Die neue Armut in Deutschland

In der Vergangenheit war Energiearmut ein eher seltenes Phänomen. Dass Energieversorger aufgrund nicht bezahlter Rechnungen den Saft abdrehen, betrifft heute deutlich mehr Haushalte. Zwischen zehn und 15 Prozent der Bevölkerung in Deutschland kämpfen mit der Finanzierung ihrer Energiekosten. Auch der verantwortungsvolle Umgang mit dem kostbaren Gut, sowie die Wahl günstiger, möglichst umweltfreundlicher Tarife ändert an dieser Tatsache kaum etwas. Energie ist längst zum Luxusgut geworden.

Seit dem Jahr 2000 folgt der Strompreis einem unaufhörlichen Aufwärtstrend. Lag der Durchschnittspreis für eine Kilowattstunde im Jahr 2000 noch bei durchschnittliche 13,94 Cent, so mussten Privathaushalte 2010 schon 23,7 Cent zahlen. Heute sind es bis zu 26 Cent, die für die Kilowattstunde Strom bezahlt werden müssen. Dabei setzen sich die Verbraucherpreise aus vielen verschiedenen Komponenten zusammen, ein Großteil davon fließt jedoch in die Tasche der Regierung.

Im Jahr 2010 gingen alleine 40 Prozent des Strompreises in Form von Strom- und Umsatzsteuer, Konzessionsabgaben, sowie Umlagen nach dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) an Vater Staat. Für einen vier-Personen-Haushalt mit einem durchschnittlichen Jahresstromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden bedeutet das einen Aufwand von rund 1.000 Euro pro Jahr, von dem 400 Euro an den Staat gehen.

Für den Anstieg der Stromkosten wird dabei häufig die Förderungen für erneuerbare Energien verantwortlich gemacht, dabei hatte die EEG-Umlage 2010 nur einen Anteil von 8,8 Prozent am Strompreis. Pro Kilowattstunde entfielen somit 2,05 Cent auf die EEG-Umlage, in diesem Jahr sind es 2,6 Cent je Kilowattstunde und damit rund ein Sechstel der Stromrechnung eines Privathaushalts.

Vielmehr sind es jedoch die entlastenden Regelungen für Unternehmen mit hohen Stromverbräuchen, die Befreiungsregelungen bei der Ökostromförderung und die erhöhten Netznutzungskosten, die von anderer Seite wieder gedeckt werden müssen und somit direkt auf das Konto der Privathaushalte gehen. Einnahmeausfälle für Vater Staat, die ganz bewusst mit einer neuen Armut kompensiert werden – der Energiearmut von Privathaushalten und Mittelstand.

Judith Schomaker

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