Weltkonzerne verlangen schärfere Klimagesetze

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Klimawandel - Unternehmen fordern mehr Klimaschutz
Klimawandel - Unternehmen

Der schon jetzt als historisch geltende Weltklimavertrag ist erst seit ein paar Tagen unterzeichnet. Obwohl er fast ausschließlich als Erfolg gefeiert wird, werden bereits jetzt Stimmen laut, die an der Realisierung der vereinbarten Ziele zweifeln. Vor allem in Deutschland und Europa müssten schärfere Klima-schutzgesetze her, fordern jetzt über 30 Konzerne, darunter weltbekannte Marken wie Adidas, Puma und die Commerzbank. Die Konzerne fordern unter anderem, die Bundesregierung müsse den Aktionsplan Klimaschutz nachbessern, anderenfalls drohe der Vorreiter in Sachen Klimaschutz seine eigenen Ziele zu verfehlen.

Das Klimaschutzabkommen ist nach zähen Verhandlungen endlich unter Dach und Fach. Auch wenn einige Punkte diskussionswürdig sind, wie das Fehlen konkreter und verpflichtender Emissionsminderungsziele, glauben viele Klimaschützer, dass das Paris-Abkommen einen globalen Wendepunkt einleiten könnte. Den Beginn einer ambitionierten und umfassenden globalen Energiewende, und damit das Ende des fossilen Zeitalters und der Beginn der regenerativen Energieerzeugung. Das Paris-Abkommen wird von vielen als ambitionierte Zielsetzung auf diesem Weg beschrieben. An der Umsetzung dieser Zielsetzung zweifeln aber nicht weniger viele.

Leider sind es gerade die Klimaschutzmaßnahmen der Bundesregierung, die seit Paris verstärkt in der Kritik stehen. Deutschland als Urheber der „German Energiewende“ und Vorreiter in Sachen Klimaschutz laufe Gefahr, die eigenen Klimaziele zu verfehlen, sagen sogar Regierungsberater. Jetzt haben sich insgesamt 34 deutsche oder in Deutschland tätige Unternehmen zusammengetan, um gemeinsam von der Bundesregierung ambitioniertere Klimaschutzmaßnahmen zu fordern.

Zu den Unternehmen zählen neben Adidas, Puma und der Commerzbank weitere weltbekannte Namen wie der Lebensmittelgigant unilever, die Reederei Aida Cruises, Aldi Süd, Alfred Ritter und der Energiekonzern EnBW. Unterstützt wird ihr Appell von den Unternehmensverbänden Stiftung 2° und B.A.U.M. sowie der Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch.

In der Erklärung heißt es: „Wir sehen immer deutlichere Anzeichen für einen neuen Trend hin zu einer globalen Energiewende. Die kontinuierliche Dekarbonisierung der Weltwirtschaft ist keine Zukunftsmusik mehr. Paris markiert den Wendepunkt.“ Die Unternehmen versichern, ihren Beitrag dazu zu leisten, den globalen Temperaturanstieg auf weniger als zwei Grad Celsius zu begrenzen. „Wir verpflichten uns, die beginnende globale Trendwende als Vorreiter voran zu bringen“.

Doch das stelle sie selbst vor große Herausforderungen. Deshalb verlangen sie von der Bundesregierung und der europäischen Politik „klare, langfristige und ambitionierte Rahmenbedingungen“. Die Politik müsse die Trendwende bei Emissionen und Investitionen auf ein festes Fundament stellen. In der Erklärung fordern sie unter anderem eine Nachschärfung der Maßnahmen, um das deutsche Klimaschutzziel für 2020 – eine Verringerung der CO2-Emissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 – zu erreichen.

Leider sind wir hier noch nicht auf Kurs. Die Emissionen sind laut Umweltbundesamt zwar um rund 27 Prozent gesunken, einige Experten führen das jedoch auf die besonders warmen Winter der letzten Jahre zurück, währenddessen nur wenig geheizt werden musste. Um das 40-Prozent-Ziel dennoch zu erreichen, hat die Bundesregierung Ende 2014 den Aktionsplan Klimaschutz ins Leben gerufen. Doch auch dieser reicht voraussichtlich nicht aus, um das 40-Prozent-Ziel zu schaffen, hat kürzlich eine Expertenkommission der Regierung bekanntgegeben.

Weiterhin fordern die Unternehmen, die Bundesregierung solle einen ambitionierten Klimaschutzplan 2050 beschließen, der sich an einer Verringerung der Treibhausgasemissionen zwischen 80 bis 95 Prozent orientiert. Dazu gehöre auch eine umfassende Energiewende im Verkehrsbereich. Hier hinkt die Bundesregierung noch deutlich hinterher. Der Verkehrssektor ist der einzige Bereich, in dem die Emissionen in den letzten Jahren sogar noch angestiegen sind.

Nachbesserungen seien auch bei den Energieeffizienz-Gesetzen und ihrer Umsetzung erforderlich, heißt es in der Erklärung. Zudem müsse der europäische Emissionshandel noch ambitionierter reformiert werden und die EU ihre Klimaschutz- und Energieziele auch über Paris hinaus weiter verbessern.

Der Grund für diese Forderungen ist natürlich nicht ausschließlich uneigennützig. Zwar engagieren sich einige Konzerne wie beispielsweise Puma, Otto und Adidas schon länger für den Klima- und Umweltschutz (CEP berichtete), dennoch sind es vor allem die sich ändernden Anforderungen durch die Energiewende-Bewegung und den Klimawandel, die viele der Konzerne zwingen, ihr Geschäftsmodell anzupassen. Unternehmen wie der Energiekonzern EnBW müssen sich auf konkrete Rahmenbedingungen durch die Politik verlassen können, um beim anstehenden Wandel der Energiesysteme nicht auf der Strecke zu bleiben. Andere haben entdeckt, wie wirkungsvoll eine umwelt- und klima-orientierte PR sein kann. Umweltschutz verkauft sich gut. Immer mehr Menschen wählen Produkte gezielt nach ökologischen Kriterien aus. Auch die Gefahren für die Wirtschaft durch eine sich stark erwärmende Erde dürften für einige Weltkonzerne Grund genug sein, sich mehr für den Klimaschutz einzusetzen.

Für den Umwelt- und Klimaschutz ist die Erklärung trotz aller möglicher eigennütziger Absichten dennoch ein wichtiges Zeichen. „Deutschland sollte ab jetzt auf ein Wohlstandsmodell zusteuern, das mit dem oberen Rand seines Zielkorridors von 80 bis 95 Prozent Emissionssenkung bis 2050 vereinbar ist und dabei auch die EU mitziehen. Das hätte weltweit Signalwirkung. Wir freuen uns, dass große Teile der deutschen Wirtschaft gemeinsam mit uns auf eine solch ambitionierte Klimapolitik setzen“, sagte Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass der Appell bei der Bundesregierung und dem Europaparlament Beachtung findet.

Quellen: Germanwatch / Spiegel Online

 

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