EMAS – Greenwashing oder sinnvolles Label?

Verantwortungsbewusst, glaubwürdig, innovativ, transparent! Diese Kriterien haben sich die Verantwortlichen beim Eco-Management and Audit Scheme – kurz EMAS – für Ihre Mitglieder auf die Fahnen geschrieben. EMAS, 1993 von den europäischen Gemeinschaften (EG und Euratom) entwickelt, ist ein EU-weit gesetzlich geregeltes Umweltmanagementsystem, an dem sich jede Firma oder Organisation freiwillig beteiligen kann. Laut EMAS Info vom April 2009 soll das System „der kontinuierlichen Verbesserung der Umweltleistung u.a. durch die langfristige Integration des Umweltschutzes in die Unternehmensphilosophie und in die alltägliche Arbeit“ dienen.

Wer mitmachen will, muss sich bewerben und dann einen langwierigen Prozess durchlaufen, ehe er sich die Eintragung ins EMAS Register verdient hat und sich fortan mit dem EMAS-Logo schmücken darf. Dieser Prozess beinhaltet die Feststellung des Ist-Zustands (Umweltprüfung) der Firma in Bezug auf die Umweltfreundlichkeit ihrer Arbeitsweise: Wie viel Emissionen verursacht jeder Mitarbeiter durch Heizung, Wasserverbrauch, Müll und so weiter im Betrieb? Dann werden Ziele und Maßnahmen zur Verbesserung dieses Zustands erarbeitet (Umweltprogramm) und Verantwortliche innerhalb der Firma bestimmt. Diese Maßnahmen werden dann in einer Umwelterklärung dokumentiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Überprüft werden der Prozess und seine Ergebnisse von einem staatlich bestellten Umweltgutachter. Das Ganze muss alle drei Jahre wiederholt werden.

Die Mitglieder bei EMAS decken eine erstaunliche Bandbreite ab: neben Agrargenossenschaften, Hotels, Einzelhändlern, Sparkassen und Kirchengemeinden finden sich auch Betriebe, die nicht oft mit Umweltschutz in Verbindung gebracht werden, wie Chemiefabriken, der Luftfahrtkonzern EADS und der Energiekonzern Eon. Die Tatsache, dass auch das Kernkraftwerk Isar das Logo tragen darf, hat heftige Kritik an EMAS insgesamt ausgelöst. So bezichtigte der Kreisverband des BUND Südlicher Oberrhein (die Bundesgeschäftsstelle des BUND trägt übrigens selbst das EMAS Logo) EMAS des Greenwashings.

EMAS ist für jeden offen, der bereit ist, seinen Betrieb umweltfreundlicher zu gestalten, und dabei bestimmte Kriterien erfüllt; egal, ob Kernkraftwerk oder Umweltschutzorganisation. Ob diese Offenheit nun bewirkt, dass sich auch dem Umweltschutz eher ferne Betriebe mit dem Thema befassen und so tatsächlich der Umwelt gedient ist, oder ob sie Umweltsünder dazu einlädt ihr Image aufzubessern muss vielleicht erst noch die Zukunft zeigen. Tatsache ist jedoch, dass dieses Logo nicht umsonst vergeben wird: auch das Eon Kernkraftwerk muss reale Anstrengungen für den Umweltschutz unternommen haben, um es zu bekommen. Eine weitere Tatsache ist, dass sie damit nicht hausieren gehen: auf Ihrer Website ist kein offensichtlicher Hinweis auf Ihre Mitgliedschaft zu finden.

Judith Mantei 

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