Studie: Wie kann Deutschland Rohstoffland werden?

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Deutschland soll zum Rohstoffland werden

Deutschland soll durch eine hundertprozentige Kreislaufwirtschaft zum „Rohstoffland“ werden. So zumindest die Vision des Rats für Nachhaltige Entwicklung. Auch die Bundesregierung verfolgt mit ihrer Nachhaltigkeitsstrategie ein ehrgeiziges Ziel: Die Rohstoffproduktivität bis zum Jahr 2020 gegenüber 1994 zu verdoppeln – das heißt: für die Herstellung der gleichen Menge an Gütern nur halb so viel Rohstoffe einzusetzen. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat nun anhand einer Studie untersuchen lassen, wie diese Ziele bestmöglich umgesetzt werden können. Die Studie zeigt dafür Herausforderungen und Potenziale der Abfallwirtschaft auf.

Das Gutachten namens Challenger Report: „Ressourcen-management und Siedlungsabfallwirtschaft“ wurde von Dr. Henning Friege erstellt. Friege ist geschäfts-führender Gesellschafter der N3 Nachhaltigkeitsberatung Dr. Friege & Partner und Privatdozent an der TU Dresden.

Friege schreibt, es werde in den letzten Jahren sowohl in Deutschland als auch in Europa immer mehr über die künftige Ressourcenstrategie und die Rolle der Abfallwirtschaft im Rahmen dieser Strategie diskutiert. Dabei gebe es zwar viele einzelne Ansätze, aber kaum durchgängige Konzepte, die im Sinne nachhaltiger Entwicklung das Management von stofflichen Ressourcen, Abfällen und Energie verbinden. Um eine nachhaltig orientierte Ressourcenwirtschaft zu entwickeln, müsse die heutige Organisation von Abfallwirtschaft und deren Optimierung im Zusammenhang mit der Produktgestaltung analysiert werden.

Genau dort setzt der Challenger Report an. Friege beschäftigt sich dabei zunächst mit der Frage: Setzen wir unsere abfallwirtschaftlichen Prioritäten richtig? Er geht davon aus, dass die tatsächliche Recyclingquote in Deutschland nicht über 35 Prozent liegt. Das Ziel einer hundertprozentigen Kreislaufwirtschaft ist demnach noch weit entfernt. Wie kann Deutschland also, wie es der Rat für Nachhaltige Entwicklung wünscht, zum Rohstoffland werden?

Dazu müsse die Abfallwirtschaft in Deutschland und Europa in Richtung Ressourcenschutz weiterentwickelt werden, so Friege. Um dies zu erreichen, müsse von der Ressource her gedacht werden, beispielsweise indem Verwertung und Wiederverwendung bereits ins Produkt „integriert“ werden. Produktdesign sei ein Schlüssel zur Abfallvermeidung. Produkte müssten so hergestellt werden, dass eine Reparatur möglich sei. Reparierbarkeit und Verwertbarkeit der Komponenten bzw. Materialien müsse Ziel des Produktdesigns werden. Dabei gelte es, die Verantwortung der Hersteller einzufordern. Auch die Verbraucher seien verantwortlich für das Produktrecycling. Denn noch immer würden viele die „gelbe Tonne“ als schlichten Mülleimer missbrauchen und so gewaltige Mengen an wiederverwertbaren Materialien verloren gehen. Auch dafür müsse eine Lösung entwickelt werden.

Wichtig sei außerdem, künftig Prioritäten zu setzen, welche Rohstoffe bevorzugt recycelt werden sollen. Aus diesen Prioritäten seien Ziele für die Ressourcen- und Abfallwirtschaftspolitik abzuleiten.

Die EU müsse künftig einen abfallwirtschaftlichen Standard schaffen. Das käme auch dem Klimaschutz zugute. Die Deponierung von organischen Siedlungs-abfällen müsse europaweit verboten werden. Noch immer werde in vielen europäischen Staaten Abfall deponiert, anstatt recycelt zu werden. Der Ausstieg aus der Deponierung von Siedlungsabfällen könnte die Emissionen an Treibhausgasen um weit über 100 Millionen Tonnen pro Jahr senken, schreibt Friege.

Der Weg von einer Abfallwirtschaft zum Management von Ressourcen bedürfe nicht nur intensiver inhaltlicher Arbeit, sondern auch politischer Einigung und geschick-ter Implementierung. Nur auf diese Weise könne das Nachhaltigkeitsziel der Verdoppelung der gesamtwirtschaftlichen Ressourcenproduktivität bis 2020 erreicht und auch bis 2030 und 2040 weitergeführt werden. Vera Gäde-Butzlaff, Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung sagte dazu, entscheidend für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft seien die richtigen Rahmenbedingungen. Der Ressourcenverbrauch müsste auch mit gesetzlichen Regelungen verringert werden. Nur so könnten innovative Lösungen für Recycling und die Wiedergewinnung von Wertstoffen gefunden werden.

 

 

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