Ausstieg aus dem Atomausstieg treibt Strompreise hoch

Eine neue Studie im Auftrag des Umweltministeriums zerschlägt die Hoffnung der Verbraucher, dass die Strompreise in Zukunft sinken werden. Hält die Regierung an einer Laufzeitverlängerung für Atommeiler fest, ist ebenso die Möglichkeit gegeben, dass das Strompreisniveau steigt. Es spricht also alles für einen raschen Atomausstieg, anstatt am Ausstieg aus dem Ausstieg festzuhalten.

Anders sieht es mit der Förderung der erneuerbaren Energien aus. Deren Förderung ist kein Preistreiber, wie es von Befürwortern der fossilen Energien gerne aufgeführt wird. Zu diesem Schluss kommt der Juni-Bericht für das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit auf Basis der Studie. Das Öko-Institut kam vielmehr zu dem Schluss, dass ein längerer Betrieb der deutschen Kernkraftwerke kaum zu einer Dämpfung des Strompreises führen wird. Ihr Vergleich mit dem europäischen Nachbarn Frankreich zeigt vielmehr, dass Atomenergie keineswegs günstiger sein muss, als Energie aus regenerativen Quellen. In Frankreich, mit einem Kernenergieanteil von nahezu 80 Prozent, ist das Strompreisniveau in einzelnen Segmenten sogar höher als in Deutschland, wo der Kernenergieanteil unter 30 Prozent liegt. Auch der Ausfall von wichtigen Kraftwerkskapazitäten im Jahr 2007 hatte in Deutschland nicht zu einem Steigen der Strompreise geführt. Dass die sieben Kraftwerke mit einer installierten Engpassleistung von rund 45 Prozent teilweise vom Netz gegangen waren, hat der Endverbraucher also gar nicht gespürt.

Warum halten dann immer noch so viele Bundesbürger an der Atomenergie fest?

Der Ausbau der Ökostrom-Förderung wird bis zum Jahr 2013 zwar für eine gewisse Steigerung der Strompreise sorgen, dann jedoch sinken die Förderbeiträge für regenerativen Strom kontinuierlich, da die Wettbewerbsfähigkeit für Ökostrom zu diesem Zeitpunkt bereits gegeben ist. Derzeit werden die Mehrkosten, die die Förderung der erneuerbaren Energien durch die festgelegte Einspeisevergütung gegenüber dem herkömmlichen Strom aus Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerken verursachen auf alle Stromkunden umgelegt. Diese Differenzkosten sollen von heute fünf Milliarden Euro bis zum Jahr 2013 sogar noch auf 5,6 Milliarden Euro steigen, danach aber rapide abfallen und werden bis zum Jahr 2020 nur noch mit 2,4 Milliarden prognostiziert. Der radikale Umbau der Versorgung wird hierdurch finanziert, sodass der heutige Ökostromanteil von 15 Prozent bis 2020 auf 47 Prozentpunkte wachsen kann. Demzufolge steht den jährlichen Mehrkosten für den Ökostrom eine Einsparung auf verschiedenen Sektoren gegenüber. Der Studie des Ökoinstituts zufolge würden bis 2020 mehr als 22 Milliarden Euro Kosten für den Import von Gas, Öl und Kohle eingespart werden und die vermiedenen Kosten für den Klimawandel nochmals mit 4,5 bis 6,3 Milliarden Euro zubuche schlagen. Sinkende Mehrkosten und der hohe volkswirtschaftliche Nutzen sprechen also für einen raschen Ausstieg aus der Atomenergie.

Judith Schomaker

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