Weiterhin zu hohe Grundwasserbelastung

,

Düngeverordnung dringend gefordert
Schlechte Grundwasserwerte durch Landwirtschaft

Dringenden Handlungsbedarf in der Landwirtschaft und besonders im Düngerecht zeigt der diesjährige Nitratbericht auf, der vergangene Woche von der Bundesregierung vorgelegt wurde. Nach wie vor beeinträchtigen landwirtschaftliche Düngemittel die deutsche Gewässerqualität enorm. Weiterhin wird Gülle großzügig und übermäßig auf deutschen Feldern verteilt. Der darin enthaltene Stickstoff und das Nitrat belasten vor allem unser Grundwasser.

Bereits im November 2016 erneuerte die EU-Kommission ihre Klage gegen die Bundesrepublik, die festgelegten Nitratgrenzwerte von 50 Milligramm pro Liter würden vielerorts überschritten. Besonders in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bayern, also Bundesländern, in denen die Landwirtschaft am stärksten ausgeprägt ist, sei die Belastung extrem.

Die Reaktion der Bundesministerien für Umweltschutz und Landwirtschaft sollten eine Neuausrichtung der Agrarpolitik sowie eine Verschärfung der Düngeverordnung sein. Diese stehen aber weiterhin aus. Geplant ist eine Gesetzesvorlage für das Frühjahr 2017.

Der nun vorgelegte Nitratbericht 2016, der alle vier Jahre von der EU-Kommission gefordert wird, verschärft die Dringlichkeit eines Umdenkens in der Agrarpolitik. In den vergangenen Jahren hat sich der Grundwasserzustand nur unwesentlich verbessert. Immer noch weisen 28 Prozent der Grundwassermessstellen Werte jenseits der Grenze von 50 Milligramm pro Liter auf. Diese Grenze wird an Flüssen und Seen flächendeckend unterschritten.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: „Die intensivierte Landwirtschaft kommt uns immer wieder teuer zu stehen. Das zeigt sich gerade beim Grundwasser. Wenn es zu stark mit Nitrat belastetet ist, muss es für unsere Trinkwasserversorgung verdünnt oder das Nitrat muss technisch beseitigt werden. Das treibt die Wasserkosten für alle in die Höhe. Im Sinne des Gemeinwohls müssen wir hier stärker als bisher gegensteuern. Dafür brauchen wir jetzt verschärfte Düngeregeln. Diese haben wir 2016 auf den Weg gebracht, jetzt müssen sie zügig in Kraft treten.“

Denn die Nitratbelastung der Gewässer schadet nicht nur der Umwelt. Auch des Steuerzahlers Portemonnaie ist davon direkt betroffen. Um das Grundwasser auf Trinkwasserqualität zu halten, muss massiv Aktivkohle eingesetzt werden. Letztlich zahlt der Steuerzahler die völlig verfehlte agrarische Entwicklung.

An einem neuen, schärferen Düngesetz wird bereits intensiv gearbeitet. Für den 16. Januar ist eine Anhörung des Agrarausschusses im Bundestag angesetzt, am 19. Januar dann eine Änderung des aktuellen Gesetzes beschlossen werden.

Die Vergangenheit allerdings hat gezeigt, dass schärfere Regelungen zum Umgang mit Düngemitteln häufig am Widerstand des einflussreichen Deutschen Bauernverbandes scheiterten, der gute Verbindungen in das Landwirtschaftsministerium pflegt. Bisher war das Haus der Umweltministerin kaum in der Lage dem Paroli zu bieten.

Quellen: Tagesschau.de, BMUB

 

Leave a Reply