KlimaGut AG – Immobilienfonds für nachhaltig orientierte Anleger

Die KlimaGut Immobilien AG mit Sitz in Berlin wird grüne Finanzanlagenprodukte in Form nachhaltiger Immobilienanlagen anbieten. Das CleanEnergy Project sprach mit Fabian Tacke, dem Vorstand der KlimaGut Immobilien AG.

Herr Tacke, Sie verknüpfen die steigende Nachfrage nach grünen Immobilien mit der steigenden Nachfrage nach grünen Finanzanlageprodukten. Welche Vorteile bringt diese Kombination mit sich?
Gebäude verbrauchen den Löwenanteil an Energie und verursachen damit maßgeblich den Ausstoß klimaschädlicher Gase in Europa. Mit unserem Konzept sorgen wir dafür, dass unsere Häuser in Zukunft emissionsneutral betrieben werden.

Immer mehr Menschen wünschen sich eine gesunde und umweltgerechte Wohnumgebung. Immer mehr Menschen investieren ihr Geld nicht allein unter Renditeerwartungen sondern wollen auch wissen, was mit ihrem Geld passiert. Gleichzeitig ist gerade in schwierigen Zeiten einen sichere Investition gefragt. Wir wollen diese Interessen verbinden und in Zukunft Immobilienfonds für nachhaltig orientierte Anleger anbieten. Als Bauträger und Fondsentwickler wollen wir dabei natürlich auch Geld verdienen. 

Wie kamen Sie auf diese Idee?
Die Idee ist schon lange in meinem Kopf: privates Kapital für eine behutsame, soziale und ökologische Stadterneuerung zu nutzen. Schon 1996, als ich noch bei einer kleinen Mietergenossenschaft gearbeitete habe, haben wir diese Idee diskutiert. Im Jahr 2003 habe ich dann das erste Mal ein solches Projekt realisiert und einen ersten ökologischen Immobilienfonds aufgelegt. Die UmweltBank hat seinerzeit den Vertrieb übernommen. Ich denke, dass jetzt eine gute Zeit ist, das Thema nach vorne zu bringen. Deshalb haben wir jetzt die KlimaGut AG gegründet.

Die KlimaGut Immobilien AG erwirbt nicht nur Immobilien, sondern führt auch selbst Sanierungen durch. Gibt es ein bestimmtes Konzept, nach dem Sie bei der Sanierung vorgehen?
Zunächst reduzieren wir den Energieverbrauch der Gebäude um etwa zwei Drittel. Dazu machen wir die üblichen Maßnahmen wie Wärmedämmung, neue Fenster und eine neue Heizung. Bis hierhin ist das nichts Ungewöhnliches. Um die dann noch benötigte Energie bereitzustellen, setzen wir ein Blockheizkraftwerk ein, das mit Biokraftstoffen betrieben wird. Das kann zum Beispiel Biogas aus der Vergärung von Abfällen sein. Durch eine geschickte Kombination dieser Maßnahmen erreichen wir, dass die laufende Energieversorgung emissionsneutral ist. Das heißt, dass bei der Verbrennung nicht mehr klimaschädliche Gase freigesetzt werden, als beim Anbau der Rohstoffe aufgenommen werden.

Welche Immobilien sind dafür besonders geeignet?
Unser Konzept bezieht sich auf typische Berliner Mietshäuser, wie sie in der Innenstadt allerorten anzutreffen sind.

Auf welche Widerstände sind Sie bei der Realisierung Ihres Konzepts gestoßen?
Die Rahmenbedingungen für die klimagerechte Gebäudesanierung müssen dringend verbessert werden. In Deutschland gibt es 40 Millionen Wohnungen. Die Förderung der Bundesregierung für die energetische Sanierung betrifft jährlich 12.000 Wohnungen. Das ist viel zu wenig. Da brauchen wir noch 3.000 Jahre. Wir plädieren dafür, die Gebäudesanierung in den Emissionshandel mit einzubeziehen. Das regt die Investitionen an und kostet den Steuerzahler nichts.

Wie hoch liegt der Mindestbetrag für Investoren?
An der neu gegründeten Aktiengesellschaften kann man sich ab einem Betrag von 50.000  Euro beteiligen. Eine solche Beteiligung an einem Start-up Unternehmen sollten Anleger jedoch nur eingehen, wenn sie sich nicht nur der Chancen sondern auch der Risiken voll bewusst sind. Garantien gibt es keine.

Momentan konzentrieren sich Ihre Aktivitäten auf Berlin. Was spricht für diesen Standort?
Wir sind hier zu Hause. Als echte Berliner kennen wir unsere Stadt. Ortskenntnis ist die wichtigste Voraussetzung für funktionierende Immobilien.
Berlin hat zwölf Bezirke, von denen jeder im Durchschnitt 285.000 Einwohner hat. Die Bezirke haben jeweils etliche, teilweise sehr unterschiedliche Ortsteile. Bei Wohnimmobilien gibt es keine Aussage zu Berlin insgesamt – dazu ist die Stadt zu heterogen. Prinzipiell setzen wir eher auf die einfachen und mittleren Lagen, die vielleicht etwas Entwicklungspotential haben. Wichtig ist, dass das unmittelbare Umfeld, das Quartier in sich funktioniert und man etwas dazu passendes anbietet.

Haben Sie bereits Pläne, in Zukunft auch andere Städte einzubeziehen? Welche Städte wären Ihrer Meinung nach besonders interessant?
In Berlin gibt es erst mal noch eine ganze Menge zu tun. Wenn wir in andere Städte gehen, dann nur mit Partnern, die sich dort genau so gut auskennen wie wir in Berlin.

Gibt es im Bezug auf das Thema „Grünes Geld“ ein Vorbild, eine Person, die Sie besonders inspiriert?
Ich finde es schon sehr beeindruckend, wie Horst Popp zusammen mit seiner Frau Sabine Popp die UmweltBank aufgebaut hat. Sozusagen vom Wohnzimmer aus haben die beiden vor zwölf Jahren Privatleute von Ihrer Idee überzeugt und so das Startkapital für die Bank eingesammelt. Heute hat die UmweltBank eine Bilanzsumme von 1,2 Milliarden Euro – ein großer Erfolg, der allerdings sicher sehr viel Schweiß gekostet hat.

Herr Tacke, ich danke Ihnen für das Gespräch. 

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