Wirtschaftlichkeit Photovoltaik in der Ära des EEGs 1

Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen

Der zügige Ausbau der Photovoltaik (PV) in Deutschland führt aktuell zu stetig fallenden EEG-Vergütungen. Die gleichzeitig fallenden Modulpreise können mit dieser Entwicklung jedoch nicht schritthalten, um weiterhin angemessene Renditen zu sichern. Eine Absenkung des EEG Tarifs um einen Cent pro Kilowattstunde kann durch Reduktion der Systemkosten um 100 Euro pro Kilowattpeak kompensiert werden. Dr. Dominik Dersch und Mohamed Agamia von der Matobis AG Investment Services beleuchten in der dreiteiligen Serie „Die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaik in der Spät- und Post-Ära des EEGs“ Perspektiven, wie PV-Anlagen auch zukünftig profitabel betrieben werden können und richtet sich an Betreiber und Investoren von Dachanlagen im Privat- und Industriekundenbereich.

Sie zeigen welche Renditen für das Auslaufmodell EEG in Deutschland noch erwartet werden können und untersuchen, wie durch das Instrument des Eigenverbrauchs die Photovoltaik auch zukünftig ein rentables Investment bleiben und unter welchen Bedingungen die Photovoltaik mittelfristig auch ohne Subventionen auskommen könnte. Die Serie liefert damit einen Beitrag zur aktuellen Diskussion der EEG-Förderung.

Grundlage ihrer Untersuchung ist die Modellierung und Simulation von 244 verschiedenen Solarpark-Varianten anhand eines detaillierten Cashflow Modells. Die wichtigsten Einflussfaktoren im Modell sind System- und Betriebskosten, Fremdkapitalkonditionen, Renditeerwartungen, Tarife und Vergütungsalternativen.

Auslaufmodell EEG

Tarifentwicklung. Die EEG Tarife für die Photovoltaik nehmen aktuell nach dem Degressionsmodell um 2,5 Prozent pro Monat ab. Für die Inbetriebnahme ab 1. Januar 2013 sind die Tarife für verschiedene Anlagetypen in Tabelle 1 dargestellt.

Tabelle 1

Damit eine PV-Anlage für einen Investor eine adäquate Rendite liefert, müssten die Systempreise mit der Abnahme der EGG Tarife schritthalten. Im folgenden Abschnitt haben wir einen typischen PV-Park modelliert, der die Abhängigkeit der zur erwartenden Rendite von Systempreis und Tarif untersucht.

Simulation einer typischen Photovoltaikanlage. Mit Hilfe unserer Software Suite MatobisPro simulieren wir Photovoltaikanlagen über die gesamte Betriebsphase. Die wichtigsten Eckdaten der Anlagen sind in Tabelle 2 zusammengefasst.

Tabelle2

Der Systempreis wird zwischen 500 und 2.000 Euro in Schritten von 100 Euro pro Kilowattpeak und der Tarif zwischen fünf und 18 Cent in Schritten von einem Cent pro Kilowattpeak variiert. Insgesamt werden damit für die Studie 224 verschiedene Anlagen (16 Systempreise mal 14 Tarifvarianten) über die Betriebsphase modelliert und alle relevanten Risiko und Ertragszahlen berechnet.

Zusammenhang zwischen dem PV-Systempreis und der Vergütung: „Ein Cent pro 100 Euro“. Für unsere Modellparks variieren wir die Einspeisevergütung, Systempreis und ermitteln jeweils Projekt- und Eigenkapitalrendite. Für jedes Projekt fordern wir dabei einen für Fremdkapital üblichen Risikopuffer, der sich aus dem Quotient von verfügbarem Cashflow zu Schuldendienst (Zins und Tilgung) berechnet.

Dieser sogenannten DSCR-Wert (engl. Debt Service Cover Ratio) ist typischerweise 1,3. Für eine feste erwartete Eigenkapitalrendite ermitteln wir den Zusammenhang zwischen den Systemkosten und dem Einspeisetarif, der diese Rendite liefert. In Abbildung 1 sind die Ergebnisse zusammengefasst. Sie sind für Investoren wie Projektentwickler in gleichem Maße von Interesse. Hier einige Beispiele die sich daraus ablesen lassen.

Abb1

1. Eine große Dachanlage (bis zehn Megawattpeak) die für einen Systempreis von 1.200 Euro pro Kilowattpeak errichtet wird und im Januar 2013 in Betrieb geht (Tarif 0,1178 Euro pro Kilowattstunde) würde eine Eigenkapitalrendite von nur zirka drei Prozent erzielen. Der Einsatz von (70 Prozent) Fremdkapital zu einem Zinssatz von 3,3 Prozent wäre in diesem Beispiel nicht sinnvoll.

2. Eine Dachanlage bis ein Megawatt (Inbetriebnahme Januar 2013, Tarif 0,144 Euro pro Kilowattstunde) kann bei einem Systempreis von 1.200 Euro pro Kilowattpeak eine Eigenkapitalrendite von zirka neun Prozent erwirtschaften.

3. Eine Dachanlage bis zehn Megawatt kann ab 2013 nur dann eine Eigenkapitalrendite von sieben Prozent erzielen, wenn der Systempreis auf zirka 1.000 Euro pro Kilowattpeak fallen würde.

Aus Abbildung 1 lässt sich für eine feste Rendite die Sensitivität zwischen Tarifänderung und Systempreisänderung ableiten. Bei neun Prozent Rendite und 1.200 Euro pro Kilowattpeak gilt: Eine Tarifabsenkung um einen Cent pro Kilowattpeak kann durch eine Reduktion des Systempreises um 100 Euro pro Kilowattpeak kompensiert werden.

Dr. Dominik Dersch und Mohamed Agamia

Weiter in dieser Reihe:
Der Einfluss von Eigenverbrauch auf die Rendite

Jenseits des EEGs

1 Kommentar

  • Die Berechnungen sind korrekt, jedoch werden wesentlicher Aspekte der neuen Renditeberechnungen nicht erwähnt.
    Durch die neuen Stromspeicher, die auch noch staatlich gefördert werden, besteht ein erhöhter Eigenstromverbrauch. Juwi schätzt eine Autarkiequote von bis zu 87% ein.
    Somit werden die steigenden Fremdstrombezüge erheblich gesenkt. Die bisher als unüberwindbare Grenze von 30% Eigenstromanteil gehört längst der Vergangenheit an.
    Rechnet man die Fremdstromeinsparungen ein, ergeben sich hohe Renditen, die bei fallenden Modulpreisen bei steigender Leistungssteigerung erhöht wird.
    Mit dem gleichzeitgien und schadstofffreien Betrieb von Wärmewellenheizungen erhöht sich die Einsparquote von Strom und Wärme (ZUSAMMEN!) bis zu 85%. (siehe Fachbuch: Optimal Energie sparen beim Bauen, Sanieren und Wohnen).
    Durch die Kombination von Strom und Wärme, mit konsequenter Einbeziehung von erneuerbaren Energien, hat sich bereits ein vom EEG-Gesetz unabhängiger Markt entwickelt. Energieberater und Photovoltaikunternehmen berechnen schon lange keine Einspeisevergütung mehr. Auch die Renditeberechnung im Artikel ist überholt. Denn Renditen durch Eigenstromerhöhung von weit über der 4,5%-Marke sind eher die Regel als die Ausnahme.
    Mit dem Start der Energiewende beim Heizen beginnt auch eine völlig neue Energiebedarfsrechnung und eine neue Zeitrechnung.