Desertec: Auch Frankreich mit von der Partie

Wir erinnern uns: Letztes Jahr im Sommer hatten sich 13 Unternehmen zusammengetan, um als „Desertec Industrial Initiative“ ein gigantisches, 400 Milliarden Euro teures Projekt aus dem nordafrikanischen Wüstenboden zu stampfen, das über Solarstromkraftwerke und Windkraftparks auch Europa mit erneuerbarer Energie versorgen soll. Bis 2050 sollen laut Konzept rund 15 Prozent des Strombedarfs in Europa gedeckt werden.

Ein beeindruckendes Vorhaben mit offiziell internationaler Beteiligung. Da passte es natürlich nicht so gut ins Bild, dass zwei Drittel aller beteiligten Unternehmen aus Deutschland kamen. Verwunderlich auch, dass gerade Frankreich als ehemalige Kolonialmacht außen vor gelassen worden war.

Doch das wird sich nun ändern. Der französische Energieminister Jean-Louis Borloo hat Ende Mai die Gründung eines eigenen Energie-Konsortiums namens „Transgreen“ bekanntgeben. Gründungsmitglieder sind die französischen Unternehmen Electricité de France, Alstom, Nexans und RTE. Auch Siemens soll noch dazustoßen, was die von Konkurrenz geprägten deutsch-französischen Beziehungen im Energiebereich aufbessern würde.

Das Konsortium soll ein Transportnetz für Wind- und Sonnenenergie aus Nordafrika bis nach Europa bauen, bisher die größte Schwierigkeit bei der Realisierung des Riesenprojektes. Kernstück sollen neue Gleichstromleitungen durch das Mittelmeer sein, die den von Desertec produzierten Solarstrom über das Mittelmeer transportieren. Also keinesfalls ein Konkurrenzunternehmen, sondern eher der französische Versuch, Einfluss auf die Desertec-Initiative zu gewinnen.

Für Frankreich, das bei seiner Stromversorgung sehr einseitig von seinen Atomkraftwerken abhängig ist, dürften die neuen Desertec-Leitungen besonders schnell von Nutzen sein. Denn im Sommer, wenn die Flüsse weniger Wasser zum Kühlen führen, arbeitet das französische Stromnetz wegen der Kühlprobleme der Atomkraftwerke regelmäßig recht nah an seinen Grenzen

Oft muss ausfallende Kraftwerksleistung durch Importe aus den Nachbarländern ersetzt werden, berichtet der Europäische Verband der Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) in seinem „Summer Outlook Report 2010“. Dies soll sich mit Transgreen nun ändern und mittel- bis langfristig auch in Frankreich zu mehr Energiesicherheit führen.

Daniel Seemann

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