Wie nachhaltig ist das Fairphone 2 wirklich?

,

Wie nachhaltig ist das Fairphone 2 wirklich?
Wie nachhaltig ist das Fairphone 2 wirklich?

Mit dem Fairphone 2 hat das gleichnamige Start-up eine technisch deutlich verbesserte Version des Öko-Smartphones auf dem Markt gebracht. Das Fairphone verspricht, umweltfreundlich und nachhaltig gestaltet und sozial produziert zu werden. Die Deutsche Umwelthilfe hat aktuell untersuchen lassen, ob der Hersteller diese Versprechen auch tatsächlich einhält.

Das Amsterdamer Start-up Fairphone wurde mit dem Anspruch gegründet, andere Smartphone-Hersteller zum Umdenken zu bewegen. Das Öko-Smartphone wird getreu seinem Namen unter möglichst fairen Bedingungen hergestellt. 

So sollen für die Produktion keine Arbeiter ausgebeutet werden. Außerdem sollen möglichst viele der verbauten Metalle aus konfliktfreien, geprüften Minen bezogen werden. In einigen Ländern werden Minen von Warlords kontrolliert. Diese nutzen den Erlös um Waffen zu kaufen und Bürgerkriege zu finanzieren.

Auch soll das Fairphone möglichst lange benutzt werden können, indem es so gebaut wird, dass es leicht repariert werden kann. Andere Hersteller konstruieren ihre Smartphones gemäß einer eingeplanten, meist zu kurzen Lebensdauer (geplante Obsoleszenz). Beispielsweise werden Akkus fest verbaut und bestimmte Schäden können nicht rentabel repariert werden.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat im Auftrag der Deutschen Telekom aktuell untersuchen lassen, ob diese Vorgaben auch tatsächlich zutreffen. Im Rahmen der Studie „Wie nachhaltig ist das Fairphone 2?“ wurden mehr als 48 Experten von Umweltschutz- sowie Verbraucherverbänden, wissenschaftlichen Instituten, Universitäten, kirchlichen Institutionen sowie Gewerkschaften zum Fairphone 2 befragt, dem technisch deutlich verbesserten Nachfolger des ersten Öko-Smartphones.

Alle Teilnehmer der Studie sehen das Fairphone 2 als deutlich nachhaltiger als vergleichbare Handys anderer Hersteller. Besonders hervorgehoben wurde der Aufbau des Telefons. Der große Vorteil: Das Fairphone 2 ist baukastenartig konzipiert. Dadurch lassen sich beschädigte Teile unkompliziert und günstig reparieren. Das erhöht die Lebensdauer deutlich. Zudem wurde die Lieferkette für die benötigten Rohstoffe (Wolfram, Gold, Zinn u.a.) als transparent und verantwortlich gelobt. Verbesserungspotenzial hingegen gibt es laut Studie bei Schad-stoffgehalten, Arbeitsbedingungen und technischem Upgrademöglichkeiten.

„Das Fairphone 2 bricht mit gängigen Konventionen. Statt möglichst viel Technik in ein besonders flaches Gerät einzubauen, das kaum reparierbar ist und nach zwei Jahren in der Schublade oder auf dem Müll landet, setzen die Niederländer auf ein robustes Gerät, bei dem Langlebigkeit im Vordergrund steht. Durch die erstmalige Umsetzung einer modularen Bauweise können Verbraucher Ersatzteile problemlos selbst einbauen, ohne gleich das ganze Gerät austauschen zu müssen. Eine solche Bauweise vermeidet Elektroschrott, entlastet den Geldbeutel und sollte zukünftig von allen IT-Herstellern umgesetzt werden“, fordert der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Im Bereich Arbeitsbedingungen ist das Smartphone laut der Befragten zwar beispielhaft, dennoch bestehe gerade in diesem Bereich noch Verbesserungsbedarf. „In der IT-Branche sind die Arbeitsbedingungen beim Rohstoffabbau in Afrika oder der Produktfertigung in Asien häufig problematisch, weshalb die Entwicklung sozialer und ökologischer Standards ausgesprochen wichtig ist”, sagt der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer.

 “Auch wenn noch nicht alle Arbeitsschutzkriterien in der Produktion eingehalten werden, hat das Projekt eine Signalwirkung für die gesamte Elektronikbranche. Andere Hersteller von Mobilfunkgeräten dürfen sich dem Thema Nachhaltigkeit nicht verschließen und sollten dem guten Beispiel von Fairphone schnellstmöglich folgen“, so Fischer weiter.

Smartphones müssen reparaturfähiger, langlebiger und fairer in der Herstellung werden, fordert die DUH. Das Fairphone soll andere Hersteller dahingehend zum Umdenken bewegen. Und tatsächlich wäre es wünschenswert, wenn einige Punkte des Konzepts von Fairphone ihren Weg auch zu anderen großen Marken finden. Damit würde nicht nur die Umwelt entlastet und vielen Menschen geholfen, sondern es wäre auch für die Endverbraucher ein deutliches Plus.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe 

 

Leave a Reply