Energieeffizienz im Gebäudebau schafft Umweltbelastung

Ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs findet in Gebäuden statt, davon drei Viertel allein für die Heizung. Bei neuen Gebäuden wird mittlerweile Niedrigenergiestandard gefordert. Aber auch die Altbauten sollen weniger Energie verbrauchen. Die Lösung ist eine verbesserte Dämmung.

Die Bausstoffindustrie bietet viele Produkte für das energetische Gebäudetuning an, doch wird ihr ganzes Gefährdungspotenzial erst mit der Zeit bekannt. Oft kommt es bei ihrer Herstellung zum Einsatz von Chemikalien, die die Gesundheit der Bewohner und die gesamte Umwelt beeinträchtigt.

Auch Fassadenbaustoffe bergen Gesundheitsrisiken

Seit den 1980er Jahren ist öffentlich bekannt, dass die Verwendung vieler Chemikalien in Baustoffen zu schweren Gesundheitsschäden führen kann. Jetzt geraten auch die neuen Fassadenbaustoffe in den Fokus. Um den Energieverbrauch für die Heizung in älteren Gebäuden zu senken, wird häufig auf sogenannte Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) zurückgegriffen. Sie sind vergleichsweise günstig und bieten eine anerkannte und einfache Lösung, Energieverluste durch die energieeffiziente Aufwertung der Gebäudehülle zu senken.

Nach Schätzung des Fraunhofer-Informationszentrums Raum und Bau (IRB) wurden seit der Einführung der WDVS im deutschsprachigen Raum geschätzte 600 Millionen Quadratmeter davon auf Fassaden geklebt. Sie bestehen meistens aus einer Polystyroldämmschicht, Kunststoffarmierungsgeweben, kunststoffmodifizierten Zementklebern und Fassadenfarben, die mit sogenannten „Algiziden“ und „Fungiziden“ angereichert werden. Der Grund für diesen Pestizideinsatz: Die Fassaden sollen auch langfristig neuwertig aussehen.

Dämmende Wirkung, aber nicht nachhaltig

Fatalerweise bieten gerade WDVS auf der Wetterseite der Fassaden gute Wachstumsbedingungen für Algen und Pilze. Ursache dafür ist, dass sich die Tag- und Nachttemperaturen wegen der wirksamen Dämmschicht nur noch in den obersten Millimetern der Fassade unterscheiden.

Die Innenwand gibt dadurch kaum noch Wärme an die Fassadenoberfläche ab. Daher kühlt die äußere Oberfläche nachts rasch ab und Feuchtigkeit kondensiert, so dass Algen und Pilze gut gedeihen können. Daher sind WDVS zwar hervorragend dazu geeignet, Gebäude energieeffizienter zu gestalten. Leider sind die gesundheits- und umwelttechnischen Folgen ihrer Herstellung nicht wirklich nachhaltig zu nennen.

Daniel Seemann

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