Zukunftsmarkt Grünes Geld

Ein Interview mit der Finanzjournalistin Susanne Bergius

„Was sich abspielt ist keine Mode, sondern ein langfristiger Trend“ –  so beschreibt die Finanzjournalistin Susanne Bergius die wachsende Zahl von Anlegern, die sich für nachhaltige Geldanlagen interessieren – und das nicht erst seit der Finanzkrise. Im Gespräch mit dem CleanEnergy Project spricht die Nachhaltigkeitsexpertin über den neuen Umgang mit Geld, den Ausbau von grünen Technologien und über die Chancen, die sich daraus für Verbraucher und Unternehmen entwickeln.

Viele Unternehmen, die ökologische Anlageprodukte anbieten, haben in den letzten Monaten hohe Kundenzuwächse verzeichnet. Wer sind diese Neukunden und was unterscheidet sie von Anlegern, die mit „grünem Geld“ bereits Erfahrung haben?

Neukunden sind sowohl Privatleute als auch institutionelle Anleger wie Stiftungen, kirchliche Institutionen oder private Unternehmen. Manche haben sich schon länger mit dem Thema beschäftigt, für manche ist es komplettes Neuland.

Bei der Finanzkrise verloren viele von ihnen mit konventionellen Anlagen große Summen, und sie zeigte die dramatischen Konsequenzen unverantwortlichen Wirtschaftens. Dies war und ist Anlegern ein Anstoß, sich über die Art und die Verantwortung der eigenen Geld- und Kapitalanlagen Gedanken zu machen und in nachhaltige Anlageformen zu investieren. Dies umso mehr, als inzwischen erwiesen ist, dass die langjährige Rendite nachhaltiger Anlagen mit denen konventioneller vergleichbar und in Einzelfällen besser ist. Die Finanzkrise hat nachhaltige Anlagen zwar auch gebeutelt, aber nicht ganz so heftig. Das weckte Interesse. Ich spreche bewusst von nachhaltig, denn Alt- und Neukunden ist nicht nur an Umweltschutz, sondern auch an sozialen Standards gelegen und wirtschaftlich soll eine Anlage ja auch sein.

Glauben Sie, dass sich dieser Trend fortsetzen wird? Wenn ja, wie würde sich der Sektor für private Geldanlagen verändern?

Was sich abspielt ist keine Mode, sondern ein langfristiger Trend. Das zeigen erstens die Entwicklungen in angelsächsischen, skandinavischen und anderen europäischen Ländern. Dort beträgt der Anteil nachhaltiger Geldanlagen bereits bis zu zehn Prozent. Zweitens steigen die Bemühungen einer wachsenden Gruppe von institutionellen Investoren, zentrale nachhaltige Kriterien messbar zu machen und in die konventionelle Aktienanalyse und das Portfoliomanagement zu integrieren. Das betrifft Klima- und Umweltschutz im Kerngeschäft ebenso wie zufriedene, engagierte Mitarbeiter, ohne die langfristiger wirtschaftlicher Erfolg nicht möglich ist. Ein Schweizer Institut stellte dieses Jahr die gesamte Vermögensverwaltung um.

Sollten sich diese Entwicklungen fortsetzen, wird dies auch das Segment privater Geldanlagen verändern, sei es durch weitere neue Produkte, sei es durch die Umstellung bisheriger Produkte. Letzteres ist bereits spürbar bei Immobilienfonds: Einige Anbieter haben dieses Jahr begonnen, für den Kauf und den Bestand von Gebäuden Energie- und andere Kriterien einzuführen.

Wenn der Trend zum Grünen Geld anhält, würde dem Sektor erneuerbare Energien mehr Kapital zur Verfügung stehen. Für welche Unternehmen sehen Sie hier die größten Chancen?

Eins ist klar: Unabhängig von aktuellen Beschlüssen und eines eventuell langsameren Ausbaus der regenerativen Energien sind sie doch unabdingbar für die künftige Strom- als auch Wärmeversorgung. Wind- und Biomasseenergie sind laut Experten oft schon wettbewerbsfähig, und Solarstrom verträgt durchaus eine gewisse Kürzung der Einspeisevergütung. Überdies profitieren alle grünen Technologien rund um den Globus von Konjunkturprogrammen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet, dass sich der Weltmarkt bis 2020 auf knapp zwei Billionen Dollar gegenüber 2004 vervierfacht. Zwar litten Technikwerte in der Börsenflaute besonders, und Solar- und Windhersteller stehen nach starken Wachstumsjahren vor einer Konsolidierung. Aber von der Wirtschaftskrise seien sie weniger stark betroffen als andere Branchen, hieß es kürzlich auf einer Veranstaltung der Technischen Universität Berlin. Analysten halten erneuerbaren Energien für langfristig erfolgversprechend.

Es ist also davon auszugehen, dass diesem Bereich künftig auch mehr Kapital zur Verfügung steht. Allerdings sollten Anleger nicht blind in jedes Unternehmen investieren. Auch hier gilt: Es muss ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept haben. Der Absturz der einstigen Solar-Vorzeigefirma Conergy und die Pleite von Biogaspionier Schmack zeigen, dass nicht jede Anlage stets geeignet ist. „Grün sein“ alleine reicht nicht. Vielversprechende Unternehmen möchte ich nicht nenne – ich bin keine Anlageberaterin.

In den letzten Jahren ist eine Fülle von Finanzprodukten entstanden, die ethisch-soziale oder ökologische Werte verkörpert. Welche Produkte sind in Ihren Augen für unerfahrene Anleger und Anlegerinnen besonders interessant?

Statt einzelne Aktien oder geschlossene Fonds sind offene Aktien-, Renten- und Mischfonds empfehlenswert, deren Risiken breiter gestreut und somit geringer sind. Das in Investmentfonds angelegte Geld ist als Sondervermögen geschützt und bleibt selbst bei Insolvenz der Fondsgesellschaft im Eigentum der Anleger. Diese sollten etablierte nachhaltige Produkte wählen, die bereits länger bestehen, ein ordentliches, mindestens höheres zweistelliges Volumen haben und deren Wertentwicklung vergleichsweise gut ist. Dies sind oft Produkte von Anbietern, die in dem Segment lange Erfahrung haben. Ein weiterer Schritt wäre, seine eigenen Prioritäten festzustellen: Will man lieber sehr strenge Kriterien oder reicht der Ausschluss heikler Branchen? Auch dies kann helfen, das richtige Produkt zu finden.

Anleger sollten auf jeden Fall ihren Bankberater befragen. Falls der dazu nicht viel weiß, was leider bei konventionellen Banken noch häufig vorkommt, könnten sie sich zum Beispiel bei anderen Instituten, bei Öko-Banken oder auf spezialisierten Internet-Seiten wie www.nachhaltiges-investment.org informieren und Anlageoptionen sondieren, mit ihrem Berater besprechen und in ihr Depot aufnehmen. Frauen sollten sich dann nicht von forschen männlichen Beratern abwimmeln und zu risikoreicheren, nicht-nachhaltigen Anlagen drängen lassen.

Interview: Birte Pampel

Seit Juni 2009 geben das Handelsblatt und die Nachhaltigkeitsexpertin Susanne Bergius das Handelsblatt-Business Briefing zu Nachhaltigen Investments heraus, einen neuen Newsletter, der Anlegern eine seriöse, produktunabhängige Informationsquelle zum Bereich Nachhaltige Kapitalanlagen bietet. Ein kostenloses Probeabonnement kann unter www.handelsblatt-nachhaltigkeit.de bestellt werden. Das nächste Handelsblatt-Business Briefing wird am 18. Dezember 2009 veröffentlicht.

Das Interview mit Susanne Bergius ist der Auftakt einer Beitragsreihe über ökologische Geldanlagen, die das CleanEnergy Project 2010 veröffentlicht.

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