China: Rasant steigende Investitionen in CO2-arme Technik

Die Briten waren noch nie verlegen darum, sich in ihrer hegemonialen Vormachtstellung bedroht zu sehen und entsprechend zu handeln. Der britische Konservative Tim Yeo, Vorsitzender des Unterhausausschusses für Energie und Klimawandel, hat jetzt vor Kurzem davor gewarnt, dass der Westen den Anschluss an China bei Investitionen in CO2-arme Technik verlieren könne. Er beschwört in einem Artikel des britischen Guardian die Gefahr herauf, dass Europa in zehn Jahren aufwachen würde um festzustellen, dass das Reich der Mitte uns längst überholt habe.

Abgesehen von den britischen Allmachtphantaien hat Yeos Beschreibung der chinesischen Technologie- und Klimapolitik durchaus einen wahren Kern: Während in China die Wirtschaft trotz Weltwirtschaftskrise unaufhörlich wächst, investieren die Chinesen in Technik mit geringen CO2-Emissionen.

In kürzester Zeit haben sie ein Netz von Hochgeschwindigkeitszügen aufgebaut, wodurch die Zahl der Inlandsflüge vermindert werden konnte. China investiert sehr stark in erneuerbare Energien, hat recht anspruchsvolle Umweltstandards für Kraftfahrzeuge eingeführt sowie ein beeindruckendes Aufforstungsprogramm gestartet.

Derweil investiert China nicht nur im eigenen Land in den Eisenbahnbau – nach dem Schiff das klimafreundlichste Massenverkehrsmittel –, sondern auch im Ausland. Letzte Woche wurde in Beijing anlässlich des Besuchs der argentinischen Präsidentin Cristina Fernandez Kirchner ein Vertrag über die Erneuerung einiger Tausend Kilometer argentinischer Eisenbahnstrecken abgeschlossen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Zehn Milliarden US-Dollar sollen in den nächsten Jahren investiert werden, rund 85 Prozent davon wird die Volksrepublik stellen, den Rest Argentinien. Das Land hat ein ausgedehntes Eisenbahnnetz, das jedoch in Folge der Privatisierung vollkommen herunter gewirtschaftet ist.

Ganz uneigennützig ist die chinesische Hilfe nicht. Vorrangig werden von dem Geldsegen Linien profitieren, die für den Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse wichtig sind: China ist einer der größten Abnehmer von argentinischem Soja. Die argentinischen Landwirte klagen sei Jahren, dass sie ihre Waren größtenteils auf den Straßen zu den weit entfernten Häfen transportieren müssen, was teuer ist. Mit den modernisierten Bahnen könnten die Exporte schneller und günstiger die Abnehmer nicht zuletzt in der Volksrepublik erreichen.

Abgesehen von diesen wirtschaftlichen Kalkulationen ist eine andere Rechnung ebenso wichtig: Diese Investition Chinas in ein klimafreundliches Projekt im Ausland beeinflusst die Klimabilanz der Wirtschafsmacht aus Fernost positiv. Im Rahmen eines zukünftigen, weltweiten Emissionshandels könnte China dadurch bei gleichbleibend hohem Wirtschaftswachstum seinen CO2-Haushalt im Gleichgewicht halten.

Daniel Seemann

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