Bürger investieren zunehmend in Energiegenossenschaften

Die nicht immer optimistischen Medienberichte über das Voranschreiten der Energiewende scheinen Deutschlands Bürger zu motivieren, selbst aktiv zu werden. So investieren nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) immer mehr Menschen in Energiegenossenschaften und bringen dadurch die Marktmacht der großen Energieversorger gewaltig ins Wanken.

Im vergangenen Jahr hat sich die Anzahl der Energiegenossenschaften auf mittlerweile fast 600 verdoppelt und bereits mehr als die Hälfte der installierten nachhaltigen Energieleistung gehört Privatpersonen oder Landwirten.

Ein Grund für die wachsende Beliebtheit von Energiegenossenschaften, dürfte auch die Möglichkeit sein, schon mit geringen finanziellen Mitteln zu investieren. So sind manche Beteiligungen laut BMU schon ab 50 Euro möglich und dadurch auch Geringverdienern zugänglich. Durch ihre Investitionen, die im Schnitt bei etwa 5.000 Euro liegen, werden die Bürgerinnen und Bürger selbst zu Strom- und Wärmeproduzenten und können mit ihrer Stimme den Kurs der Energiegenossenschaft direkt mitbestimmen.

Auch finanziell kann sich eine Beteiligung durchaus lohnen, wie eine im vergangenen Herbst der Agentur für Erneuerbare Energien veröffentlichte Broschüre, die einige deutsche Energiegenossenschaften vorstellt, berichtet. Demnach lag die Rendite für Anteilseigner zwischen vier und fünf Prozent. Außerdem gibt es kein Kursrisiko wie bei Aktien und jedes Mitglied der Genossenschaft hat Anspruch auf die Auszahlung seiner Einlage ohne dafür auf die Suche nach Käufern gehen zu müssen.

Ein Vorzeigebeispiel für Energieversorgung in Bürgerhand ist die brandenburgische Gemeinde Schlalach im Fläming. Die Bürger der Gemeinde nahmen die Errichtung eines Windparks selbst in die Hand und einigten sich auf ein Flächenpachtmodell zur gerechten Aufteilung der Einnahmen. Durch die insgesamt 16 Windräder mit einer Leistung von jeweils 2,3 Megawatt produziert Schlalach nach Angaben der Agentur für Erneuerbare Energien mittlerweile rund 60-mal mehr Strom als benötigt und ist damit zum erfolgreichen Stromexporteur geworden.

Laut Berechnungen des Berliner Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung können sogar 1.000-Seelen-Dörfer mit derartigen Investitionen mehrere Tausend Euro pro Jahr verdienen und außerdem zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Die Energiegenossenschaften werden demnach sogar umso profitabler, je umfassender die Städte und Gemeinden die Wertschöpfungsschritte vom Bau bis zum Betrieb der Anlagen selbst übernehmen.

Matthias Schaffer

Add comment