Weltklimakonferenz: Experten prophezeien Scheitern

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Weltklimakonferenz Paris
Weltklimakonferenz Paris

Die im Dezember anstehende Weltklimakonferenz in Paris wird von den meisten Klimaforschern als die letzte Möglichkeit betrachtet, die schlimmsten Auswirkungen der globalen Erwärmung doch noch verhindern zu können. Doch dazu ist ein Erfolg der Konferenz entscheidend. Genau daran glauben einige Wissenschaftler jedoch nicht. Sie sind der Meinung, die Klimakonferenz ist bereits vorab zum Scheitern verurteilt. Der Grund sei, dass bei dem wichtigen Meeting auf die falsche Ver-handlungsführung gesetzt werde. Ihre düstere Prophezeiung haben die Ökonomen aus Deutschland, Großbritannien und den USA in einem Fachbeitrag im Wissenschaftsmagazin „Nature“ veröffentlicht.

Der Grund für diese entmutigende Behauptung: In Paris werden alle teilnehmenden Länder individuelle Zusagen machen, wie sie auf nationaler Ebene die Treibhausgas-Emissionen senken wollen. Diese „Intended Nationally Determined Contributions“ – kurz INDCs, haben die meisten Länder bereits im Laufe des Jahres bei den Vereinten Nationen eingereicht. Dass diese Ziele jedoch gleichermaßen ambitioniert sind, um damit tatsächlich weltweit die Emissionen deutlich verringern zu können, halten die Wissenschaftler für Wunschdenken.

Viel wahrscheinlicher sei, dass einige Länder niedrig gesteckte Klimaschutzziele formulieren werden, um ihre eigene Interessen zu schützen. In Paris werde dann kein Land größere Zugeständnisse machen, als das andere, prophezeien die Ökonomen. Frei nach dem Motto: „Wenn du es nicht tust, mache ich das auch nicht.“

Einer der Autoren, der Energieexperte Prof. David MacKay, früherer wissenschaftlicher Berater im britischen Ministerium für Energie und Klimawandel, erklärt das Problem: „Vierzig Jahre Forschung über Formen der Kooperation bestätigen: Wenn lediglich individuelle Ziele formuliert werden, kommt ein relativ schwaches Gesamtergebnis dabei heraus“. Doch die Verantwortlichen der Konferenz würden diese Erkenntnisse mit ihrem Verhandlungsverfahren ignorieren, kritisieren die Ökonomen. Dass individuelle Zusagen meist nicht zu einem wirkungsvollen gemeinsamen Handeln führen, könne man an einem historischen Beispiel sehen: Dem Kyoto-Protokoll.

„Ursprünglich war die Idee von Kyoto, eine gemeinsame Verpflichtung zum Klimaschutz zu schließen, erinnert McKay. „Aber letztendlich kam nur eine Reihe individueller Zusagen heraus. Und das führte bekanntermaßen zu sehr schwachen Resultaten, und einigen Nationen stiegen letztendlich sogar aus dem Kyoto-Protokoll aus.

In Paris drohe sich dies zu wiederholen. Anstatt an Fehlern aus der Vergangenheit zu scheitern, sollten sich die Vereinten Nationen also lieber auf eine gemeinsame Verpflichtung einigen, schreiben die Autoren. Die beste Lösung dafür wäre nach Meinung der Wissenschaftler, einen weltweit einheitlichen Preis für Kohlendioxid-Emissionen festzulegen. Jede Nation könnte dann selbst entscheiden, mit welchen Maßnahmen dieser Preis umgesetzt werden soll – beispielsweise durch eine CO2-Steuer oder durch Handel mit Emissionsrechten. Staaten, die sich nicht an das Abkommen halten, könnten von der World Trade Organisation mit Sanktionen belegt werden, schlägt der amerikanische Ökonom Prof. Steven Stoft vor, der ebenfalls an dem Beitrag beteiligt war.

Die Autoren räumen jedoch selbst ein, dass es mehr als unwahrscheinlich ist, dass es in Paris zu einer einheitlichen Verpflichtung zum Klimaschutz kommen wird. Auch die Einigung auf einen einheitlichen Preis für CO2-Emissionen werde so kurz vor der Konferenz wohl nicht mehr realisierbar sein. Die Forschungsergebnisse über Kooperation könnten jedoch in zukünftigen Verhandlungen zu Rate gezogen werden, hoffen sie.

Auf der mit Spannung erwarteten Weltklimakonferenz wollen die Staats- und Regierungschefs der Vereinten Nationen Maßnahmen besprechen, wie die globale Erwärmung auf die als akzeptabel erachteten zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter begrenzt werden kann. Die Organisation „Climate Action Tracker“ warnte jedoch vor zwei Wochen, mit den bisher eingereichten INDCs könne dieses Ziel nicht erreicht werden. Sollten nicht ambitioniertere Zusagen gemacht werden, werde sich der Planet bis zum Jahr 2100 um wenigstens 2,7 Grad erwärmen.

Quelle: BBC / FAZ

 

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