Die große Windkraftblase

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China plant wie berichtet, bis zum Jahr 2020 100 Milliarden Dollar in die Offshore-Windkraft zu investieren und eine Gesamtleistung von 30 Gigawatt zu installieren. Ein gigantischer Wachstumsmarkt, der wie alle investitionsintensiven Märkte anfällig für eine spekulative Überhitzung werden kann.

Lu Zhenhua, ein Reporter vom chinesischen „21st Century Business Herald“, der gerade einen Umweltjournalismuspreis des britischen „Guardians“ gewonnen hat, hat nun in einem Report eine gigantische Blase in der chinesischen Windindustrie aufgedeckt.

Die Branche, die sich in China seit Monaten im Turbowachstum befindet, wird wahrscheinlich nach der Realisierung aller geplanten Projekte allein in der Provinz Gansu im Nordwesten Chinas bald mehr Elektrizität produzieren als der bekannte Drei-Schluchten-Staudamm mit seiner enormen Wasserkraft.

Lu Zhenhua zitiert in seinem Bericht den Chef des chinesischen Windenergie-Verbands, der diese Entwicklung nicht leugnet und schon jetzt von „Überhitzung“ spricht. Der Grund: Alle Investoren der Branche hoffen auf staatliche Subventionen und lukrative Einspeisevergütungen. Bleiben diese aus, so würden die unbegrenzt verfügbaren Winde nach Worten des Reporters nicht automatisch ein „grenzenloses Wachstum“ auslösen.

Aber selbst wenn in China die Subventionen weiter stetig fließen werden, besteht bei staatlicher Unterstützung immer die Gefahr, dass Innovationen gestützt werden, die wirtschaftlich eigentlich nicht überlebensfähig sind. Der Absturz könnte deshalb umso größer sein, wenn diese eines Tages plötzlich ausblieben.

Allein in China ist die Zahl der Anbieter von Windturbinen von sechs im Jahr 2004 auf fast 70 im letzten Jahr angestiegen. Vielen von Ihnen fehlt das nötige Know-how, was zu einem Qualitätsverfall auf dem Windturbinenmarkt in China geführt hat, wie Lehman, Lee & Xu, die drittgrößte Beratungsfirma für Wirtschaftrecht in China, berichtet.

Ein weiteres Problem könnte das Überangebot von Windkrafttechnologie auf dem Weltmarkt werden, der zu sinkenden Preisen in der Branche geführt hat. Dazu kommt der Wegfall von Handelsbeschränkungen für Produkte aus dem Windenergiebereich in China, wodurch sich chinesische Produkte auf diesem hochtechnologisierten Gebiet auch auf dem heimischen Markt verstärkt gegen ausländische Produkte durchsetzen werden müssen.

Daniel Seemann

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