Eine dezentrale Energieversorgung ist möglich

Die Dezentralisierung der Energieversorgung ist möglich – und durchaus finanzierbar. 2.500 Euro werden pro Kopf und Jahr inklusive aller Dienstleistung rund um die Energieversorgung in Deutschland umgesetzt. Das ist ein großes Potenzial und eine ungeheure Chance für die regionale Entwicklung erneuerbarer Energieversorgung.

Insbesondere die Photovoltaikindustrie ist in Deutschland in den letzten Jahren ganz besonders prächtig gediehen. Die von den deutschen Übertragungsnetzbetreibern in Auftrag gegebene Prognose für die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen, kurz EEG-Strom, geht davon aus, dass am Ende dieses Jahres in Deutschland rund zehn Gigawatt neuer Photovoltaikanlagen installiert worden sind und 2011 mindestens ebenso viele installiert werden.

Dreißig Gigawatt Solarenergie bis Ende 2011

Damit könnten Ende 2011 bereits knapp 30 Gigawatt Photovoltaikleistung in Deutschland installiert sein, was eine Stromerzeugung von rund 21 Milliarden Kilowattstunden entspricht. Das wären rund vier Prozent des deutschen Nettostromverbrauchs. Zusammen kämen die Erneuerbaren im nächsten Jahr insgesamt schon auf einen Anteil von etwas über 20 Prozent.

Der dezentrale Ausbau der Erneuerbaren geht also mit großen Schritten voran die Vision einer hundertprozentigen Energieversorgung auf der Grundlage dezentralisierter, erneuerbarer Energieträger scheint nicht mehr in allzu utopischer Ferne zu liegen, sondern im Bereich des Möglichen. Dies gilt insbesondere dann, wenn das hohe wirtschaftliche Wachstumstempo in diesem Bereich beibehalten werden kann: Zurzeit nimmt der Anteil der Erneuerbaren am Strommix jährlich um etwas mehr als zwei Prozentpunkte zu.

Öffnung von Energiegroßprojekten für den Mittelstand

Eine große Rolle bei der Entwicklung der dezentralisierten Stromversorgung mit erneuerbaren Energieträgern werden mit Sicherheit auch Großprojekte wie Desertec spielen, die wie in diesem Falle bei einer Realisierung große Teile Deutschlands mit Solarenergie aus der Sahara-Wüste versorgen werden. Entscheidend ist dabei, inwieweit sich die bisherigen 18 Gesellschafter der Desertec-Industrieinitiative (dii) für die Mitgliedschaft auch kleiner und mittelständischer Unternehmen offen zeigen werden.

Unterstützung hat das Konsortium jüngst von einer Reihe assoziierter Partner bekommen. Darunter sind zum Beispiel die Max-Planck- und die Fraunhofer-Gesellschaft, die Bosch Rexroth AG, Audi, BASF, der TÜV Süd und die britische Bank HSBC. Auch einige spanische Unternehmen sind vertreten. Insgesamt scheint das Projekt aber noch immer von Großunternehmen dominiert zu sein. Im Sinne einer Dezentralisierung der Stromversorgung in Deutschland wäre dies mit Sicherheit ein Schritt in die falsche Richtung.

Daniel Seemann

1 Kommentar

  • Dezentralisierung heißt, dass an vielen Orten Strom erzeugt wird und er auch möglichst vor Ort genutzt wird. Desertec wderspricht diesem Prinzip. Ob es jetzt von Großkonzernen oder dem Mittelstand getragen wird, ist egal – in keinem Fall ist es ein dezentrales Projekt.