Bauen ohne Reue mit umweltfreundlichem Zement

Celitement-Pilotanlage

Zement, das ist der Stoff aus dem die Häuser sind. Das unscheinbare graue Pulver hat es in sich, nicht nur weil es in Berührung mit Wasser zu einer widerstandsfähigen Masse erstarrt und sich für die unterschiedlichsten Aufgaben im Baubereich eignet. Zement ist leider auch ein großer Klimakiller. Drei Milliarden Tonnen des hydraulischen Bindemittels stellen die Zementwerke jährlich her. Und ebenso viele Tonnen Kohlendioxid gelangen dabei in die Atmosphäre. Das sind fünf bis sieben Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen oder gut drei- bis viermal so viel wie der gesamte Flugverkehr emittiert.

Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) wollten Abhilfe schaffen und haben ein neues, umweltschonendes Zementherstellungs-Verfahren entwickelt. Celitement heißt das neuartige Verfahren und verspricht eine Halbierung der Kohlendioxidemissionen im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren. Bei der Herstellung des Celitements sind lediglich Prozesstemperaturen um etwa 200 Grad Celsius statt bis zu 1.450 Grad Celsius für konventionellen Portlandzementklinker nötig. Zudem ist der Herstellungsprozess ressourcenschonend, da im Vergleich zu gängigem Zement nur ein Drittel der üblichen Kalksteinmenge eingesetzt werden muss und auf den Zumahlstoff Gips völlig verzichtet werden kann. Dabei ist der Celitement nicht nur ebenso fest wie herkömmlicher Zement, sondern sogar noch beständiger, weniger porös und weniger säureanfällig.

Die Verfahrenstechnik ist eine altbekannte, auch die Ausgangsstoffe sind die gleichen wie bei herkömmlichem Zement. Nur werden die Vorgänge geringfügig, aber mit verheißungsvollem Ergebnis, abgewandelt. Der kleine Unterschied: Anders als üblich wird hier kein Wasser entzogen, sondern hinzugefügt. Darauf ist bislang noch niemand gekommen, obgleich Zement seit über 2.000 Jahren hergestellt wird.

Die vom KIT, den vier Erfindern des Verfahrens und der Schwenk Zement KG gegründete Celitment GmbH betreibt bereits seit Anfang Oktober letzten Jahres eine Pilotanlage auf dem Campus Nord des KIT. Dort werden täglich 100 Kilogramm des umweltfreundlichen Zements produziert. Anfang 2012 erhielt die Celitement GmbH den Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt (IKU), mit dem das Bundesumweltministerium und der Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. herausragende Innovationen für den Klima- und Umweltschutz auszeichnen.

Josephin Lehnert

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