Comeback der Stadtwerke

Der Niedergang der dezentralen Energieversorgung in Deutschland begann in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts: Die großen vier Energiekonzerne – RWE, EnBW, Vattenfall und Eon -, die heute die bundesdeutsche Energielandschaft dominieren, übernahmen damals nach und nach die lokalen Energieerzeuger.

Die Kommunen waren stark verschuldet und mussten ihr letztes Tafelsilber unter den Hammer bringen, wozu auch die Stadtwerke gehörten. Die Konsequenz war nicht nur, dass dadurch stabile kommunale Einnahmequellen veräußert wurden, sondern auch der Gestaltungsspielraum der lokalen Energieversorgung wurde leichtfertig aus der Hand gegeben.

Diese Entwicklung scheint sich nun umzukehren: Die Stadtwerkkultur erlebt derzeit eine Renaissance. Hamburg machte letztes Jahr den Anfang und gründete mit „Hamburg Energie“ nicht nur ein eigenständiges Stadtwerk, das dem Vattenfall-Konzern als bisherigem Energie-Platzhirsch der Hansestadt ernsthafte Konkurrenz zu machen beginnt. Die Hamburger Stromerzeuger setzen auch explizit auf die Versorgung der Bürger mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen wie Wasserkraft, Windkraft und KWK-Anlagen.

Nun zieht auch die Hauptstadt nach. Berlin hatte ursprünglich aus Kostengründen sein Elektrizitätsunternehmen Bewag an Vattenfall und seinen Gasversorger Gasag an Eon, Gaz de France Suez (GDF) und Vattenfall verkauft. Dieses Oligopol soll nun aufgeweicht werden.

In den kommenden drei Jahren stehen die Konzessionsverhandlungen über die Verteilnetze in der Stadt an. Der Stadt geht es darum, mehr öffentlichen Einfluss auf die Struktur und Nutzung der Versorgungsnetze für Gas, Strom und Fernwärme zu erlangen. Ziel sei es, zukünftig eine dezentralere Energieversorgung mit einem Ausbau auch der lokalen Energiebereitstellung sicher zu stellen.

Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) kündigte an, unter dem Namen „Berlin-Energie“ die Gründung landeseigener Stadtwerke zur Energieproduktion voran zu treiben. Auf kommunaler Ebene sind hier bereits Projekte am Laufen.

Die städtische Müllverbrennung produziert Heizdampf, der bisher an Vattenfall verkauft wurde, für lokale Abnehmer. Die Berliner Energieagentur baut unter anderem große Solaranlagen, vor allen Dingen für die Wärmeproduktion. Und die Berliner Stadtreinigung entwickelt Biogasanlagen. Gerade für diese dürfte es bei fast 3,5 Millionen Einwohnern nicht an Rohstoffen mangeln.

Daniel Seemann

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