Deutsche Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit ganz weit vorne

Erfreuliche Nachrichten: Immer mehr deutsche Firmen springen auf den Zug der Nachhaltigkeit auf. Ausgezeichnet werden sie für ihr Engagement unter anderem von der Investmentfirma RobecoSAM. Doch ihr Vergabeverfahren ist nicht ganz unkritisch zu betrachten.

Zunächst einmal zu den positiven Seiten der jährlich stattfindenden Preisverleihung: Deutsche Unternehmen belegen laut RobecoSAM in Sachen Nachhaltigkeit weltweit Spitzenplätze. In der nun im Januar herausgegebenen 11. Ausgabe des Sustainability Yearbook analysiert und bewertet der Vermögensverwalter mit Fokus auf Sustainability Investing die Nachhaltigkeitsleistung von mehr als 2.000 Unternehmen in 59 verschiedenen Sektoren.

Diese verschiedenen Sektoren sind dabei mit dem Global Industry Classification System (GICS) abgeglichen worden, dem am meist verbreitesten Standard in der Finanzindustrie. Schließlich werden die teilnehmenden Firmen in Gold-, Silber oder Bronze-Unternehmen eingeteilt. Die besten Firmen erhalten den ‚RobecoSAM Industry Leader Award‘.

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Ganze sieben Firmen, die eine Goldmedaille erhalten haben, kommen aus Deutschland: Adidas (Bekleidung, Accessoires & Schuhe), Henkel (Haushaltsgebrauchsgüter), SAP (Software), Siemens (Industrie), TUI (Reisen & Tourismus), Volkswagen (Automobile) und die Allianz (Versicherungen). Jedes dieser Unternehmen ist ‚Sector Leader‘ in seiner jeweiligen Branche, die höchste Auszeichnung, die eine Firma erreichen kann.

Dieses Jahr hat erstmals seit den Anfängen im Jahr 1999 eine Rekordzahl von Firmen an der Bewertung teilgenommen: Von den 3.000 zur Teilnahme aufgeforderten Firmen waren es 818 aus 39 verschiedenen Ländern. Die Teilnahme von Unternehmen aus Emerging Markets ist um 31 Prozent gestiegen. Und das obwohl RobecoSAM dieses Jahr erneut die Auszeichnung anspruchsvoller gestaltet hat: Unternehmen müssen ab sofort nicht nur zu den besten 15 Prozent ihrer Branche zählen, sondern zudem eine Punktzahl innerhalb 30 Prozent ihres Branchenbesten (Industry Leader) erreichen. Dadurch wird der Eintrag im Yearbook eine noch exklusivere Anerkennung der unternehmerischen Nachhaltigkeit.

Sind die strengeren Regeln eine Reaktion auf die Kritik, RobecoSAM würde mit der Preisverleihung die Unternehmen auszeichnen, die es in den eigenen angeblich nachhaltigen Finanzprodukten anbietet? Letztes Jahr zumindest wurde die Auszeichnung der Adidas AG von der Christlichen Initiative Romero (CIR) sowie der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) scharf kritisiert.

Denn Adidas weigerte sich nach den Katastrophen in Kleiderfirmen in Bangladesh zunächst, ein Gebäude- und Brandschutzabkommen zu unterzeichnen, auch die Zahlung von Mindestlöhnen wurde zum Zeitpunkt der Auszeichnung im Jahr 2013 vermieden. Der Vorwurf an RobecoSAM: Dass Fondsanbieter und Preisverleiher identisch seien, müsse stutzig machen. Das Investmentunternehmen nutze die Preisverleihung für die Aufwertung seiner Anlageprodukte.

Sollte an der Kritik etwas Wahres dran sein, so sind die verschärften Vergaberegeln für die Aufnahme in das Sustainability Yearbook 2014 seitens RobecoSAM ein erster Schritt in die richtige Richtung. Das Unternehmen wertet jede einzelne Teilnahme als positives Signal.

 

1 Kommentar

  • Wie ist die Nachhaltigkeit eigentlich definiert. Werden nur einzelne Aspekte betrachtet oder eine gesamte Wertschöpfung analysiert. Nicht verwunderlich, dass es sich um Konzerne handelt, die bei solchen Preisen Schlange stehen, der typische KMU ist meistens nur aus der Verantwortung heraus ambitioniert nachhaltig zu wirtschaften.

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