Traurige Wahrheit: CO2-Emissionen auf neuem Rekord

Erderwärmung

Zwei Grad – so heißt es in der internationalen Klimapolitik – so viel wären drin an Erderwärmung, ohne dass der Mensch um seine Lebensgrundlage bangen müsste. Mehr jedoch könnte fatale Folgen haben. Die Formel bei alledem lautet CO2: steigen die Emissionen, steigen auch die Temperaturen. Und genau das tun sie in bisher ungekanntem Maße. Eine unliebsame und vor allem traurige Wahrheit.

In wenigen Wochen beginnt in Katars Hauptstadt Doha die UN-Klimakonferenz. Die neuen Erkenntnisse im Vorfeld sind alles andere als erfreulich. Der globale CO2-Ausstoß hat im vergangenen Jahr ein neues Rekordniveau erreicht. Das berichtet das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR). 34 Milliarden Tonnen schädliches Kohlendioxid wurden 2011 in die Luft gepumpt – so viel wie nie zuvor seit Beginn der Industrialisierung. Der bisherige Rekord von 2010 wurde nochmals um 800 Millionen Tonnen CO2 übertroffen. Nach dem Rückgang der Emissionen im Jahr 2009 in Folge der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise ist der jährliche CO2-Ausstoß wieder auf den Wachstumspfad der letzten Jahre zurückgekehrt.

Die größten CO2-Schleudern sind wie im Vorjahr China mit 8,9 Milliarden Tonnen und die USA mit 6 Milliarden Tonnen CO2, mit einigem Abstand gefolgt von Indien mit 1,8 Milliarden Tonnen. Deutschland ergattert einen beschämenden sechsten Platz in der Weltrangliste mit 450 Millionen Tonnen CO2. Mit seinenzcirka 1,3 Milliarden Einwohnern ist China inzwischen für ein Viertel der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Der CO2-Ausstoß der Chinesen hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre mehr als verdoppelt. Was ist da nur los? Kohlekraftwerke in Indien und China machen sämtliche Klimaschutzbemühungen zunichte. In China wie auch in den USA hält man Klimaschutz für eine Wirtschaftsbremse. In den Klimaschutzverhandlungen präsentiert sich das Land der Mitte als Entwicklungsland und damit als ausgenommen von verbindlichen Verschmutzungsbegrenzungen.

Gleichwohl geht die Mehrheit der Emissionen noch immer auf das Konto der Industrienationen, insbesondere da ein großer Teil der Emissionen in Entwicklungsländern an den Verbrauch in den Industrieländern gekoppelt ist. So haben die erdölexportierenden Länder (OPEC) zwar die höchsten Pro-Kopf-Emissionen, mit Herkunft aus der Rohölförderung. Konsumiert jedoch wird das Öl weit entfernt im Norden. Hier liegt auch nach wie vor die Hauptverantwortung. Der Klimaforscher und Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung Hans-Joachim Schellnhuber kritisierte jüngst die unzureichenden Klimaschutzbemühungen der Politik. Die EU könne eine Reduktion der Treibhausgasemissionen von 30 Prozent bis 2020 durchaus erreichen. Indes ließ die EU zur kleinen Uno-Klimakonferenz in Bangkok Anfang September verlautbaren, ihr Reduktionsziel bei 20 Prozent zu belassen. Damit bewegt sich die EU auf dünnem Eis.

Anfang der Woche hat die Weltbank ihren Klimabericht vorgelegt und warnt darin noch einmal eindringlich vor den Folgen der Erderwärmung. Den Zahlen nach steuern wir derzeit eher auf vier Grad denn auf zwei Grad Erderwärmung zu, wenn die Treibhausgasemissionen weiter steigen. Zugleich speichern Pflanzen und Böden immer weniger CO2 und die Meere versauern schneller als erwartet. Es ist Zeit zu handeln, ehe es zu spät ist. Um den weiteren Anstieg der globalen Emissionen zu bremsen, schlägt das IWR die Umsetzung des CERINA-Plans vor. Dieser sieht vor, die CO2-Emissionen in den einzelnen Staaten an Investitionen in klimafreundliche Anlagentechniken, wie beispielsweise regenerative Energien, zu koppeln. Mit steigenden Emissionen stiegen dann auch die Investitionen.

Josephin Lehnert

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