Chinas Photovoltaik-Player erobern die Welt

Solarenergie

Chinesische Photovoltaik-Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren zu internationalen Marktführern entwickelt und insbesondere die europäischen Märkte erobert. Gerade deutsche Anbieter sind dadurch in schwere Bedrängnis geraten – profitiert hingegen haben deutsche Maschinenbauer als Lieferanten der chinesischen Global Player. Derweil wartet der chinesische Solarmarkt mangels echter Investitionsanreize noch auf seine „Erweckung“.

Ein Beitrag aus der Zeitschrift chinaContact 11/2010
China war 2009 laut einem Bericht des Pew Charitable Trust mit 34,6 Milliarden US-Dollar erstmals der größte Investor im Cleantech-Sektor unter den G20-Staaten (USA: 18,6 Milliarden US-Dollar). Und dies ist erst der Anfang: Der Anteil erneuerbarer Energien in China soll sich bis 2020 auf 15 Prozent verdoppeln. Diesen Kraftakt will China sich laut Presseberichten 740 Milliarden US-Dollar kosten lassen. Die Solarbranche in China steckt derweil noch in den Kinderschuhen mit einer installierten Kapazität von rund 0,4 Gigawatt. Um die bis 2020 anvisierten 20 Gigawatt zu erreichen, sind noch große Anstrengungen erforderlich.

Finanzielle Anreize zu niedrig. Erste größere Initiativen zur Förderung der Photovoltaik brachte die chinesische Regierung im Jahr 2009 auf den Weg. Das „Solar Roofs“-Programm subventioniert gebäudeintegrierte Systeme mit 15 Renminbi pro Watt und Solardächer mit 20 Renminbi pro Watt. Im Rahmen des „Golden Sun“-Programms werden netzgebundene Freiflächenanlagen mit 50 Prozent und netzunabhängige Anlagen mit 70 Prozent der Investitionssumme gefördert. In diesem Jahr wurden die Subventionen noch einmal erhöht, nachdem sich der bisherige finanzielle Anreiz als zu niedrig erwiesen hatte.

Insgesamt blieb aber Europa – insbesondere Deutschland – Hauptabsatzmarkt für die chinesischen Hersteller: 2009 wurden mehr als 95 Prozent der in China produzierten Zellen und Module exportiert. Zudem  fehlen nach wie vor Einspeisevergütungen, die Investitionen in die chinesische Solarbranche attraktiver machen. Nur die Provinz Jiangsu hat bislang entsprechende Fördertarife entwickelt. Zudem sind die Netzkapazitäten in China mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien im Land, insbesondere der Windkraft, überfordert.

House of the rising sun“. So schleppend die Entwicklung der Photovoltaik in China bislang auch läuft – als Produzenten sind chinesische Player längst in die erste Liga aufgestiegen. Der Marktanteil der in China produzierten Solarmodule lag bereits 2009 bei rund 40 Prozent.

Das Erfolgsmodell der Chinesen basiert auf Kosteneffizienz kombiniert mit einer hohen Produktqualität sowie umfangreichen Investitionen in Forschung & Entwicklung, Prozessoptimierungen und in Human Resources. Bei operativen Margen von über 20 Prozent (2009) und günstigen Krediten kann sich insbesondere das chinesische Top-Trio Yingli Green Energy, Suntech und Trina Solar diese Investitionen leisten.

Suntech Power wurde 2001 von Shi Zhengrong  gegründet und ist Weltmarktführer in der Herstellung kristalliner Siliziummodule. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Wuxi (Provinz Jiangsu), die Europazentrale befindet sich in Schaffhausen in der Schweiz. 

Suntech erzielte 2009 mit seinen 12.500 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,7 Milliarden US-Dollar. Bereits 2008 erreichte Suntech Power eine Produktionskapazität von einem Gigawatt. Das Unternehmen kooperiert weltweit mit führenden Forschungsinstituten, darunter auch mit der New South Wales University, wo Shi Zhengrong studiert und promoviert hat. Das Unternehmen – für das weltweit knapp 400 Personen (inklusive der unterstützenden Fachbereiche der Universitäten) in Forschung und Entwicklung tätig sind – gibt nach eigenen Angaben etwas unter fünf Prozent seines Umsatzes für F&E aus. 2010 sollen diese Mittel unter anderem für die Entwicklung der Pluto-Technologie eingesetzt werden, mit der Suntech Power den Wirkungsgrad seiner Solarzellen signifikant erhöhen will.

Yingli Green Energy wurde 1998 von Miao Liansheng gegründet, der dem Unternehmen auch als CEO vorsteht, und hat seinen Sitz in Baoding (Provinz Hebei). Das Unternehmen beschäftigt rund 7.000 Mitarbeiter und verfügt über mehr als zehn Niederlassungen weltweit. Die Firmenleitung entschied sich schon früh für das Geschäftsmodell der vertikalen Integration: Die komplette Wertschöpfungskette von der Produktion von Silizium bis zur Modulherstellung ist ins Unternehmen integriert.

Yingli Green Energy setzt in erster Linie auf eine branchenweit führende Kosteneffizienz bei gleichzeitig hoher Produktqualität. Im Frühjahr 2010 genehmigte zudem das Ministerium für Wissenschaft und Technologie die Einrichtung des ersten nationalen PV-Labors auf dem Yingli-Firmengelände in Baoding. Der internationalen Öffentlichkeit wurde Yingli als erster chinesischer Sponsor der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika bekannt.

Zu den weiteren Protagonisten der chinesischen »Solarszene« gehören unter anderen Trina Solar und Solarfun. Trina Solar wurde 1997 gegründet, ist in Changzhou (Provinz Jiangsu) ansässig und verfolgt wie Yingli das Konzept der vertikalen Integration. Der Geschäftsbereich System Integration deckt das Geschäft rund um die Errichtung ganzer Solar-Kraftwerke ab. Trina Solar übernimmt dabei die Planung und die Umsetzung der Projekte.

Gute Aussichten. Die Perspektiven für  Maschinenlieferanten sind gut. Ausländische Photovoltaikanbieter tun sich nach wie vor schwer, in China Fuß zu fassen. Allein First Solar ist bislang der Einstieg in ein chinesisches Großprojekt gelungen.

Profitiert vom Aufstieg der chinesischen Solargiganten haben aber Top-Lieferanten der chinesischen Solarindustrie wie Roth & Rau, Manz Automation und centrotherm photovoltaics AG. Centrotherm stattet namhafte Solarunternehmen und Branchen-Neueinsteiger mit schlüsselfertigen (»Turnkey«)-Produktionslinien und Einzelanlagen für die Herstellung von Silizium, kristallinen Solarzellen und -modulen aus. Das Unternehmen ist mit seiner geschäftlichen Entwicklung in China sehr zufrieden und sieht in der dortigen wirtschaftlichen Entwicklung gute Perspektiven für sich.

Die Herausforderungen bleiben sportlich: kurze Lieferzeiten bei bester Qualität, gleichzeitig die Erfordernis einer hohen interkulturellen Kompetenz. Insgesamt jedoch ist für centrotherm die Sonne im Osten schon lange aufgegangen – für China selbst, so scheint es, bleibt das Potenzial der Sonnenstrahlen noch hinter den Wolken versteckt.

Claudia Wittwer

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