Die Wirtschaft im Klimawandel

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Klimawandel geht jeden an! Nicht mal mehr einen Monat vor der Klimakonferenz in Paris wird dies umso deutlicher. Die Meldungen von Klima-Skandalen und Klima-Prognosen für die nächsten Jahre sowie Forderungen an Politik und Wirtschaft überhäufen sich geradezu. Die Wahrnehmung ist deutlich sensibilisiert. Im Kontext der aktuellen politischen Entwicklungen und der Flüchtlingskrise, die sich direkt vor unserer Nase abspielt, erscheint uns die Problematik des Klimawandels jedoch umso ferner. Trotzdem bleibt das Thema Klima präsent. Je weniger Zeit bis zur Konferenz bleibt, umso höher wird der Druck auf die Regierungschefs. Doch wie sieht es in der Wirtschaft aus? Und welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf sie?

Zu diesem Thema gibt es verschiedene Studien und Theorien. Medial darf der Ottonormalverbraucher beobachten, wie Unternehmen aus den verschiedensten Bereichen sich zwischen CSR und Greenwashing bewegen. Sie versuchen sich ein „grünes Image“ zu verpassen – manchmal verdient, jedoch oft auch ohne Grundlage. So werden Vorgaben und Richtlinien, die dem Klimaschutz dienen sollen, umgangen oder gar ignoriert. Aufgrund fehlender internationaler Standards können Unternehmen nötigenfalls in Länder „outsourcen“, die weniger strenge Vorgaben haben. Auf der anderen Seite wiederum hat das Engagement in der Wirtschaft zugenommen. Ohne den Einsatz verschiedener Unternehmen wären schnelle Entwicklungen und Forschungsfortschritte zum Klimaschutz und im Bereich der erneuerbaren Energien kaum denkbar gewesen. Dabei engagiert sich der Mittelstand genauso wie die Großkonzerne.

Es ist eine Zeit, in der die Unterschiede zwischen Arm und Reich immer größer werden, in der die Menschen versuchen, zum Wohl ihrer Familien und ihrer selbst, sich immer weiter hoch zu arbeiten, und in der die Wirtschaft wachsen muss. Das Tempo von Ressourcenabbau und Produktion ist rasant. Auf dem ersten Blick erscheint diese Entwicklung fast im Gegensatz zu den Grundsätzen des Klimaschutzes zu stehen. Der Ruf nach „Wachstum“ gefährdet in den Augen einiger Forscher die Erfolge, die bereits erzielt wurden. Dem Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber zufolge ist es sogar „die oberste Wohlstandsmilliarde der Menschen, die den Klimawandel verursacht“. An dieser Stelle sollte die Frage nach einem „nachhaltigen Wachstum“ gestellt werden. Ist so etwas möglich?

In Hinblick auf eine Studie von WRAP könnte diese Frage mit „Ja“ beantwortet werden. Sie stellt drei verschiedene Szenarien vor, die Ausblicke auf mögliche Entwicklungen in der Kreislaufwirtschaft geben, in der das Recycling eine entscheidende Rolle spielt. Durch die bereits angesprochenen Fortschritte in der Forschung könnten durch die Weiterentwicklung von Wiederaufbereitungsmethoden bis zu 3 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.

Dem entgegen steht die Industrie der konventionellen Energien, die vor großen Arbeitsplatzverlusten warnt. Laut der Studie „Die Beschäftigungseffekte der Energiewende“ hat die Branche zwischen 1991 und 2013 mehr als 300.000 Arbeitsplätze verloren. Im Jahr 2013 standen dem rund 371.000 Jobs aus dem Bereich der erneuerbaren Energien gegenüber. Angesichts der aktuellen Entwicklungen sind in den letzten zwei Jahren mit Sicherheit ein paar weitere tausend Arbeitsstellen hinzugekommen –Tendenz steigend. Die Studie bescheinigt der Energiewende für den Bereich „Arbeitsplätze“ einen positiven ökonomischen Effekt: mit dem Ausbau erneuerbarer Energien werden auch die Jobs in diesem Bereich zunehmen.

In der heutigen Wirtschaft spielen die sozialen und Online-Medien eine wichtige Rolle. Der Informationsfluss erfolgt schnell und massiv, ohne Einschränkung oder Kontrolle durch die Unternehmen. Der Konsument hat die Möglichkeit, sich unabhängig zu informieren und zu entscheiden. In einer Gesellschaft, in der Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu Standardwerten geworden sind, verpflichtet dies Unternehmen dazu, sensibel gegenüber diesen Themen zu sein und Teile der Unternehmensabläufe transparent zu gestalten. Denn selbst der kleinste Fehler kann unter Umständen regelrechte Lawinen auslösen. Hier ist, mit mehr als nur einem „kleine Fehler“, der VW-Abgasskandal ein gutes Beispiel .

Während die bisherigen Betrachtungen vorrangig ökonomische waren, hat eine Veränderung des Klimas jedoch auch physische Auswirkungen. So haben Wissenschaftler aus Standford in einer Studie festgestellt, dass ein Wirkungszusammenhang zwischen Temperaturen und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit besteht. So nimmt bei steigender Temperatur die Leistung ab. Gleichzeitig soll die Wirtschaftsleistung bei 13 Grad Celsius ihr Optimum erreicht. Dies würde den Wissenschaftlern zu Folge erklären, warum in den gemäßigten Zonen die Industrie ausgeprägter und weiter entwickelt ist, während in südlicheren, wärmeren Ländern die Produktion deutlich niedriger ist. Fraglich ist jedoch, ob die Wissenschaftler bei ihren Betrachtungen die klimatischen Extreme mit einbezogen haben, die der Klimawandel mit sich bringt. Es ist unwahrscheinlich, dass die Wirtschaft davon unbeeinflusst bleibt. Gleichzeitig stellt die Studie fest, dass die durch den Klimawandel entstehenden Energiekosten immer höher werden . Gäbe es keine erneuerbaren Energien, würde diese Entwicklung die konventionellen Energieressourcen immer stärker belasten. Dies zeigt, wie wichtig eine globale Energiewende für die Zukunft ist.

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Dies ist nur ein kleiner Teil der verschiedenen Prognosen, Szenarien, Erkenntnisse und Vermutungen, die in den letzten Monaten um Klimawandel angestellt wurden. So unterschiedlich die Ansätze, die vertretenen Meinungen und die Ergebnisse auch sein mögen, sie alle zeichnen ein Bild der Veränderung. Nicht nur Jobbeschreibungen und Arbeitsfelder verändern sich. Auch geographisch könnte sich das Klima auf die Wirtschaft auswirken, sodass sich Wirtschaftszweige, die zuvor einen festen Platz auf der Landkarte hatten, sich den klimatischen Bedingungen beugen und andere Standorte suchen müssen. Der Konsens bleibt: Klimawandel geht jeden an!

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