässt. Das ergab eine Umfrage unter 200 Großanlegern wie Banken, Stiftungen oder Versicherungen zu verschiedenen Aspekten nachhaltiger Kapitalanlagen.

Ein weiteres Ergebnis der für die Investmentgesellschaft Union Investment durchgeführten Befragung ist, dass derzeit rund 50 Prozent der Großanleger Nachhaltigkeitskriterien in die Wahl ihrer Anlageform einbeziehen. Das ist zwar kein schlechter Wert, aber im Vorjahr betrug er bereits 64 Prozent. Eine Ursache für den Rückgang könnte ein Mangel an Informationen sein, denn nur 40 Prozent der Befragten fühlen sich in Sachen Nachhaltigkeit gut beraten. Im Vorjahr lag auch dieser Wert deutlich höher, nämlich bei 57 Prozent. Laut einer zweiten Umfrage von Union Investment ist der Mangel an Information und Transparenz auch für Privatanleger ein Investitionshemmnis. So begründen 32 Prozent der Befragten, dass sie ihr Geld aufgrund eines Informationsdefizits nicht nachhaltig angelegt haben.

Beratung soll ökologische und soziale Aspekte einschließen

Eines der dem zugrunde liegenden Probleme dürfte sein, dass der Begriff „Nachhaltigkeit“ nicht geschützt ist und dadurch auch Unternehmen in Nachhaltigkeitsfonds landen, die nicht nachhaltig arbeiten. So ergab eine im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen durchgeführte Studie, dass zehn untersuchte Nachhaltigkeitsfonds teilweise auch in Unternehmen der Rüstungs- und Atomindustrie investiert hatten. Anleger, die wirklich sicher gehen möchte, dass das eigene Geld nachhaltig investiert ist, müssen also derzeit selbst genau überprüfen wo sich die Fonds beteiligen.

Da dies sehr zeitaufwändig ist, wäre die Entwicklung von Mindeststandards für nachhaltige Geldanlage wünschenswert. Diese Forderung wird auch von vielen Mitgliedern des Forums Nachhaltige Geldanlagen und dem Bündnis 90/Die Grünen mitgetragen. Speziell Privatanlegern ist es ihrer Meinung nach nicht zumutbar, sich über jedes einzelne Unternehmen eines Nachhaltigkeitsfonds zu informieren. Und laut Alexander Schindler, Vorstandsmitglied von Union Investment, ist selbst unter Großanlegern „in der Beurteilung nachhaltiger Investmentstrategien eine gewisse Verunsicherung eingetreten“.

Union Investment-Geschäftsführer Giovanni Gay plädiert aus diesem Grund für umfassende Beratung. So sollten seiner Meinung nach „in der Kundenberatung neben den klassischen Kriterien einer Geldanlage wie Sicherheit, Rendite und Liquidität auch ökologische und soziale Aspekte angesprochen werden“. Das ermöglicht den Anlegern einen transparenten Blick auf die jeweilige Anlageform und stärkt das Vertrauen in nachhaltige Kapitalanlagen.

Matthias Schaffer

1 Kommentar

  • Einen praxistauglichen „Nachhaltigkeits-Check“ für beliebige Geldanlagen, ob vermeintlich nachhaltig oder nicht, findet man auf auf einer Website von 24 Bank-Azubis aus Nürnberg: eine vernünftige Nachhaltigkeits-Definition, ein genauer Kriterienkatalog für nachhaltige Geldanlagen, ein verständliches und einfaches Beurteilungsverfahren mit einem dreidimensional „Nachhaltigkeits-Würfel“ als Gesamturteil. Es liegen bereits 28 Beurteilungen konkreter Geldanlagen vor, von Aktien bis Wind- und Waldfonds („gecheckt“). Das Verfahren wurde sowohl mit Schulklassen als auch einer Seniorengruppe mit Erfolg getestet. Es ist ein guter Leitfaden, um sich als privater Kleinanleger ein „Nachhaltigkeits-Urteil“ über eine Geldanlage zu machen.

    http://projekt-nachhaltige-geldanlagen.jimdo.com/nachhaltigkeits-check/