Wird Trinkwasser bald teurer?

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Qualität des Trinkwassers
Wird Trinkwasser bald teurer? Mit der neuen Verordnung ist es durchaus möglich

Geht die berühmte Qualität des Wassers bald den Bach hinunter? Inzwischen liegt die Nitratkonzentration bei mehr als einem Viertel aller deutschen Wasserspeicher über dem gesetzlichen Limit.

Gerade in Gebieten mit landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen ist das Grundwasser häufig durch zu viel Stickstoff belastet. Maria Kratzberger, Präsidentin des Umweltbundesamts äußert sich dazu: „Mit den Neuregelungen in der Düngeverordnung wurden lange überfällige Schritte eingeleitet, die hoffentlich die Belastungen so weit senken, dass den Trinkwasserkunden die teure Aufbereitung erspart bleibt. Wichtig sind jetzt eine konsequente Umsetzung und verstärkte Kontrollen in den betroffenen Regionen. Falls sich diese Belastungen nicht verringern, müssten weitere und strengere Auflagen für die Landwirtschaft erfolgen.“

Der Bundesrat hatte bereits am 31. März 2017 den Änderungen der Düngeverordnung zugestimmt. Sie beinhaltet schärfere Regeln zugunsten des Gewässerschutzes und der Luftreinhaltung. Durch die Änderungen der Verordnung wurde die Düngebedarfsermittlung bundesweit vereinheitlicht, konkretisiert und die erlaubten Düngezeiten verkürzt. Einschränkungen entstehen ab Anfang 2018 auch für die Massentierzuchthaltung.

Dennoch könnten auf die Deutschen neue Kosten zukommen:

  • Für deutsche Wasserwerke könnten Mehrkosten von bis zu 767 Millionen Euro entstehen
  • Der Preis für Trinkwasser könnte daher deutlich steigen – um bis zu 45 Prozent
  • Auf eine vierköpfige Durchschnittsfamilie kämen damit ihm Jahr Mehrkosten in Höhe von 134 Euro zu

Auch das Umweltministerium sieht die Gewinnung von Trinkwasser zunehmend als Problem. Da es immer schwieriger wird, die Grenzwerte einzuhalten, wird immer öfter belastetes Wasser mit schadstoff-freiem Wasser vermischt. Ob das gesund ist, mag man bezweifeln.

Die Studie des Umweltbundesamts rechnet außerdem aus, wieviel die Reinigung von mit Nitrat belastetem Grundwasser in Deutschland insgesamt kosten kann.

  • Die Reinigung des belasteten Grundwassers würde zwischen 580 und 767 Millionen Euro pro Jahr kosten
  • Die Umsetzung der Ende März 2017 erneuerten Düngeverordnung kostet die Landwirtschaft laut dem Bundeslandwirtschaftsministerium dagegen bis zu 111,7 Millionen Euro pro Jahr

Änderungsmaßnahmen in der Landwirtschaft sind gesamtwirtschaftlich gesehen also wesentlich günstiger, als die Abschiebung der Kosten auf die Trinkwasserkunden. Wie bei den meisten Umweltthemen der Fall, ist auch hier die Vorsorge billiger als die Reparatur.

Zusätzlich fordert der World Wide Fund for Nature (WWF) nach einer kürzlich durchgeführten Umfrage eine „grundlegende Reform der Agrarpolitik“, durch die Boden, Wasser und Artenvielfalt besser geschützt werden und entsprechende Landwirte stärker subventioniert werden. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass 62 Prozent der befragten Personen im Alter von mindestens 18 Jahren denken, dass die derzeitige Politik schlecht für unsere Landwirte und Umwelt ist.