Willkommen in Geothermien!

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Bild: shutterstock

Als europäische Regierungsvertreter im Oktober 2009 beschlossen, bis zum Jahr 2050 den Ausstoß von CO2 in der Eurozone um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren, wurde dieser Beschluss als wichtiger Beitrag Europas in Sachen Klimaschutz gefeiert. Um das „Wie“ sollten sich anschließend andere kümmern.

Die European Climate Foundation (ECF) wurde damit beauftragt, ein Projekt zu entwickeln, in dem es um nichts Geringeres als um eine „praktische, unabhängige und objektive Analyse von Lösungen auf dem Weg hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft für Europa“ gehen sollte.

Dabei herausgekommen ist die Roadmap 2050: A Practical Guide to a Prosperous, Low-Carbon Europe, die Mitte April in Brüssel der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Neben solch renommierten Beratungsagenturen wie dem Imperial College London, der KEMA, McKinsey & Company und Oxford Economics hat auch das niederländische Architektenbüro OMA um den Stararchitekten Rem Koolhass daran mitgewirkt und vor Kurzem eine Vision für ein Europa vorgestellt, das sich ganz und gar mit erneuerbaren Energien versorgt.

Nun ist Rem Koolhass kein Unbekannter. Unter anderem hat er den neuen Hauptsitz des staatlichen Fernsehsenders CCTV in Peking gebaut und weltweit Berühmtheit für seine futuristischen Gebäude erlangt.

Doch jetzt hat der Niederländer zusammen mit seinem Team gleich einen ganzen Kontinent – Eneropa genannt – entworfen, der von der Fläche her den Außengrenzen des heutigen Europas entspricht und dessen Mitgliedstaaten entlang eines EU-weiten, kohlestofffreien Stromnetzes aufgeteilt sind. Das hat natürlich Folgen für die geographische, politische und kulturelle Verfasstheit Europas in den Grenzen von 2010.

Das Zeitalter der Nationalstaaten wäre damit endgültig vorbei, vielmehr werden die europäischen Mitgliedsstaaten neu definiert, je nachdem welcher Typ der erneuerbaren Energien für ihn prägend ist: Deutschland wird Teil von „Geothermien“, aus Italien wird „Solaria“ und das ehemalige Habsburger Reich wird zu „Biomassburg“.

Durch die komplette Integration und Synchronisation von Europas energetischer Infrastruktur könnte Europa damit den größten Vorteil aus seiner geographischen Diversität holen: Die energiepolitische Unabhängigkeit.

Durch die komplementäre Nutzung der unterschiedlichen Energiequellen wie Wind, Wasser, Sonne, Geothermie und Biomasse würde auch Europas Energiesicherheit auf Generationen hinaus gesichert sein.

Ein gewagter Plan, natürlich. Aber, wie der Guardian schreibt, realistisch genug, um ihn „in der Schublade zu haben“.

Daniel Seemann

 

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